Letzte Frage

Letzte Frage im Oktober

Herr Kummer weiß Antwort

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"Lieber Herr Kummer,die „Allee des Lichts“ durch den Park der Opfer des Faschismus wurde nie fertig, die LEDs an der bunten Esse kamen aus der Reparatur nie zurück und die neue Beleuchtung am Hauptbahnhof wurde nach einem Test auch nie wirklich angeworfen – wird Chemnitz für immer Dunkeldeutschland bleiben?"

Und schon sind wir wieder bei der Kriminalitätsbekämpfung. Sollte auch durch das konsequente Roden der Chemnitzer Parks keine Besserung der Sicherheitslage in unserer Stadt eintreten, wäre ein allabendlicher Hausarrest eine mögliche Lösung. 

Im englischen Redruth wurde diese Maßnahme, zumindest für Teenager, bereits im Jahr 2008 eingeführt. Die Kleinstadt hatte für die Ferienzeit eine Ausgangssperre für Jugendliche unter 16 Jahren verhängt, um Randale, Saufgelage und vorlautes Verhalten in der Öffentlichkeit in den Griff zu bekommen. Punkt 21 Uhr mussten die Strolche aus der Öffentlichkeit verschwunden sein. In Chemnitz könnte so eine Ausgangssperre ganzjährlich für die gesamte Bevölkerung eingeführt werden. Anständige Bürger haben in den Abendstunden sowieso nichts in der Stadt zu suchen, Ruhe und Sicherheit wären garantiert. Allee des Lichts, Schornstein, Bahnhofsbeleuchtung und Straßenlaternen, diese Stromfresser bräuchten wir dann nicht mehr. 

Bereits 1994 war der Begriff Dunkeldeutschland, damals war der angebliche Nachholbedarf Ostdeutschlands in Sachen Stadtbeleuchtung und Neonreklame gemeint, im Rennen um das „Unwort des Jahres“. Viel Licht bedeutete in den neunziger Jahren viel Fortschritt. Nun könnte das Walter Ulbricht Motto „Überholen ohne einzuholen“ aus sozialistischen Zeiten wiederbelebt werden. Wir brauchen keinen Neonlicht Rummel, keinen Piccadilly Circus oder Times Square. Die Stadt der Moderne geht ihren eigenen Weg. Ein Dunkelchemnitz könnte Vorreiter im Kampf gegen Kriminalität und Lichtverschmutzung werden. Seit es nachts in den Städten hell ist, haben sich die Lebensbedingungen vieler Tiere und Pflanzen dramatisch verändert. Auch der Tag-Nacht-Rhythmus des Menschen ist aus dem Lot geraten, was zahlreiche Gesundheitsstörungen zur Folge hat. Lichtenergie wird sinnlos in die Atmosphäre geschickt und der Sternenhimmel ist nur noch in entlegenen Gebieten zu bewundern. Untersuchungen aus dem Jahr 2000 zeigen, dass in Deutschland in einer einzigen Sommernacht an einer Straßenlaterne mindestens 150 Insekten zugrunde gehen. Rechnet man das auf die ungefähr 6,8 Millionen Lampen auf deutschen Straßen hoch, sind das jede Nacht über eine Milliarde Insekten. Stadtbeleuchtung ist Massenmord!  Weiterhin wurde bereits vielfach beobachtet, dass Laubbäume in unmittelbarer Nähe von Leuchtwerbetafeln ihre Blätter im Herbst verspätet verlieren, wodurch es zu irreparablen Frostschäden kommen kann. Eine totale Ausgangssperre, kombiniert mit einer städtischen Lichtabschaltung ab 21 Uhr, könnte so viel Gutes bewirken. Lasst uns gemeinsam Eintreten für ein konsequentes Dunkelchemnitz, zur nachhaltigen Verbesserung der Lebensqualität von Menschen, Bäumen und Insekten.  

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