Letzte Frage

Letzte Frage im November

Herr Kummer kennt die Antwort

Veröffentlicht am:

Sehr geehrter Herr Kummer, aus sicheren Quellen wurde mir zugetragen, dass sie ein passionierter Freund des Rauchens sind. Nun meine Frage: Viel seltener höre ich auf den Straßen, vor Cafés und Pubs Gespräche über Herkunft und Güte edler Tabaksträucher, sondern Worte wie Propylenglykol- Glycerin-Verhältnis, Wicklung, Ohm-Zahl, Aromazusätze oder Akkuträger. Sind die klassische Zigarette, die klassische Pfeife, die klassische Zigarre – kurz, ist das klassische Rauchen im Verschwinden begriffen?

In diesem Jahr wird der Umsatz von Liquidverdampfern in Deutschland um 45 Prozent auf rund 400 Millionen Euro steigen, schätzt der Verband des E-Zigarettenhandels ein. Inzwischen gibt es mindestens 3,5 Millionen Elektrodampfer in Deutschland. Zeitgleich werden immer weniger Tabakerzeugnisse verkauft. Das klassische Rauchen scheint tatsächlich allmählich zu verschwinden. Was ist nicht schon alles ausgestorben oder in eine unbedeutende Nische gedrängt wurden: Bonanzafahrräder, Schnurtelefone, Barbiere, Vinyl Djs, Telefonistinnen, Abschnittsbevollmächtigte, Hausierer und sockenstopfende Großmütter. Die schönen Fotos von genussvoll rauchenden Schauspielern und Politikern gehören mittlerweile auch schon in eine vergangene Welt. Audrey Hepburn mit ihrer entzückenden Zigarettenspitze, Fidel Castro mit seiner revolutionären Zigarre oder die qualmenden Schmidt und Churchill. Bilder von Prominenten mit Verdampfern gibt es aus guten Gründen kaum. Hollywoodstars, die aussehen als würden sie an silbrig glänzenden Luftpumpen oder aufgebrezelten Taschenlampen saugen, das erzeugt keinen Glamour. Auch die Bezeichnungen der elektrischen Rauchgeräte sorgen eher für Ernüchterung. Ego-T, Eleaf iStick Pico, Joyetech eGo, Kanger Tech - das sind doch keine Namen für Genussmittel!  Auf dem Markt der E-Dampfer wird getunt und gebastelt. Das ist eine Arbeit für Schlosser und Elektriker aber ganz sicher nichts für gelernte Raucher. Die Nutzer dieser technischen Geräte sind nicht wie der klassische Raucher von sanft kräuselndem Tabakrauch umrahmt, sondern in angeberischen Theaternebel gehüllt der, da bin ich mir sicher, bald auch in verschiedensten Bonbonfarben erhältlich sein wird. Dazu passend gibt es für die Dampfmaschinen Geschmacksnoten von Bahama Daddy bis Currywurst oder Zuckerwatte-Schlumpf. Kann man hier noch von ernsthaftem Rauchen sprechen? Hier handelt es sich um Dampfer und in den Rauchmaschinen ist kein Gramm Tabak zu finden sondern Liquid. Diese Flüssigkeit besteht unter anderem aus Propylenglykol, Glyzerin, Aromen, Aldehyden und teilweise auch Nikotin. Wer schon einmal in die traurigen Augen der Tabakbauern von Virginia und Bulgarien geblickt hat, würde niemals ein Liquid verdampfen, das möglicherweise in den selben Drogenküchen Osteuropas erzeugt wurde, in denen sonst Crystal Meth und Krokodil gekocht wird. Wie sollen die Tabakpflanzer in Zukunft ihre Kinder ernähren und in die Schule schicken?  Sollen die erfahrenen Bauern nun alle zu Chemikern umgeschult werden? Anständige Menschen, die sich solche Fragen stellen, werden natürlich niemals zu einer E-Zigarette greifen.

Zurück