Letzte Frage

Letzte Frage im September

Herr Kummer weiß Antwort

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Lieber Herr Kummer, bitte helfen sie mir. Ich bin leider Raucher und leider auch ein Mensch, der an seinen Fingernägeln kaut. Nun ist mir zu Ohren gekommen, dass es Hypnosemethoden gibt, die diese Laster unterbinden könnten. Geld habe ich nicht genug, um beide Behandlungen durchführen zu können. Auf was soll ich verzichten?

Wieso aufhören? Wieso verzichten? Fingernägelkauen und Rauchen sind doch schöne Hobbys. Außerdem sollte doch allgemein bekannt sein, dass sich durch das Abessen von Körperteilen ungelöste Konflikte aushalten und Anspannungssituationen mildern lassen. Gerade, wenn labile Menschen motorisch eingeengt oder emotional allein gelassen werden und aggressives Verhalten oder sonstige Gefühle nicht ausleben dürfen, können sie zu einer Gefahr für die Gesellschaft oder sich selbst werden. Das Nägelkauen als Affektabfuhr und Ersatzbefriedigung beruhigt und besänftigt. Fingernägel enthalten obendrein die für den Körper so wichtigen Elemente Calcium, Magnesium,Vitamin H und Eisen. Warum also sollte man etwas gegen die einfache und preisgünstige Selbstversorgung mit dringend benötigten Mineralien und Vitaminen unternehmen? Daran könnte doch nur die Nahrungsmittelergänzungsindustrie Interesse haben. Räuspern, Zähneknirschen oder Fingerknacken sind ohne Frage sinnlose Tätigkeiten, Fingernägel essen ist dagegen absolut positiv einzuschätzen.
Kommen wir nun zu deinem zweiten angeblichen Laster, lieber Leserbriefschreiber. Eine Fingernägel-Kau-Steuer gibt es noch nicht, aber durch die Tabaksteuer werden alljährlich Millionen in den Staatshaushalt gepumpt. Von dem Geld können Kindergärten gebaut und Straßen erneuert werden. Trotzdem werden seit einigen Jahren die Raucher mit fanatischem, fast schon inquisitorischem, Eifer verfolgt. Eine internationale Lobby von Ärzten, Politikern und Gesundheits-Extremisten wird nicht müde, auf die völlig übertriebenen schädlichen Auswirkungen des Tabakgenusses hinzuweisen. Leider wird dabei gänzlich unterschlagen, dass Rauchen kommunikativ und ein Symbol herrschaftsfreier Selbstbestimmung sein kann, und das Mediziner in früheren Zeiten das Rauchen wohlwollender betrachteten. Überschwänglich priesen sie den Tabak als wunderbares Allheilmittel. Bei Husten, Kopfschmerzen, Magenkrämpfen, Gicht und Frauenleiden wurde er eingesetzt, gegen Pest und Geschlechtskrankheiten verordnet und bei Magen- und Darmkrankheiten sogar mit Hilfe eines Tabakklistiers eingeführt. Auch heute wird Nikotin zur Selbstmedikation eingesetzt, beispielsweise um Schmerzen zu lindern, Stress zu verringern, die Aufmerksamkeit zu verbessern sowie Depressionen und Angstzuständen entgegenzuwirken.
"Drei Wochen war der Frosch so krank!  Jetzt raucht er wieder, Gott sei Dank!" der große Dichter und Zeichner Wilhelm Busch ließ ein Gedicht mit diesem schönen Verslein enden. Lieber Leserbriefschreiber, bleib dem Nägelkauen und dem Rauchen treu! Du solltest dein sauer erspartes Geld lieber in in eine sinnvollvolle Alterssicherung stecken und z.B. Unister- oder Telekomaktien erwerben oder auf dem Kunstmarkt spekulieren. Du könntest dich aber auch per Hypnose auf eine zauberhafte Südseeinsel versetzen oder in ein interessantes Tier verwandeln lassen.

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