Letzte Frage

Letzte Frage im Juni

Herr Kummer weiß einfach alles

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Lieber Herr Kummer, der Chemnitzer FC ist in großen Schwierigkeiten. Schon pfeifen die Spatzen vom Stadiondach, dass der neue Fußballtempel an der Gellertstraße bald von städtischen Tochterunternehmen gemanagt werden muss, um finanziell wenigstens etwas in die Stadtkasse zu spülen. Welche Möglichkeiten sind hierfür noch nicht ausgeschöpft?

Noch vor ein paar Jahren wäre die Lösung des Stadionproblems ganz einfach gewesen. Die GGG hätte den Bau übernommen, ihn abgerissen und eine schöne Rückbauprämie aus den Töpfen des Bund-Länder-Programms „Stadtumbau Ost“ kassiert. So einfach geht das heute leider nicht mehr. Das Stadion ist, wie wir Börsenleute sagen „to big to fail“, die Bürger sind zu aufmerksam und die alten Stadtumbau-Programme sind ausgelaufen. Was nur anstellen mit so einer teuren Spezialimmobilie, fragt sich auch die Stadt Aachen. Hier steht ein Stadion, dessen Hauptnutzer in der wenig glamourösen Regionalliga West spielt und kaum Miete zahlen kann. Jahr für Jahr muss die Stadt große Summen aus ihrem klammen Haushalt für den Betrieb des Stadions zuschießen. Das relativ neue, 50 Millionen Euro teure Bauwerk ist leider in Teilen bereits sanierungsbedürftig, weitere Kosten sind absehbar. Aachens Finanzbürgermeisterin machte schon den Vorschlag, das wie ein Klotz am Bein der Stadt hängende Stadion abzureißen und auf dem Gelände Wohnungen zu bauen. Keine üble Idee, nur sind Wohnungen in Aachen ein knappes Gut, in Chemnitz herrscht auf diesem Gebiet kein Mangel. Probleme mit schlecht ausgelasteten Stadien gibt es weltweit und besonders nach Sport-Großereignissen wie Olympia oder FIFA -Turnieren. Zur Fußball-WM 2014 in Brasilien wurde ein mächtiges Stadion in den Urwald von Manaus gebaut, die Arena da Amazônia. Die großen Spiele sind vorüber und seitdem rottet der Kasten vor sich hin. Die Klubs in der Region, mit durchschnittlich 500 Zuschauern pro Spiel, brauchen so ein Stadion nicht, aber man kann jetzt immerhin Hochzeiten darin feiern. Aber dass jemand mit 43500 Hochzeitsgästen die Ränge füllt, ist bisher allerdings nicht geschehen. Ein brasilianischer Richter hat deshalb den ernst gemeinten Vorschlag gemacht, das Stadion zukünftig als Gefängnis zu nutzen. Leider existiert in Chemnitz bereits eine wunderschöne Haftanstalt und trotz energischer Polizeiarbeit im Stadthallenpark und an der Zentralhaltestelle dürften die verhafteten Übeltäter auch in Zukunft kein Stadion füllen.
Helene Fischer und Stereoact-Konzerte, Immatrikulationsfeierlichkeiten, ProChrist-Massentaufen, die städtischen Tochterunternehmen könnten in der Comunity4you-Arena schon ein paar tolle Events organisieren und so ein paar Finanzlöcher stopfen. Aber wollen wir, die sportbegeisterten Menschen von Chemnitz, das wirklich? Wir wollten doch eigentlich ein vorzeigbares Fußballstadion mit einer grandiosen Heim-Mannschaft.

Mein Vorschlag lautet, der heimische Limonadenhersteller Lichtenauer Mineralquellen orientiert sich endlich mal an seinen Kollegen aus Österreich und investiert ein paar Millionen in den Chemnitzer Ballsport. Der Chemnitzer Fußballclub ändert dann seinen Namen in „Mineralquelle Chemnitz“, steigt zügig in die erste Liga auf und schon wird der Stadionbetrieb zum dukatenspeienden Goldesel.

Bild: Verena N. / pixelio.de

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