Letzte Frage

Letzte Frage im Januar

Herr Kummer weiß Antwort

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Lieber Herr Kummer, sicher haben sie den Erd-Vorbeiflug des interstellaren Asteroiden Oumuamua aufmerksam verfolgt. Viele Wissenschaftler waren besonders von der außergewöhnlichen, länglich-zigarrenhaften Form des Himmelskörpers fasziniert, sie vielleicht auch. Nun formulieren einige ernstzunehmende Astronomen die These, dass dieses Flugobjekt kein Gesteinsbrocken, sondern ein Raumschiff aus einer fernen Zivilisation war. Kann das möglich sein? Und warum ist es nur vorbeigeflogen?

Vielen Dank für diese anspruchsvolle Frage. Ich habe, als alter Hobbyastronom, ausgerüstet mit einem leistungsstarken Opernglas, selbstverständlich den Vorbeiflug des Zigarren-Himmelskörpers aufmerksam verfolgt. Ich muss anerkennend sagen: Donnerwetter, wie formschön!  400 Meter lang, nur 40 Meter breit und mit einem geringen Abstand von gerade einmal 24 Millionen Kilometern, flog Oumuamua am 14. Oktober an der Erde vorbei. So etwas sieht man nicht alle Tage am Himmel.

Wäre das Ding abgebogen und aus eigener Kraft auf unserem Planeten gelandet, wäre die Sensation natürlich groß gewesen.  Wir hätten wohl oder übel Kontakt zu den interstellaren Besuchern aufnehmen müssen. Wie könnten Lebensformen aus einem fernen Sonnensystem aussehen? Da können wir nur spekulieren. Wie Schieferplatten, Sandhaufen oder Tabakkrümel?  Man weiß es nicht. Vielleicht ist das auch besser so, möglicherweise hätten die im Raumschiff mitgeführten Mikroben die Erdbevölkerung innerhalb weniger Monate vernichtet, vielleicht hätten uns die Neuankömmlinge versklavt oder als Forschungs- und Sexobjekte in ferne Galaxien verschleppt. Die grausame Entdeckungs- und Kolonialgeschichte unseres Planeten sollte doch als Warnung genügen.

Es gibt natürlich immer Leute, die können einfach nicht akzeptieren, dass wir vorsichtshalber nicht auf uns aufmerksam machen sollten oder dass es Lebensformen geben könnte, die sich einfach nicht für die Menschheit interessieren. Dem Himmelskörper musste unbedingt unter Einsatz großer finanzieller Mittel nachspioniert werden. Um zu belauschen, was die vermutete Besatzung der Steinzigarre so vor sich hin plaudert oder plant, haben der russischstämmige Milliardär Juri Milner und Forscher vom, auf die Suche nach außerirdischem Leben spezialisierten SETI Institut, ein leistungsstarkes Teleskop für zehn Stunden auf den mysteriösen Himmelskörper gerichtet. Das Ergebnis: Nichts - absolute Ruhe. Vielleicht hat die Besatzung einfach die Klappe gehalten, weder russisch noch englisch miteinander gesprochen, weder kommandiert, noch in der Bordkombüse lautstark geflucht. Langweiliger aber wahrscheinlicher ist, dass es sich bei Oumuamua schlicht um einen stummen, sinnlos durchs All torkelnden Steinbrocken handelt.

Anstatt sein Geld wie George Soros in den Aufbau demokratischer Strukturen in Osteuropa zu stecken, oder nach guter russischer Oligarchensitte wenigstens einen, möglicherweise sogar den Chemnitzer Fußballverein zu kaufen, belauschte Herr Milner und die von ihm finanzierte Forschungseinrichtung einen alten Klotz. Die Menschheit ist durch diese Wissenschaftsmission nicht merklich voran gekommen. Ungeklärt bleibt weiterhin, ob Oumuamua nun ein Felsbrocken oder ein Raumschiff mit schweigsamer, ignoranter Besatzung ist. Wir werden es nie erfahren, denn nun ist das Ding wieder weg.

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