Letzte Frage

Letzte Frage im Mai

Herr Kummer weiß Antwort

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Lieber Herr Kummer, ein Rollator mit eingebautem Prosecco-Halter – erstaunt habe ich ein solches Exemplar bei meinem letzten Sanitätshaus-Shopping in Chemnitz entdeckt. Ich habe mich gefragt, ob ich mir so etwas in einigen Jahren kaufen würde oder ob das dem allseits gewünschten „Altern in Würde“ widerspricht. Was denken Sie?

Ich muss gestehen, so richtig wahrgenommen habe ich die Gehhilfen erst mit den sächsischen Pegida-Rundläufen. In der ersten Demo-Reihe befand sich immer eine stattliche Anzahl von Rollatoren und Seniorenrollern. Die Geräte waren meist mit Deutschland-Fahnen und Wimpeln ausgestattet aber nicht mit Prosecco-Haltern. Kein Wunder, bei der Rettung Europas stößt man ja nicht mit Schaumwein an. Ich persönlich finde Rollatoren, aber auch die in kostenlosen Fernsehzeitungen und im ADAC-Mitgliederjournal heftig beworbenen Treppenlifte, nicht hilfreich beim „Altern in Würde“. Selbst wenn diese Geräte mit Bier-, Prosecco- oder Blumenhaltern aufgehübscht, mit Lichtorgeln und Rückspiegeln versehen werden, moderne Senioren schauen sich längst nach anderen Produkten um. Das Altern lässt sich noch nicht verhindern. Es geht also darum, den Prozess anzunehmen und das Beste daraus zu machen. Wie aber gelingt das und was braucht es dafür? Ich bin mir sicher, Selbstdesign und die Optimierung des Körpers werden in den kommenden Jahren zu einem neuen Megatrend. Einige jüngere, aber vor allem viele ältere Menschen werden zu medizinischen Wirkstoffen greifen, die geistige Leistungssteigerungen versprechen. „Brain Doping“ mittels  Neuroenhancern ist der Geheimtipp der Stunde. Hier geht es um die Einnahme von psychoaktiven Substanzen aller Art mit dem Ziel der geistigen Leistungssteigerung.

Zahlungskräftige Best-Ager werden schon bald den Drogenmarkt aufmischen und die momentan noch im vergangenen Jahrhundert befindlichen Dealer-Strukturen gründlich verändern. Auch Sanitätshäuser sollten sich dringend mit neuen Produkten befassen. Wer will einen Rollator kaufen, wenn er ein Exoskelett bekommen kann?  Diese am Körper getragene Maschine unterstützt,  beziehungsweise verstärkt, die Bewegungen des Trägers. Die Rentner der Zukunft können mit ihren Fäusten Wände durchschlagen und 40 km Marathonläufe lässig absolvieren. Sie sind schlau, schnell und gefährlich. Jugendliche mögen nach unseren heutigen Schönheitsidealen besser aussehen als Senioren, bei einer geistigen oder körperlichen Auseinandersetzung würden junge Menschen in Zukunft aber böse einstecken müssen. Soweit muss es natürlich nicht kommen. Eine friedliche Koexistenz der Generationen sollte doch immer unser Ziel sein.

Abschließend möchte ich noch auf die attraktiven Ideen des Transhumanismus verweisen. Hier wird davon ausgegangen, dass der Mensch seine nächste Evolutionsstufe durch Fusion mit Maschinen und Computern erreicht. Die biologischen Grenzen eines zukünftigen Rentners sollen durch den Einsatz von Technologie überwunden werden. Wenn wir noch ein bisschen warten, könnten wir erleben, wie das menschliche Bewusstsein auf Maschinen und Programme übertragen werden kann. Unser ganzes Wissen, unsere gesamte Persönlichkeit, alles würde auf einem Computer gespeichert und den fragilen biologischen Körper überflüssig machen. Sollten die Träume der Transhumanisten Wirklichkeit werden, wer spricht dann noch von Rollatoren und Sanitätshäusern?

Foto: by_Klaus-Uwe Pacyna_pixelio.de

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