Letzte Frage

Letzte Frage im Mai

Herr Kummer gibt Antwort

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Lieber Herr Kummer, was ist eigentlich Liebe?

Mein lieber Scholli, dass nenne ich eine knifflige Frage. Will man das wirklich wissen? 

Zunächst ist die Liebe nämlich ganz einfach öde Chemie. Reize, wie zum Beispiel der Anblick einer Person, die wir als attraktiv empfinden, werden zum zentralen Nervensystem geleitet und lösen dort unterschiedliche chemische Reaktionen aus. Neben optischen Signalen sind aber vor allem olfaktorische Reize, also Gerüche entscheidend dafür, ob sich zwei Menschen anziehend finden. Ausschlaggebend sind dabei sogenannte Pheromone, auch Riechstoffe genannt. Jeder Mensch sendet Geruchssignale aus, die beim Empfänger, genauer gesagt bei dessen Hirnanhangdrüse, eine emsige Labortätigkeit entfachen können. Hormone werden produziert, die den menschlichen Körper zu physiologischen Reaktionen zwingen. Endorphin ist eins der vier bekannten Glückshormone, die das Gefühl der Verliebtheit erzeugen. Es mindert das Schmerzempfinden und wirkt stimulierend. Dann gibt es noch das Serotonin. Es erzeugt ein wohliges Gefühl der Zufriedenheit. Dopamin macht agil und unternehmungslustig. Das letzte Hormon im Bund der Glücklich-Macher ist das Noradrenalin. Noradrenalin regt unser Zentralnervensystem an und macht uns wach und lebhaft. Liebe ist also ein Mix aus Hormonen, deren Produktion durch optische, geruchliche oder Berührungsreize ausgelöst werden. Die Mischung dieser Hormone versetzt uns in eine Art Rauschzustand, auch Verliebtheit genannt.

Ich hoffe nun, lieber Leserbriefschreiber, du hast dich mit deiner Frage auf die Liebe zwischen Menschen bezogen, denn es gibt auch andere Arten von Liebe, die etwas rätselhafter sind. Was mag im Kopf und Körper der Agalmatophilen vorgehen, die eine starke Liebe gegenüber Statuen, Gemälden und anderen unbelebten menschlichen Darstellungen hegen?
Immerhin, die Selbstliebe, auch als Narzissmus bekannt, ist einigermaßen erklärbar, man kann ja ausgiebig an sich selbst herumschnuppern und herumfingern oder sich im Spiegelbild bewundernd betrachten, um die Hormonproduktion in Schwung zu bringen.

Ein echter Liebesknüller ist natürlich Eija-Riitta Eklöf-Berliner-Mauer. Sie ist eine Schwedin, die den Begriff „Objectum Sexuality“ erfunden hat, der die Liebe von Menschen zu Objekten beschreibt. Wie man an ihrem Namen erkennen kann, war die Frau mit der Berliner Mauer verheiratet. Die Eheschließung erfolgte am 17. Juni 1979 und hielt, wie man sich denken kann, bis zum 9. November 1989. An diesem Tag wurde der antifaschistische Schutzwall getötet und Eija Eklöf-Berliner-Mauer betrachtet sich seither als trauernde Witwe. Was in der armen Frau vorgegangen ist, als kürzlich Mauersegmente aus der East Side Gallery herausgebrochen wurden, wage ich mir nicht vorzustellen. Wurde der geliebte Partner nach seinem Tode nochmals geschändet?

Manche Menschen lieben unspektakulärere Dinge wie Autos, Essen, Musik oder auch modische Hosen. Wir sehen, die Liebe kennt viele Facetten.
Am Schluss möchte ich noch kurz die Heimat- oder Vaterlandsliebe, den Patriotismus erwähnen. Wie erklärt sich diese berühmte Liebe? Fühlen sich Menschen sexuell erregt, wenn sie zum Beispiel Südtiroler Bergluft riechen oder vom Fichtelberg blicken? Ex-Bundespräsident Gustav Heinemann hatte auf die Frage, ob er Patriot sei und die Bundesrepublik denn nicht liebe die großartige Antwort gegeben: „Ach was, ich liebe keine Staaten, ich liebe meine Frau; fertig!“ Ich bin der Meinung für so eine Antwort könnte man sich auch in einen Politiker verlieben.

 

 

 

 

 

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