Letzte Frage

Letzte Frage im August

Herr Kummer gibt Antwort

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Lieber Herr Kummer, allerorts eröffnen in Chemnitz Geschäfte zum Goldankauf. Woher kommt diese Goldgräberstimmung? Ist mein gespartes Geld noch sicher?

Lieber Leserbriefschreiber, gespartes Geld ist nie sicher. Ausgeben, Verprassen und Verschleudern lautet mein Ratschlag. Vergessen Sie dieses blöde Gold. Wenn es wenigstens Silber wäre. Es gab Zeiten, da war dieser heimische Bodenschatz das Maß der Dinge. Hunderte Jahre bestimmte der Silberabbau das Leben im Erzgebirge. Die ersten Edelmetallfunde Ende des 12. Jahrhunderts lösten das sogenannte „Berggeschrey“ aus. Zentrum des Silberbergbaus war Freiberg in Sachsen. Die Suche nach Erz dehnte sich aber schon bald über die gesamte Gegend aus und lockte immer mehr Menschen an. Schon Ende des 15. Jahrhunderts war das Erzgebirge dicht besiedelt. Bergleute, Handwerker und Händler kamen in Scharen mit ihren Familien in die bis dahin verlassene Region. Mächtige Bergstädte wie Annaberg, Schneeberg oder Marienberg entstanden. In Deutschland war der silberne Reichstaler, Nachfolger des erzgebirgischen Joachimstalers, lange offizielle Währungsmünze. Österreich prägte im 18. Jahrhundert den Theresien-Taler der sich in orientalischen Ländern bis weit ins 20. Jahrhundert als zwar inoffizielles, aber anerkanntes Zahlungs- und Wertaufbewahrungsmittel hielt. Die USA wählten, in Anlehnung an den Taler, den Dollar als Silbermünze zu ihrer Währung.

Der allmähliche Niedergang des Silbers begann bereits in den Jahrzehnten nach der Entdeckung Amerikas, als die Edelmetallschätze der Azteken, der Inkas und anderer alter Reiche nach Europa gebracht wurden. Die Ausbeutung von amerikanischen Gold-, Silber- und Kupferlagerstätten führte zu einem deutlich erhöhten Angebot dieser Münzmetalle. Besonders bei Silber führte dies zu einer Wertverringerung, das Erzgebirge hatte seine erste Wirtschaftskrise und der Siegeszug des gelben Metalls begann. Gold gilt heutzutage als die traditionelle Fluchtwährung für verängstigte Bürger. Immer wenn die Angst vor Krisen wieder auf einen Höhepunkt zusteuert, wenn warnende Meldungen die Schlagzeilen der Boulevardpresse erreichen, dann kaufen die Deutschen Gold. Es hat schon Tage gegeben, an denen Münzen und Barren ausverkauft waren. Viele Menschen sind offensichtlich überzeugt: In einer schweren Lage, in unsicheren Zeiten, ist Gold die beste Geldanlage. So etwas registrieren gewiefte Geschäftsleute natürlich blitzschnell. Überall eröffnen An- und Verkaufsläden für Gold, um vom schwunghaften Handel zu profitieren.

Aktuell haben wir Wahljahr und obendrein eine schwelende Finanzkrise, schlimmer kann es für ängstliche Menschen nicht kommen. Zur Oberbürgermeisterwahl in Chemnitz standen Kandidaten wie der fiese Unsympath von Pro Chemnitz, sowie ein Castingshow-Gewinner von der Volkssolidarität auf der Matte. Die FDP schickte einen Schuljungen, die LINKE einen Law and Order Populisten und die amtierende Oberbürgermeisterin fühlte sich offentsichtlich gar keiner Partei zugehörig. So etwas jagt dem sensiblen Menschen einen gehörigen Schrecken ein und wenn er dann noch mit Nachrichten über den baldigen Untergang des Euros bombardiert wird, rennt er schnell in den nächstgelegenen Goldladen, um seine Ersparnisse in handliche Barren umzutauschen. Die Stadtregierung ist unfähig, die Bundesregierung hilflos, der Euro taugt nichts, Banken können Pleite gehen und in die Wohnung brechen ständig osteuropäische Diebesbanden ein. Niemanden kann man trauen. Und so sieht man immer öfter Bürger, die ihren gesamten Besitz in dicken Beuteln voller Goldmünzen durch die Straßen schleppen und sogar Goldbarren als unbequeme Ketten um den Hals gebunden tragen. Selbstverständlich gab und gibt es attraktive Alternativen zu dieser Geldanlage. Auf der Insel Borneo zeigen kleinkalibrige, funktionsfähige Kanonen aus Bronze den Status ihrer Besitzer an. Sie fungieren als Kapitalanlage und als Brautpreis. Brautsuchende, euro- und politikskeptische Chemnitzer unterwegs mit kleinen Kanonen. Welch schöne Vorstellung.

Foto: Deutsche Bundesbank

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