Letzte Frage

Letze Frage im März

Herr Kummer gibt Antwort

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Herr Kummer hat es in diesem Monat mit einer recht, äh, umfangreichen Frage zu tun. Von Bauprojekten und Hamsterkäufen.

Werter Herr Kummer, in nächster Zeit werden in Chemnitz einige ambitionierte Neubauprojekte im innerstädtischen Bereich realisiert. Bäume werden gefällt und große Parkflächen verschwinden. Ich frage mich nun, könnte dadurch der Plan, Chemnitz zur autogerechtesten Großstadt Deutschlands zu entwickeln, ruiniert werden. Weiterhin sorge ich mich, dass die in allen, besonders in den bei jungen Menschen beliebten Kommunen stattfindende Gentrifizierung, durch das bei uns entstehende Überangebot an Wohn- und Gewerbebauten auch in kommenden Zeiten gemindert oder sogar verhindert wird. Wir haben uns in Chemnitz doch gerade durch die Abkehr vom Ideal eines mittelalterlichen Stadtbildes ein weithin bekanntes Alleinstellungsmerkmal geschaffen. Muffig enge Gassen, Kanäle mit träge dahinfließenden, bakterienverseuchten Abwässern, Vergnügungsviertel, in denen Ansteckungen aller Art lauern, wie wir sie aus anderen Städten kennen, gibt es bei uns nicht. Die entstehenden Neubauten könnten nun die in Chemnitz bestehenden Frischluftschneisen einengen und dafür sorgen, dass sich die Bürger auf den neu entstehenden Strassen und Fußwegen näher kommen. Hierzulande waren mindestens drei Meter Abstand zwischen den Passanten durchaus möglich. Und das verringerte auch gleich das Ansteckungsrisiko jeglicher Art. Fraglich ist, ob das bei einer Verdichtung der Bebauung auch künftig noch möglich sein wird. In Zeiten fernöstlicher Virenangriffe ist das doch aberwitzig!

Ich persönlich lebe in meinem abgeschotteten Keller und habe mich mit 15 Kilo Nudeln und einem Doppelzentner Zwieback eingedeckt. Allerdings könnte mein Vorrat an Toilettenpapier nicht ausreichen und ich muss eventuell nachkaufen. Wo parke ich dann beim Einkaufen, wo doch alle größeren innnerstädtischen Parkplätze nach und nach verschwinden? Wenn dann neben den Bauaktivitäten auch noch ständig Kultur- und Vergnügungsfestivals in der City stattfinden, stellvertretend nenne ich hier das hARTbeat, Kosmos oder Hutfestival, sieht es mit dem motorisierten Kauf von Hygieneprodukten ganz schlecht aus. Menschen, die zu den genannten Großveranstaltungen gehen, handeln sowieso unverantwortlich. Während sich viele Bürger in die vorsorglich schon zu DDR-Zeiten eingerichteten Zivilverteidigungs-Bunker begeben und nur noch schnell ein paar Kilo Mehl und Trockenerbsen kaufen wollen, blockieren die vergnügungssüchtigen Traumtänzer wichtige Verkehrsmagistralen. Soviel Globuli kann ich gar nicht essen, wie ich kotzen möchte! Entschuldigen Sie bitte meine vulgäre Ausdrucksweise, aber meine Nerven liegen blank. Verstehen Sie mich bitte nicht falsch, auch ich feiere gern und bin schon auf mancher Masern-Party gewesen, aber bei Parkplätzen hört bekanntlich der Spaß auf.

Übrigens erzählte mir eine Bekannte kürzlich, dass der Streit um Autoabstellmöglichkeiten auf dem Kassberg jedes Jahr mehr Opfer fordert als alle Chemtrails über Europa zusammen. Durch die Lückenbebauung in der Innenstadt und die dadurch entstehende Parkplatznot könnte sich die Gewalt von den Stadtteilen in die bislang so ruhige City ausbreiten. Ich möchte an dieser Stelle die Stadtverwaltung auffordern, sämtliche Bauarbeiten, Veranstaltungen und sämtliches Treiben in Clubs, Bars und Gaststätten zu verbieten. Es geht um eine funktionierende Stadt, die Gesundheit und um die Möglichkeit, auch in Zukunft Hamsterkäufe mit dem Fahrzeug erledigen zu können.

Jetzt habe ich meine Frage vergessen.

Foto: Jens Goetzke / pixelio.de

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