Letzte Frage

Letzte Frage im November

Herr Kummer weiß Antwort

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Angela Merkel ist auf Abschiedstournee. Am 3. November ist sie in Chemnitz zu Gast. Herr Kummer überlegt schon, was er die Bundeskanzlerin alles so fragen will.

Lieber Herr Kummer, Angela Merkel besucht Chemnitz und beantwortet die Fragen der Freie Presse-Leser*innen. Da gehören Sie doch dazu, oder? Was wollen Sie also Frau Merkel fragen?

Ach du liebe Güte. Ja, hin und wieder lese ich die Freie Presse, aber zu diesem Gesprächs-Treff  bringen mich keine zehn Pferde. Eingeladene Gäste müssen sich bereits Stunden vor Beginn am Veranstaltungsort einfinden und Sicherheitsüberprüfungen erdulden, um sich dann bei lauwarmem Saft und Mineralwasser die Füße plattzustehen. Vielleicht kommt es noch zu einer kleinen Verzögerung, weil Frau Merkel auf dem Weg zur Veranstaltung ein Bad in der Menge nehmen und sich ausgiebig von patriotischen Hysterikern anschreien lassen möchte. Wenn dann die Kanzlerin endlich zum Gespräch erscheint, der große Moment gekommen ist, was könnte man fragen? Warum sind sie nicht so leidenschaftlich wie Emmanuel Macron? Oder wie wäre es mit: Na Frau Merkel, damals 2015, denken sie nicht auch, dass es da aber ganz schön drunter und drüber ging? Zack, das hat gesessen! So etwas hat bestimmt noch keiner gefragt. Vielleicht fängt die Kanzlerin jetzt an zu weinen, sie könnte sich in einen Kranich oder in eine Blume verwandeln oder sie outet sich plötzlich als eine von Amerika gesteuerte Marionette oder sie gibt endlich zu, ein Reptiloid zu sein.

Alles ist möglich. Wahrscheinlicher ist allerdings, dass Frau Merkel routiniert und unaufgeregt die Bürgerfragen mit den bewährten Merkelschen Textbausteinen beantwortet. Vor der Fragestunde im Bundestag war die Kanzlerin sicher aufgeregter, als vorm Gesprächskreis mit der Freien Presse. Zum ersten Mal in ihrer Amtszeit musste sich Angela Merkel in diesem Sommer den Fragen der Abgeordneten im Bundestag stellen. Die Kanzlerin war mit sich zufrieden, hielt sich wacker und freut sich bereits auf eine Fortsetzung. Vielleicht geht es aber bei der Freie Presse-Veranstaltung gar nicht um irgendwelche Fragen, sondern um Gesprächspsychotherapie, Dampf ablassen, Heilung.

Wie wohltuend könnte es für viele Bürger sein, der Merkel einfach mal zu sagen, dass hier nicht alle rechts sind, die Treuhand die ganze schöne Industrie in Chemnitz kaputtgemacht hat, die Lebensleistung der Sachsen nie gewürdigt wird, man nicht mehr sagen kann was man will, der CFC abgestiegen ist und die Baustellen in unserer Stadt eine Zumutung sind und die Kanzlerin mal was gegen den Katzendreckgestank im Erzgebirge tun muss – puuu, jetzt ist es raus! Das tat gut!

Vielleicht bleiben ja am Ende der Veranstaltung noch ein paar Minuten für private Fragen an Frau Merkel. Vorbild könnte hier der Illustrierten-Talk „Brigitte Live 2017“ sein. Bei dieser Gesprächsrunde ging es auch um Perfektion im Haushalt. Angela Merkel: "Na, wenn Gäste kommen, halte ich die Gläser auch gegen das Licht". Außerdem habe sie sich früher geärgert, dass sie ihre Leinen-Kleidung nicht faltenfrei gebügelt bekommen hat. Sollte es dem Freie Presse Gesprächskreis gelingen, der Frau Kanzlerin ähnliche Geheimnisse zu entlocken, gehen die zunächst so besorgten Bürger nach der Veranstaltung nachdenklich und zufrieden nach Hause und sagen sich: Unsere Bundeskanzlerin - die hat es auch nicht immer einfach, eine Frau mit ganz normalen Problemen.

Foto: by_CFalk_pixelio.de

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