Letzte Frage

Letzte Frage im Dezember

Herr Kummer gibt Antwort

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Lieber Herr Kummer, die Stadt Chemnitz hat einen Wettbewerb um ein Strategisches Kommunikations- und Marketingkonzept ausgeschrieben. Was müssen die Beteiligten ihrer Ansicht nach machen, um zu gewinnen?

Keine Ahnung wie Städte in früheren Zeiten überleben und sogar wachsen konnten, ohne strategische Kommunikations - und Marketingkonzepte. Die Kommunen hatten ja noch nicht mal griffige Stadtslogans. Irgendwie wurschtelten sich die Städte durch die Jahrhunderte. So konnte das natürlich nicht ewig weitergehen. Was wäre wohl aus Berlin geworden ohne den magnetischen Werbespruch „Be Berlin – the Place to be“. Niemand hätte die gammlige Stadt an der Spree beachtet, wahrscheinlich wäre sie einfach vergessen worden. Koblenz erlebte einen unglaublichen Aufstieg in die Liga der bedeutenden Metropolen mit „Koblenz – Magnet am deutschen Eck, die Stadt zum bleiben“. Hätte irgendjemand ohne die Hilfe von Marketingexperten gewusst, dass Köln nicht nur eine Stadt ist, sondern „Köln ist ein Gefühl“. Krehfeld präsentiert sich verlockend als „Stadt wie Samt und Seide“ und Mannheim wirbt erfolgreich mit „Leben. Im Quadrat“.

Nun möchte Chemnitz seinen Claim „Stadt der Moderne“ neu überdenken und überhaupt die Stärken und Schönheiten der sächsischen Kommune professionell vermarkten. Die Ausschreibung für ein neues innovatives Konzept ist seit kurzem öffentlich und um zu gewinnen, sollten die Bewerber sich zunächst erst einmal an die weisen Worte von Ex Deutsche Bank Sprecher Hilmar Kopper erinnern:
“… jeder muss im job permanently seine intangible assets mit high risk neu relaunchen und seine skills so posten, dass die benefits alle ratings sprengen, damit der cash-flow stimmt. Wichtig ist corporate- identity, die mit perfect customizing und eye catchern jedes Jahr geupgedatet wird!”

Wichtige Tools für potenziell aussichtsreiche Bewerber sind natürlich auch die vier „P“s, das sind Product, Price, Place, Promotion, unter Einbeziehung der speziellen Gegebenheiten von Chemnitz. Die Web 2.0-Community einer Stadt, die sich der klassischen Einflussnahme der Marketers zu entziehen versucht, muss selbstverständlich auch bedacht werden. Dafür gibt es die vier “R“s, Reveal, Reward, Respect und Retain, eingebunden in einen möglichst liquiden Prozess mit Feedbackmöglichkeiten.

Nur so können Einheimische, Ortsfremde, Entrepreneure, Multiplikatoren und Entscheider für Chemnitz gewonnen werden. Die Vermarktungsideen müssen catchen, ja regelrecht flashen. Chemnitz am Point of Sale, ein cooler, hipper Hot Spot im Städteranking, so sollte das klare Ziel des Marketingkonzeptes postuliert werden. Die Stadt mit einer sexy Corporate Identity, umgesetzt durch den Aufbau eines nachhaltigen Corporate Images. Und nicht zu vergessen, für die Präsentation der visualisierten, grafischen und textlichen Kommunikationsinhalte gibt es seit Jahren einen Goldstandard: das mächtige P, auch als Powerpoint bekannt. Eine schöne Powerpoint-Response-Darbietung mit den oben genannten Inhalten, mit Kaffee und Schnittchen im Rathaus. Was sollte nun noch einer erfolgreichen Bewerbung im Wege stehen?

Jedenfalls hoffentlich nicht die notorischen Mäkler und Besserwisser, die meinen in Chemnitz sei schon genügend Geld in blödsinnige Marketingkonzepte versenkt worden.

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