Letzte Frage

Letzte Frage: April 2011

Herr Kummer gibt Antwort

Veröffentlicht am:

Katze 2.0

Lieber Herr Kummer, in meiner Heimat stinkt es gewaltig – und zwar nach Katzendreck! Dabei habe ich gar keine Katzen, doch Sie sind sicher schon mit der Problematik vertraut: Seit Jahren wird unsere schöne Erzgebirgsluft von ekligen Katzendreck-Mief verdrängt. Schon die EU in Brüssel wurde angerufen, ohne Erfolg. Was sollen wir Erzgebirgler denn noch tun, um endlich wieder frisch und frei durchatmen zu können? Haben Sie eine Lösung gegen den Katzengestank?

Im Erzgebirge stinkt es, und nicht erst seit kurzem. Generationen von Anwohnern werden von den immer wiederkehrenden Gestanksschwaden gequält, die durch die Wälder und Täler des ansonsten so lieblichen Landstrichs ziehen. Jetzt haben die Menschen buchstäblich die Nase voll. 11000 Unterschriften „Gegen den Katzendreck – Gestank“ wurden von Bürgerinitiativen gesammelt und dem Präsidium des EU-Parlaments übergeben.

Unstrittig sei, dass der Geruch aus dem böhmischen Raum über den Erzgebirgskamm gezogen kommt. Im Verdacht stehen ein petrochemisches Kombinat sowie weitere tschechische Industrieanlagen. Der sächsische Umweltminister Kupfer möchte in diesem Jahr vermehrt Luftproben nehmen, um „damit bei der Suche nach den Quellen für den immer wieder auftretenden Gestank einen Schritt weiter zu kommen“. Für den Gestank sind die Tschechen verantwortlich, in dieser Aussage sind sich Bürgerinitiativen und Landesregierung einig. Die unbequeme Wahrheit scheint niemand hören zu wollen. Eine lange Zeit unter Verschluss gehaltene Untersuchung des sächsischen Bergamtes kommt nämlich zu völlig anderen Ergebnissen. Bekanntlich gibt es vor den Küsten Perus ganze Inseln, die nur aus in Jahrtausenden angehäuften Bergen von Vogelexkrementen bestehen.

Dieser Dung wird bis in die heutige Zeit abgebaut und unter dem Namen Guano als Pflanzendünger gehandelt. Das Erzgebirge hingegen besteht nach Meinung der Forscher zum größten Teil aus uraltem Katzenkot. Offenbar war diese Gegend zu früheren Zeiten eine riesige Tiertoilette. Mächtige Flötze mit bis zu fünfzig Meter dicken tierischen Hinterlassenschaften durchziehen die Berglandschaft. Das es dadurch hin und wieder zu Geruchsbelästigungen kommt, liegt auf der Hand. Schön sind diese Erkenntnisse für die Erzgebirgler natürlich nicht.

Wer möchte schon auf einem riesigen Haufen Katzenkot Urlaub machen? Wer hört gerne, dass das Weihnachtsland auf einer Kloake gegründet wurde? Ein Kartell des Schweigens wurde gebildet, um die wahren Gründe der Gestanksmisere zu verschleiern, der Tscheche musste als Buhmann herhalten. Extreme Gruppen wie die „Arzgebirgische Separatistische Freiheitsarmee ASF/UZB“ terrorisierten jahrelang Andersdenkende. Nach Meinung des sächsischen Bergamtes soll nun aber Schluss mit Lügen und Vertuschen sein.

Das Erzgebirge ist ein Katzenkotgebirge! Mit der Anerkennung dieses Fakts könnte auch ein Aufschwung der Region einhergehen. Die Guano Inseln verdienten und verdienen durch den Abbau und Verkauf des begehrten Vogeldüngers  viel Geld. Unter dem Label „Original Erzgebirgischer Guano“ könnte also auch hierzulande ein lukratives Exportgut entstehen und weltweit vermarktet werden. Am Ende eines energischen Dungabbaus hat der Fichtelberg dann möglicherweise nur noch eine Höhe von 400 Metern, aber die Quelle der Geruchsbelästigung wäre endgültig ausgetrocknet.

Ähnliche Artikel im 371 Stadtmagazin: Letzte Frage März 2011

Erschienen im 371 Stadtmagazin Heft 04/11
Foto: Claudia Branca / photocase.com

Zurück