Letzte Frage

Letzte Frage im Januar

Herr Kummer kennt die Antwort

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Lieber Herr Kummer, neulich las ich in der Tagespresse, dass es im Tietz auch Drogen und Prostitution gibt. Nun war ich noch nie in diesem Tietz, es scheint aber ein ganz schön verruchter Laden zu sein. Was geht dort sonst so? Kann ich dort vielleicht auch Waffen kaufen?

Auch ich beobachte das Kulturkaufhaus Tietz nur aus sicherer Entfernung. Man hört allerdings so einiges. Jugendbanden und lichtscheue Elemente feiern Orgien im Kellerclub des Hauses. Es gibt Gerüchte über regelmäßige Massenschlägereien in der Bibliothek und Prostitution im Fossilienkabinett. Ein Bekannter erzählte mir von gewissenlosen Geschäftemachern, die versteinerte Bäume als Potenzmittel nach China verticken.

Doch das ist noch nicht alles, Ordnungsbürgermeister Miko Runkel wurde gegenüber der Lokalpresse deutlich: „Drogenspürhunde der Polizei schlugen auf Toiletten im Tietz an. Unhaltbar!“ Auch unsere OB Barbara Ludwig sprach Klartext: „Im Tietz bewegen sich unter jährlich 1,3 Millionen Besuchern Problemgruppen. Sogar Prostitution ist eine Begleiterscheinung.“ Solche Probleme sind nicht auf Chemnitz beschränkt. Vor einigen Jahren wurden in Berlin Spuren von Kokain auf den Toiletten des Bundestages und des Abgeordnetenhauses gefunden. Unter die Millionen Besucher der Reichstagskuppel sollen sich auch einige Prostituierte gemischt haben. In Leipzig gab es den Sachsensumpf, die Affäre um die Verwicklung hochrangiger Persönlichkeiten aus Justiz, Politik und Wirtschaft in die Prostitution Minderjähriger, in Toilettengeschäfte und in die damit in Zusammenhang stehenden kriminellen Machenschaften.

In diesen Fällen reagierte die Politik rat- und hilflos. Chemnitz ist hingegen die Stadt der Macher, hier wird gehandelt. Die künftige Kulturhauptstadt und Innovationsmetropole setzt wieder einmal Maßstäbe im Kampf gegen Kriminalität und Verwahrlosung. Getränkekontrollen, Heckenbeschnitt und das Androhen eines Ballspielverbots befriedeten den Stadthallenpark, einen ehemaligen Brennpunkt des Verbrechens in unserer Stadt. Nun ist das gefährliche Tietz an der Reihe. Der Wachdienst im Haus wird auf acht Mann verdoppelt und die Videoüberwachung soll ausgebaut werden. Das sind hervorragende Ideen, regelrecht genial ist aber das angeordnete Abschalten des freien Internets auf dem Gelände.

Waffenverkauf im stationären Handel gibt es im Tietz nicht. Dieses Geschäft wird neuerdings im sogenannten Darknet abgewickelt. Durch das konsequente Abschalten des WLANs sind nun Attentäter und radikale Reichsbürger vom Einkauf im Internet abgeschnitten. Jetzt müssen sich diese kriminellen Elemente wieder eine ordentliche Arbeit suchen. Auch die vielen Prostituierten und Zuhälter, die bislang in den öffentlichen Toiletten des Hauses ein komfortables Leben führten, stehen künftig unter enormem Verfolgungsdruck durch Videokameras und Wachschutz. Sie werden sich andere, anständige Betätigungsfelder suchen. Die im Tietz befindlichen Geschäfte, wie z.b. City Ticket, Hörgeräte Ehnert oder der Weltladen, freuen sich sicher über neue Kollegen.

Für notorisch unbelehrbare Verbrecher, die die Chance, ein neues Leben zu beginnen, ausschlagen, gilt in Chemnitz der innovative Spruch unseres Altkanzlers Gerhard Schröder: „Wegschließen - und zwar für immer."

foto: by_gnubier_pixelio.de

 

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