Letzte Frage

Letzte Frage im Juli

Herr Kummer gibt Antwort

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letzte frage juli

Lieber Herr Kummer, im Vogtland lebt nahe der tschechischen Grenze ein ausgebüchster Strauß. Wanderer und Radfahrer berichten seither von Begegnungen mit dem afrikanischen Riesenvogel. Auch in bin eine begeisterte Wanderin, jedoch erschreckt mich die Vorstellung, in freier Wildbahn einem derart großen und schnellen Tier zu begegnen. Was soll ich also tun, wenn der Strauß kommt?

Zunächst kann ich Sie, liebe Leserbriefschreiberin, beruhigen. Der vor einigen Wochen aus dem tschechischen Grenzdorf entlaufene Strauß ist wieder zu Hause. Engagierte Gebirgsbewohner konnten das Tier in den Wäldern des Vogtlands orten und schließlich einfangen. Nun lebt der Strauß, unter den wachsamen Augen seines Besitzers Vladimir Kolar, wieder mit einigen anderen Artgenossen in einer kleinen Straußenfarm im böhmischen Krasna.

Nun werden aber in Tschechien bekanntlich nicht nur Strauße gehalten, sondern auch Braunbären, Schlangen, Elefanten, Krokodile und wilde Kühe. Was tun wenn diese Exoten ausbrechen und über die nur lasch bewachte Grenze in unsere Heimat eindringen? Kürzlich weilte ich zu einer Fachtagung in Oberwiesenthal. Im dortigen Veranstaltungszentrum „Kiwis“ wurde genau über dieses Thema ausführlich debattiert. Die anwesenden Experten waren sich schnell einig, dass das Gefährdungspotenzial freilaufender Exoten nicht zu unterschätzen ist. Problembär Bruno oder auch die Waldkuh Yvonne zeigten in der Vergangenheit, dass man die deutschen Grenzwälder nur mit äußerster Vorsicht und niemals allein durchstreifen darf. Einen gewissen Schutz für den Touristen bieten gepanzerte Monsterroller oder auch messerscharf angespitzte Nordic-Walking Stöcke.

Wenn einem Ausflügler allerdings ein Strauß begegnen sollte ist Furcht unangebracht. Dieses Lebewesen ist zwar groß und schnell, ansonsten aber für den Menschen völlig ungefährlich. Am besten wäre es, beherzt vorzugehen und das exotische Monstrum zu erlegen. Bei dem dürren Straußenhals bietet sich  natürlich erwürgen an und dann ab damit in die heimische Küche. Straußenfleisch ist nämlich, ebenso wie Kängurufleisch, mager und cholesterinarm und damit die ideale Nahrung gesundheitsbewusster Menschen. Man könnte es auch als das  Steak des 21. Jahrhunderts bezeichnen. Es ist ein delikates, rotes Fleisch und schmeckt wie bestes Rinderfilet. Durch eine ganzjährige Weidehaltung ist eine ökologische Erzeugung garantiert. In der vegetationsarmen Zeit sucht sich der Strauß Laub und Heureste und erreicht ohne Zusatz jeglicher Antibiotika oder sonstiger, wachstumsfördernder Futterzusätze sein beachtliches Körpergewicht.

Das es sich hier um ein ganz besonderes Lebewesen handelt unterstreicht die Tatsache, dass einige Wissenschaftler mittlerweile zu der Annahme neigen, dass ein Strauss eher ein zweibeiniges Gebüsch ist und nicht dem Tierreich zugeordnet werden kann. Diese Nachricht elektrisierte natürlich die großen deutschen Vegetarierverbände. Im Unterschied zu den anderen Exoten darf der Strauß also ruhig unsere Wälder besiedeln. Vielleicht sorgt dieses Wesen sogar für eine gastronomische Revolution in unserer Heimat.

Ungeklärt und sicher Thema weiterer Tagungen ist bislang allerdings noch, was geschieht, wenn Straußeneier mit dem Uran belasteten Boden der sächsischen Mittelgebirge in allzu intensiven Kontakt geraten. Der Hollywood Film „ Godzilla “ gibt da ausreichend Stoff zum Nachdenken.

 Weitere Antworten von Herrn Kummer auf wichtige Fragen des Alltags gibt es hier.

 

 

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