Letzte Frage

Letzte Frage: Juli 2011

Herr Kummer gibt Antwort

Veröffentlicht am:

Bundesagentur für Arbeit

Lieber Herr Kummer, wie Sie vielleicht schon aus den Medien erfahren mussten, wurde der CineStar Luxor Filmpalast geschlossen. Leider mussten meine Kollegen und Ich feststellen, dass die Arbeitsplatzsuche sich als äußerst schwierig gestaltet. In der Arbeitsagentur werden unsere konkreten Wünsche belächelt, Ich z.B. interessiere mich sehr für das männliche Geschlecht und möchte mich gern zur Urologin umschulen lassen, ein Kollege würde gern Pilot oder Astronaut werden... Vielleicht können Sie uns ja ein paar hilfreichen Tipps geben?

So, so. Der Filmpalast wurde geschlossen und jetzt wundern sie sich, liebe Leserbriefschreiberin,  über die Schwierigkeiten bei der Arbeitsplatzsuche. Überlegen sie bitte, wo sie sich die letzten Jahre befanden, in einem Palast, einem Wolkenkuckucksheim, einer goldenen Filmspule, hermetisch von den Zumutungen des normalen Lebens abgeschirmt.

Vielleicht ist es hilfreich zu bedenken, dass es anderen Menschen ähnlich geht. Michael Ballack wurde aus der Fußballnationalmannschaft entlassen, Thomas Gottschalk kündigte bei „Wetten Das“. Diese beiden stehen neben unzähligen anderen jetzt auch auf der Straße und müssen sich um Arbeit bemühen.

Die Arbeitsagentur kann da nur bedingt helfen. Wichtig sind persönliche Kontakte und Empfehlungen. Stadtkämmerer Nonnen bekam seinen gut dotierten Arbeitsplatz bei „ Eins Energie“ sicher nicht nur wegen seines blendenden Aussehens und guter Noten oder erinnern wir uns an   Gerhard Schröder der nach dem Verlust des Jobs als Kanzler, auf Vermittlung seines alten Kumpels Putin eine Anstellung in der russischen Gasindustrie fand. Nun zu den konkreten Berufswünschen. Urologin oder Stewardess möchte bekanntlich jedes junge Mädchen werden, da herrscht ein höllischer Konkurrenzdruck auf dem Arbeitsmarkt. Die Chancen für eine freigestellte CineStar-Beschäftigte so einen Traumjob zu ergattern, stehen sehr schlecht. Ähnlich sieht es in der Astro- bzw. Kosmonautenbranche aus. Der letzte Sachse, dem es in den vergangenen fünfzig Jahren gelang hier Fuß zu fassen, war Sigmund Jähn. Will sich ein Kinovorführer ernsthaft mit diesem Titanen vergleichen?

Als Vorbild könnten eher die wackeren UNION-Arbeiter aus unserer Heimatstadt dienen. Als 1996 das Traditionsunternehmen geschlossen und ausgeschlachtet werden sollte, übernahm die Belegschaft kurzerhand die Firma und suchte sich selbst einen Geschäftsführer. UNION existiert heute noch und zählt zu den Leuchttürmen der Chemnitzer Industrie.

Vielleicht sollten die arbeitssuchenden Luxor-Arbeiter einfach ihren alten Betrieb besetzen, aus ihrer Mitte einen motivierten Geschäftsführer wählen und das Lichtspielhaus in einen Unterhaltungspalast modernen Zuschnitts umwandeln. In den vielen verwaisten Kinosälen könnten verschiedenste Kulturangebote realisiert werden. Seniorentanz bis Volxküche wären denkbar. Oder wie wäre es mit einer „Galerie für Jedermann“, in der alle irgendwie Kreativen eine Heimat finden könnten. Experten für nachhaltiges Design könnten für Komfort auf Nachhaltigkeitsbasis sorgen und für ein „House of Rock“ findet sich im Keller sicher auch noch ein Plätzchen. Gute Ideen gibt es jede Menge, nun müssen sie nur noch umgesetzt werden.

In späteren Jahren könnte dann an der Fassade des Gebäudes eine Bronzetafel befestigt werden auf der zu lesen ist: Aus Trümmern stieg empor das Kulturjuwel Luxor.

Erschienen im 371 Stadtmagazin Heft 07/11
Foto: Bundesagentur für Arbeit

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