Letzte Frage

Letzte Frage: Juni 2011

Herr Kummer gibt Antwort

Veröffentlicht am:

Raps

Lieber Herr Kummer,im Unterricht habe ich gelernt, dass der Himmel blau ist, weil das Wasser der Ozeane reflektiert wird und das nun mal die größten Flächen unserer Erde sind. Meine Frage ist: Wenn es mit dem Anbau von Raps so weiter geht, wird der Himmel dann bald gelb leuchten?

Vielen Dank für diese interessante Frage. Was wurde dem Raps für eine großartige Zukunft prophezeit. Nach einem kümmerlichen Dasein als Rapsöl in der Küche, als Rapskissen in der Naturheilkunde zur Stärkung der geheimnisvollen Thymusdrüse und als Viehfutter, sollte die genügsame, gelb blühende Pflanze der Energiespender von Morgen werden. Bereits 1992 begann beispielsweise die Bundeswehr mit einem Großversuch in Schleswig-Holstein, bei dem Panzer und LKWs der 18.Panzerbrigade Boostedt mit Kraftstoff aus Raps betrieben wurden. Ein in den Berliner Reichstag eingebautes Rapsöl-Blockheizkraftwerk liefert unseren Abgeordneten Strom und Wärme. Im Jahr 2006 wurden 1,2 Millionen Hektar, etwa ein Zehntel der gesamten bundesdeutschen Ackerfläche, vom Rapsanbau belegt. Der Siegeszug der Energiepflanze schien unaufhaltsam.

Durch das Auftauchen von Gerüchten, der Rapsanbau wäre pestizidverseucht, landschaftszerstörend und behindere die Nahrungsmittelproduktion, dazu die hysterische Reaktion des deutschen Wutbürgers, der seinem geliebten Fahrzeug keinen Agrosprit zumuten wollte, wurde das positive Image der Ölpflanze schwer beschädigt. Deshalb denke ich, der großflächige Rapsanbau hat bereits seinen Zenit überschritten. An Stelle dieser Pflanze werden momentan offensichtlich wieder Bäume angebaut. Von vielen Menschen unbemerkt, hat die Forstfläche mächtig zugelegt. Jedes Jahr kommen in Deutschland, nach Angaben des Statistischen Bundesamtes, über 10000 Hektar Wald hinzu. Außerdem haben wir ja noch die völlig sinnlos und von der gestaltenden Hand des Menschen unberührten, einfach vor sich hin wuchernden Urwälder vom Amazonas bis zur Taiga. Diese riesige, grün faulige Masse hat ein nicht zu unterschätzendes Färbepotenzial. Wenn wir jetzt nicht aufpassen, und das weitere Ausbreiten der Wälder auf unserem Planeten verhindern, könnte die Himmelsfarbe zumindest einen Grünstich bekommen.

Das viel besungene blaue Meer mit kristallklarem Wasser und  weißen Stränden ist doch schon lange nichts als ein naives Ammenmärchen. Durch das emsige Entsorgen von Müll in die Ozeane hat sich beispielsweise im Pazifik ein bunter Plastikteppich, so groß wie Zentraleuropa gebildet. Nach der Explosion der Bohrinsel Deepwater Horizon im Golf von Mexiko entstand ein riesiger, regenbogenfarben schillernder Ölfilm auf den Wellen des Atlantik. Durch das Einleiten von Millionen Litern verstrahlten Wassers in den Ozean vor Fukushima sind zukünftig interessante, farbenprächtige Mutationen bei den dort vorkommenden Meereslebewesen zu erwarten.

Wenn all das reflektiert wird, sollten wir uns also eher auf einen knallbunten Partyhimmel über Chemnitz einstellen.

Erschienen im 371 Stadtmagazin Heft 06/11
Foto: leicagirl / photocase.com

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