Letzte Frage

Letzte Frage: Juli 2010

Herr Kummer gibt Antwort

Veröffentlicht am:

Bücher 371 Stadtmagazin

Lieber Herr Kummer, was stelle ich mit Büchern an, die ich nicht mehr gebrauchen kann? Ein Ratgeber für Linkshänder oder aber die Mathe Abiturhilfe von 2003 ist Literatur, auf die ich in meinem Bücherregal lieber verzichten würde. Verbrennen ist keine Alternative, wie uns nicht nur die Geschichte gelehrt hat. Aber wohin nur mit diesem unnützen Altpapier?

Dieses Problem ist auch mir bekannt. In meinem Besitz befinden sich zum Beispiel die Werke „Neue Ideen für Kinderpartys“, „Selbst bauen und gestalten mit Ziegelsteinen“ und selbstverständlich ein Buch mit Sinnsprüchen des Dalai Lama. Wohin damit?

Wer erinnert sich noch an den langweiligen Tatort-Kommissar und gescheiterten Bundespräsidenten-Kandidaten Peter Sodann? Dieser Herr konnte sich nicht damit abfinden, dass Tonnen von alten  Schmökern in den Abfall wandern und gründete den Peter-Sodann-Bibliothek e.V. in Merseburg. Dort können allerdings nur Bücher aus der DDR-Epoche abgegeben werden. Vielleicht gründet aber die eingeschnappte Leberwurst Horst Köhler eine Sammelstelle für unnütze Bücher aus Nach-Wende-Zeiten in einem alten Bergwerk. Zunächst muss unser ehemaliger Bundespräsident aber erst einmal im Amtssitz Schloss Bellevue ausmisten. Angeblich hat Horst Köhler während seiner Amtszeit das ganze Schloss mit Liebesbriefen und Präsenten aus der Bevölkerung vollgeramscht. Der Mann braucht beim Ausräumen Hilfe, haben sich SPD und Grüne gedacht und als neuen Bundespräsidenten Joachim Gauck vorgeschlagen. Durch seine Erfahrungen als Bundesbeauftragter für die Unterlagen der Stasi, besitzt er Kenntnisse des Archivierens und Sortierens  und soll nun Ordnung ins Chaos bringen.

Eine vielversprechende Idee ist auch, überflüssige Bücher zur Wärmedämmung an alte Gebäude zu nageln oder sie zum Dammbau in Hochwasser gefährdeten Landstrichen zu verwenden. Für sensible Gemüter taugen diese Vorschläge allerdings nicht. Die nordkoreanischen Diktatoren Kim II Sung und Kim Jong II haben in ihrem Land ein viel beachtetes „Museum für Völkerfreundschaft“ errichtet. In dem riesigen Gebäudekomplex, gelegen im idyllischen Myohyang Gebirge, werden Geschenke gesammelt, welche die beiden geliebten Volksführer im Laufe ihrer Regierungszeit aus aller Welt zugesandt bekommen haben. Man könnte also ein großes Buchpaket mit der Aufschrift „Geschenk für den heiß geliebten Kim“ versehen und abschicken, und schon wäre man von einigem Ballast befreit. Die Vorstellung, in einer nordkoreanischen Glasvitrine stünde das Werk „Mathe Abiturhilfe“ versehen mit der Erklärung „Geschenk eines Chemnitzer Proletariers“, wäre obendrein sehr reizvoll.

Aus der düsteren Welt des Klassenkampfes kommt die Vision, dass es in Folge von Wirtschaftskrise, Einschnitten im sozialen Bereich und Unzufriedenheit mit dem herrschenden System durchaus zu bewaffneten Auseinandersetzungen kommen wird. Man könnte die Unruhen schüren und dann seine unnützen Bücher zum Zwecke des Barrikadenbauens anbieten. Beim Spartakus Aufstand 1919 verschanzten sich Kämpfer im Berliner Zeitungsviertel schließlich auch hinter Stapeln aus Zeitungen und Büchern.

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erschienen im 371Stadtmagazin 07/2010
Foto: photocase.de/micjan

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