Letzte Frage

Letzte Frage: März 2012

Veröffentlicht am:

rakete

Überall reden sie von Krise, der Euro ist bald tot und im Fernsehen habe ich gesehen, dass die Griechen sich mittlerweile nicht mal mehr Fleisch leisten können. Lieber Herr Kummer, ist der Kapitalismus am Ende?

So, so der Grieche isst kein Fleisch mehr. Das ist eigentlich nicht das Schlimmste, was einem Menschen widerfahren kann. Immerhin kennen wir aus Deutschland kleine Gruppen von Vegetariern und Veganern, denen es recht gut gelingt zu überleben, ohne Tiere zu verspeisen. Dann gibt es natürlich die Lichtesser, auch Breatharianisten genannt, die imstande sind gänzlich ohne feste und flüssige Nahrung auszukommen. Das ist vielleicht nicht jedermans Sache. Ohnehin scheint es hierzulande keine Essstörung zu geben.
Die Wirtschafts- und Finanzkrise hat den Appetit der Deutschen auf Fleisch- und Wurstwaren nicht geschmälert: Mit 62,5 Kilo pro Kopf blieb der Gesamtverzehr 2011 nur 50 Gramm unter dem Vorjahresniveau. In Griechenland wurde schon immer etwas weniger Fleisch konsumiert. 56 Kilo  verspeiste der durchschnittliche Hellene. Ein paar Gramm weniger werden dem herrschenden Gesellschaftssystem sicher nicht den finalen Todesstoß versetzen.
Ob der Kapitalismus am Ende ist?
Selbstverständlich, das ist er definitiv. Schon seit 200 Jahren stirbt dieses dekadente, parasitäre, stinkende Wrack vor sich hin.
Anfang des 19. Jahrhunderts zerstörten die englischen Maschinenstürmer zahlreiche Woll- und Baumwollspinnereien und lieferten sich regelrechte Schlachten mit dem Militär. Der Kapitalismus war am Ende. Aber richtig tot war er dann zur Weltwirtschaftskrise ab 1929: Volkswirtschaftlicher Einbruch in allen Industrienationen, Arbeitslosigkeit, Deflation, Depression, Elend. Die Totenglocke des Kapitalismus läutete auch, als die Sowjetunion ihre technologische Überlegenheit gegenüber den USA und Westeuropa mit dem Start des ersten künstlichen Erdsatelliten Sputnik 1957 eindrucksvoll unter Beweis stellte. Später versetzten verschiedene Ölkrisen, die Erfolge der sozialistischen Athleten bei Olympischen Spielen und die Unabhängigkeitsbewegung in den Kolonien dem sterbenden System noch einen letzten Tritt. Ein Todesstoß ins Herz des Kapitalismus war natürlich auch der Anschlag auf die TwinTowers in New York. Die jetzige Krise kann man getrost als letzte Zuckung eines eigentlich schon mausetoten Gesellschaftsmodells betrachten. Und so stirbt und stirbt das Schweinesystem vor sich hin.
Vielleicht ist jetzt die Zeit reif für einen Neubeginn.
Schon in den zwanziger Jahren des vergangen Jahrhunderts entwarfen sowjetische Wissenschaftler radikale Projekte einer revolutionären Umgestaltung des Lebens, vor deren Hintergrund heutige Politikdebatten geradezu bescheiden wirken. So entwarf etwa Nikolai Fedorov das 'Projekt der gemeinsamen Tat', dessen Ziel es war, mittels moderner Technik alle Toten künstlich auferstehen zu lassen; die 'Biokosmisten' proklamierten den Kommunismus als Weg zur Erlangung  ewigen Lebens, und Ziolkowski, der Vater des sowjetischen Raumfahrtprogramms, hatte das Ziel vor Augen, andere Planeten, sogar die gesamte Milchstraße, mit auferstandenen Menschen zu bevölkern. Vielleicht sitzen wir dann eines fernen Tages, wiedererweckt, auf dem Mars und schauen aus sicherer Entfernung dem Sterben des Kapitalismus auf unserem Heimatplaneten zu.


Foto: codswollop / photocase.com

Zurück