Letzte Frage

Letzte Frage Oktober 2013

Herr Kummer weiß Antwort

Veröffentlicht am:

altes Vorsicht Schild

Lieber Herr Kummer, jetzt wo der Herbst kommt, erinnere ich mich an früher. Da wurde mir in der Schule gesagt, ich soll beim Drachensteigen nicht am Hochspannungsmast lecken, im Fernsehen mahnte der 7. Sinn „vorsicht vor nassem Laub“ und im Wald gab's von Opi eins auf die Finger, wenn man die falschen Pilze essen wollte. Wo sind all die guten Tipps geblieben? Ist der Herbst nicht mehr gefährlich oder kümmert sich einfach keiner mehr um die Leute?

Lieber Leserbriefschreiber,
unser Ordnungsbürgermeister Miko Runkel ist genau Ihrer Meinung. Seit Monaten hatte er öffentlich und gegenüber Stadträten darauf hingewiesen, dass ihm Personal fehlt für flächendeckende Kontrollen und notwendige Ermahnungen in unserer Stadt. Ungenannt bleiben wollende Rathausmitarbeiter behaupten, Tränen in den Augen des oft als „Harten Hund“ bezeichneten Bürgermeisters gesehen zu haben, als er der örtlichen Presse zu Protokoll gab: „Ordnung, Sicherheit und auch eine entsprechende Sauberkeit kann ich so in der Stadt Chemnitz nicht mehr garantieren“. Der verzweifelte Herr Runkel meinte weiterhin: „Ich weiß nicht mehr, was ich machen soll“. Die Leser bleiben verunsichert zurück und fragen sich, was soll nun werden? Offensichtlich kann sich die Obrigkeit nicht mehr ausreichend um die Bürger unserer Stadt kümmern. Anarchie und Chaos halten Einzug. Jugendliche überqueren bei Rot die durch nasses Laub verunreinigten Straßen und essen Drogenpilze. Im Opernhaus wird während der Vorstellungen ungeniert geraucht und in den Kellern des Rathauses finden unangemeldete Rave-Partys statt. Der Hausstrom wird einfach illegal vom nächstgelegenen Strommast abgezweigt. Wo soll das enden? Muss der Chemnitzer nun das Gesetz selbst in die Hand nehmen? Kümmern sich demnächst private Bürgerwehren um Verkehrssünder, Ruhestörer und Rasenlatscher? Keine Frage, in Sachen Ordnung und Sicherheit steht uns ein heißer Herbst bevor.


Von den akuten Problemen unser Stadt einmal abgesehen, kann ich nur sagen, wer braucht denn heutzutage noch schlechtgelaunte Opas und überforderte Lehrer für gute Tipps? Im Fernsehen und über die Mediatheken im Internet gibt es eine Menge Ratgebersendungen für jede Lebenslage. Stellvertretend seien genannt: Plusminus, Wiso, Haus und Garten, Escher- der MDR Ratgeber, Die Sendung mit der Maus. Weiterhin bin ich mir absolut sicher, dass wie in den vergangenen Jahrzehnten auch, die Ratgeberseite der beliebten Chemnitzer Lokalzeitung „Freie Presse“ sich auch in diesem Herbst der wichtigen Themen „Pilzsammeln - Pilzbestimmen“ sowie „Laubverbrennen im heimischen Garten - Ja oder Nein“ ausgiebig widmen wird. Vielleicht sollte Herrn Runkel ja in dieser Zeitung eine feste Dezernentenrubrik eingeräumt werden, weiterhin könnte man ihm einen Youtube-Kanal einrichten, über welchen er den Bürgern Ordnung und Sicherheit erklären und wichtige Ratschläge erteilen könnte. Diese Lösung hätte konsequent zu Ende gedacht vielleicht die Abschaffung des gesamten Ordnungsamts zur Folge. So eröffnen sich ungeahnte Einsparmöglichkeiten für das Rathaus und, keine Bange, die ertragreichen festinstallierten Blitzersäulen funktionieren ohnehin vollautomatisch. Ein kostengünstiger medialer Ordnungsbürgermeister ohne Angestellte, ein väterlicher Ratgeber und Kümmerer für die Bevölkerung. Das klingt nach „Stadt der Moderne“ und vielleicht lässt sich so der heiße Herbst doch noch vermeiden. Bleibt mir an dieser Stelle nur noch der Aufruf: Herr Runkel, nicht jammern – sondern machen!

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