Letzte Frage

Letzte Frage im August

Herr Kummer weiß Antwort

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Lieber Herr Kummer, als Kind wurde mir eingeschärft, dass man im Freibad ein Badekappe zu tragen hat. Heute wacht darüber kein strenger Bademeister mehr. Schwimmen am Ende nun Millionen von bakterienbehafteten Haaren im Schwimmbecken? Ist das hygienisch nicht bedenklich?

Tja, lieber Leserbriefschreiber, das ist leider der Preis von Demokratie und Bürgerfreiheit. Die Menschen dürfen heute über städtische Wiesen laufen, in Parks grillen oder Fußball spielen. Das denkmalgeschützte Karl-Marx-Monument wird permanent durch obskure Bands und tätowierte Skater entweiht. Zähneknirschend müssen wir, die ordnungsliebende, schweigende Mehrheit, akzeptieren, dass Radfahrer frech durch unsere schöne neue Innenstadt flitzen. Westbesuche müssen nicht mehr angemeldet werden, Stadtteilpolizisten, die sogenannten ABV, sind ausgestorben. Die Stadt versinkt in Chaos und Müll und diese Entwicklung macht natürlich auch nicht vor den Freibädern halt. Wo in der guten alten Zeit noch stramme Respektspersonen am Beckenrand wachten, finden wir heute windelweiche Wasserpädagogen, Fachangestellte für Bäderbetriebe. Der Bademeister als Erzieher und Respektsperson hat scheinbar ausgedient. Das Freibad unserer Tage ist nicht mehr Tempel der Leibesertüchtigung und vormilitärischer Ausbildung, sondern simple Vergnügungsstätte. Heute finden sich hier Thermenwelten, Dark Hole, Wildwassersausen und Jodsole-Becken. In diese „Alles ist möglich“ Fun-Welt passt die hygienische Badekappe natürlich nicht mehr. „In den 80er-Jahren wurde die Badekappenpflicht abgeschafft, weil die Filtertechnik in den Schwimmbädern so weiterentwickelt worden war, dass Haare die Anlagen nicht mehr komplett verstopfen und lahmlegen konnten“, sagt Dr. Joachim Heuser, Pressesprecher der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen. Das ist aber sicher nur eine faule Ausrede für die Kapitulation von Hygiene und Ordnung vor dem Lotterleben in unserer Gesellschaft. Wie weit muss es noch gehen, bis die Bevölkerung aufwacht? Müssen erst Seuchen ausbrechen und Ballen freifliegender Haare das Leben in den Städten unmöglich machen?
Kurzfristig könnte die Fashionindustrie helfen.

Es gab ja schon Zeiten, da es in der Mode durchaus üblich war, in jeder Lebenslage Hüte zu tragen,  das Bedecken des Kopfes, auch zu Wasser, war damals durchaus naheliegend. So präsentierten auch namenhafte Modedesigner wie Coco Chanel ihre Bademoden immer mit einer dazu passenden Kappe. Egal, ob man sich beispielsweise für die modisch-elegante oder sportlich-flotte Variante entschied, schon damals versuchte man, sich durch die Individualität seiner Kappe auszuzeichnen. Dabei wurden der Kreativität in Muster, Farbe und Form keine Grenzen gesetzt. Neben dem ordentlichen Erscheinungsbild hatte die Badekappe jedoch gleichzeitig auch den Zweck, aufwendige Frisuren - Stichwort Dauerwelle - vor dem zerstörerischen Nass zu beschützen. Wir Bürger und auch die Politik sollten also Druck auf die Verantwortlichen der Modeindustrie ausüben, verantwortungsvolle, hygienische und dennoch ansehnliche Moden zu propagieren. Ohnehin kann jeder Einzelne von uns Zeichen setzen im Kampf gegen die Verlotterung der Sitten. Das bedeutet: Radfahrer in der Innenstadt anhalten und verwarnen. Alkoholtrinker in öffentlichen Parkanlagen anzeigen. Konsequentes Einschreiten gegen Rasenlatscher, Hobbyfußballer, Musiker und nicht zuletzt, mit gutem Beispiel vorangehen und im Freibad unbeirrt Badekappe tragen.

Foto: Astrid Götze-Happe  / pixelio.de

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