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Letzte Frage im September

Herr Kummer weiß Antwort

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Lieber Herr Kummer, in einem Interview sagt die Band Kraftklub, dass sie keine Stadtmaskottchen sein möchten. Schade, aber so bleibt Chemnitz weiter ohne ein solches. Wie sollte den Ihrer Ansicht nach ein schönes Stadtmaskottchen für unsere Heimatstadt aussehen?

Was hat die Band Kraftwerk mit Chemnitz zu tun? Düsseldorf, die Heimatkommune der Elektronikpioniere ist zwar seit 1988 Partnerstadt von Chemnitz, aber deswegen müssen die dortigen Musiker, zu deren Prominenten neben Kraftwerk auch die Toten Hosen gehören, ja nicht gleich zu sächsischen Maskottchen mutieren. In dieser Angelegenheit müssen wir uns schon selbst helfen.

Bei der Suche nach einem Sympathieträger für unsere Stadt können wir uns allerdings von Düsseldorf inspirieren lassen. Seit 2014 besitzt die Stadt ein offizielles Maskottchen. Oberbürgermeister Joachim Erwin taufte höchstpersönlich einen grellroten Plüschlöwen auf den wunderschönen Namen „Tosi“. Unter 912 verschiedenen Vorschlägen hatte eine Jury die Idee von Roland Hüttenberger aus Vennhausen ausgewählt. „Lange musste ich nicht überlegen“, erklärte der Namensgeber seine Idee. „Ich habe kurz über die Düssel, dem Düsseldorfer Stadtfluß, recherchiert, dessen Name wohl auf das germanische Wort Thusila zurück geht, was brausen, rauschen, tosen bedeutet.“ Die Abkürzung „Tosi“ ließe sich besser aussprechen und passe ideal zu Düsseldorf, dachte der 36-Jährige und reichte seinen Vorschlag samt Erklärung ein.  Zwölf Tage lang nahm die Düsseldorfer Marketing&Tourismus GmbH (DMT) Anregungen entgegen. „Wir bekamen viele kreative Vorschläge“, sagte DMT-Geschäftsführer Alexander Leibkind. Der Renner waren Namen, die ein typisches Element von Düsseldorf enthielten, wie „Altbiernapoleon“, „Düsselkatz“ oder „Köbert“. Am Ende setzte sich Tosi auch Dank der ausführlichen Erklärung des Namensgebers durch.

Was kreative Ideen betrifft, haben wir es allerdings einfacher als unsere Partnerstadt. Wir brauchen keine Marketing-und-Tourismus-Agentur. Wir brauchen keine Jury. Wir haben Ingrid Mössinger. Die Chemnitzer Allzweckwaffe, seit ungefähr einhundert Jahren Generaldirektorin aller Chemnitzer Hochkulturhäuser, soll uns doch einfach ein schönes Stadtmaskottchen entwerfen. Inspiration könnte sie sich beim alljährlichen nationalen Maskottchentreffen auf dem Gelände der Chemnitzer Parkeisenbahn holen. Seit Jahren ist dort „Klaus“, die Parkbahnmaus, Gastgeber für viele Maskottchen aus dem gesamten Bundesgebiet. Was gibt es dort nicht alles Tolles zu sehen. Das unverdrossen Tabak qualmende Messemännchen aus Leipzig, „Mitti“ aus Mittweida, ein abgehungerter missmutiger Langhaarlöwe oder der mit Worten schwer zu beschreibende, wandelnde Hutberg „Kami“ aus, wer hätte das gedacht, Kamenz.

Wenn eine Stadt über keinerlei Prägnantes in Architektur oder Geschichte verfügt, aber dennoch unbedingt einen Sympathieträger benötigt, ist höchste Kreativität gefragt. Eine verbeulte grüne Kugel mit kurzen Hosen, Schärpe und Bergmannshut. Was mag das sein? Das grüne Etwas ist "Karli, der Äquatorsteiger", das Maskottchen des Tages der Sachsen 2010 in Oelsnitz. Vor 310 Millionen Jahren lag die Stadt nach eigenen Angaben an einem äquatorialen Gebirgszug, Karli sollte alle Touristen, die das vergessen haben sollten, daran erinnern. Anregung könnte natürlich auch aktuelle Tagespolitik liefern. In Chemnitz bietet sich diesbezüglich „ Pst“ der Flüsterbär oder „ Trinknix“ die Grünanlagenmaus an. Alles ist möglich, Hauptsache kein debiler „Buddybär“, mit dem unsere Hauptstadt Berlin seit Jahren optisch geknechtet wird.

Foto: Miyelo_pixelio.de.

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