Letzte Frage

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Herr Kummer weiß Antwort

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Risse im Asphalt

Lieber Herr Kummer, bei einem City-Spaziergang entdeckte ich, dass sich der Boden um das hinter dem Marx-Kopf gelegene Gebäude signifikant abgesenkt hat. Bodenplatten sind schief oder gar gebrochen, hier und da wurde schon notdürftig mit Teer geflickt. Wissen Sie um die Hintergründe? Sackt Chemnitz etwa ab? Versinkt es gar irgendwann? Und warum ist ausgerechnet das ehemalige SED-Gebäude davon ausgenommen?

Du sprichst hier ein gefährliches Thema an, das ist ein wirklich heißes Eisen! Es gibt in Chemnitz einige Phänomene, deren Erörterung Mut erfordert. Als Beispiele nenne ich an dieser Stelle die Sonnenberg-Verschwörung, das CFC-Mysterium oder das Toiletten-Gate im Rathaus. Über diese Dinge möchte niemand gerne sprechen und wenn doch, dann nur hinter vorgehaltener Hand. Auch über die Veränderungen rings um den Karl-Marx-Kopf wird geraunt und gemunkelt, offizielle Stellungsnahmen gibt es nicht. Die Bodenabsenkung am ehemaligen SED-Gebäude, der sogenannten „Parteifalte“, wird von den zuständigen Behörden seit Jahren ignoriert. Warum? Zur Beantwortung dieser Frage lohnt ein Blick zurück. Die SED war zum Ende der DDR eine der reichsten Parteien Europas, im Besitz von Milliarden Ost-Mark, zahlreichen Immobilien und Tonnen von Gold und Smaragden. 1989 steht sie vor dem Aus. Hektisch versuchten die Genossen ihr Vermögen vor der Treuhand zu verstecken. Die mit dem Aufspüren des Parteivermögens beauftragte Kommission hatte bis zur Beendigung ihrer Arbeit im Jahr 2006 Besitztümer im großen Umfang aufgedeckt und sicherstellen lassen. Im Jahr 2017 betrug der Wert des festgestellten Parteienvermögens laut Bundesregierung 1,98 Milliarden Euro. Diese enorme Summe wurde in Form von Goldbarren an einen streng geheimen Ort verbracht.

Bis heute fließen Gelder aus dem einstigen Parteivermögen in die neuen Länder und somit auch nach Chemnitz. Für die Sanierung des Eisenbahnviadukts in Rabenstein sind zum Beispiel kürzlich 1,5 Millionen Euro Fördermittel übergeben worden. Natürlich fragt sich die ganze Republik, wo mag der tonnenschwere Goldschatz versteckt sein. Es existieren eine Vielzahl von Vermutungen, wo das Vermögen heute gelagert sein könnte. Etliche Forscher aber auch Kriminelle, deutsche wie ausländische, haben bereits versucht, den Aufenthaltsort zu ermitteln, allerdings erfolglos. Auch wenn ich mich nun in Gefahr begebe, möchte ich jetzt und hier, exklusiv, in dieser Rubrik verraten, dass der Goldschatz der SED in Katakomben unter dem Gebäudekomplex hinter dem Marx-Monument gelagert ist. Die verantwortliche Kommission, Geheimdienste und Regierungsmitarbeiter hielten den Aufbewahrungsort für besonders geeignet. Niemand aus der Bevölkerung konnte sich vorstellen, dass kommunistisches Vermögen ausgerechnet in unmittelbarer Nähe des Karl-Marx-Kopfes versteckt sein könnte. Das Gewicht des Goldschatzes sorgt nun aber für ein ungeplantes Absacken des Gebäudeuntergrundes. Verschiedene Heimatvereine und natürlich auch die Investigativ-Abteilung des 371 wurden aufmerksam. Mehrere Personen, die allzu neugierige Fragen stellten, wurden bedroht, eingeschüchtert und sogar zu einer Ausreise nach Leipzig oder Berlin gezwungen. Das 371-Magazin lässt sich aber nicht mundtot machen.

Lieber Leser, während du diesen Beitrag liest wird nach dem Aufdecken des Goldverstecks, die Bundesanstalt für vereinigungsbedingte Sonderaufgaben das Edelmetall längst an einen anderen Ort verbracht haben. Die nun leeren Kellerräume erzeugen keinen übermäßigen Druck mehr auf das Erdreich. Der Boden hinter dem Marx-Kopf wird sich nicht weiter senken. Chemnitz wird nicht versinken. Alles wird gut.

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