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In Sachen Fischleim

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AG Geige bei einem Auftritt

Vom schrägen Geheimtipp ist die „AG Geige“ nach ihrem Ableben 1993 zu einer Kultband avanciert, die jetzt Bands und Künstler von heute zu einem Coveralbum namens „AG Geige in Love“ inspiriert hat. Es geschehen halt noch „Zeychen und Wunder“.

Als in diesem Jahr für den Klub „Atomino“ das 20-jährige Jubiläum anstand, lauerte im Windschatten auch die zehnte Tonträger-Veröffentlichung für das 2015 gegründete Label „Atomino Tonträger“. Für Labelchef Randy Fischer stand schnell fest, dass mit dem nächsten Release eine der wichtigsten Musikgruppen der Stadt gewürdigt werden sollte: AG Geige.

In den vergangenen Jahren hatte die Doku „AG Geige – Ein Amateurfilm“ wieder ein Schlaglicht auf die 1985 in Karl-Marx-Stadt gegründete Gruppe geworfen. Kurz darauf folgten Wiederveröffentlichungen der Debütkassette „Yachtklub & Buchteln“ und weiterer Aufnahmen auf dem deutschen „Major Label“. Nun haben sich elf aktuelle Künstler und Bands den sperrigen Avantgarde-Songs der AG Geige angenommen und versuchen dabei den Untergrundgeist der 80er in den der 2010er zu übersetzen.

Dabei ist die Platte laut Randy Fischer an die erfolgreichen „Mania“-Veranstaltungen des „Atomino“ angelehnt, mit dem Unterschied, „dass die Coversongs diesmal nicht auf der Bühne, sondern auf dem Tonträger stattfinden. Wichtig sei dabei, dass alle Beteiligten entweder aus Chemnitz stammen oder eine Verbundenheit mit dem „Atomino“ besitzen. So tummeln sich neben lokalen Größen wie Blond und Radar auch illustere Namen wie der Schweizer Dagobert oder der bekannte Electronic-Musiker Felix Kubin aus Hamburg. Stilistisch wurden die minimalistischen Synthesizer-Stücke der AG Geige vornehmlich in moderne elektronische Genres überführt, doch „Fischleim“ mutiert in den Händen von Dyse zu Noiserock und Die Tunnel verwandeln den „Nasenwalzer“ in einen psychedelischen Countrysong. Wer das auf genau 463 Stück limitierte Vinyl auflegt, wird also die ein oder andere Überraschung erleben.

Das Licht der Welt wird „AG Geige in Love“ am 20. Dezember bei der Release-Show natürlich im „Atomino“ erblicken. Geplant ist u.a. ein Talk über AG Geige aus ost- und westdeutscher Sicht. Live wird der ebenfalls auf dem Album vertretene Syncboy mit einem wilden Mix aus Ambient, Drone, Noise, Psychedelic Kraut und Pop zu erleben sein.

Text: René Thierfelder Foto: Dieter Wuschanski

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