Magazin

Hartes aus Freiberg

Heavy Metal als Lebensgefühl

Veröffentlicht am:

Alpha Tiger aus Freiberg

Die Freiberger Band Alpha Tiger wird aktuell als eine der spannendsten deutschen Metalbands gehandelt. 371-Redakteur Steffen Nowak, selbst überzeugter Metal-Fan und Betreiber von metalimpetus.de, nutzt ein Interview mit den Jungs, um den szenefernen Leser hier einen Einblick in die Welt von Spandex-Jeans und harten Gitarren zu gewähren.

Einmal im Jahr darf sich Heavy Metal der ungeteilten Aufmerksamkeit der Medien bewusst sein. Pünktlich zum Wacken Open Air, dem größten Metal-Festival der Welt, schicken die großen Sendeanstalten des Landes ihre glatt geleckten Moderatorenklone in die holsteinische Pampa um jeden, der in das Klischee des volltrunkenen Langhaarproleten passt, vor die Kamera zu zerren. Ansonsten bleibt die gemeine Metaller aber weitgehend unter seinesgleichen. Nur selten finden aufstrebende junge Bands über die Grenzen der Szene hinaus Beachtung. Eine dieser Ausnahmen sind Alpha Tiger aus Freiberg.

Als Vorband der Heavy Metal Urgesteine W.A.S.P. haben die Sachsen in ganz Europa ihre Spuren hinterlassen und mit ihrem zweiten Album „Beneath The Surface“ Anfang des Jahres durchweg positive Kritiken erhalten. Einen Masterplan für Erfolg gibt es dabei nicht, wie Gitarrist und Songwriter Peter Langforth bestätigt: „Das ist alles mit viel harter Arbeit und einem Quäntchen Glück verbunden“. Die harte Arbeit hört man auf dem aktuellen Album in jeder Minute, dabei geht es  jedoch nicht so sehr darum, durch reine Virtuosität zu überzeugen: „Die musikalischen Strukturen sind schon teilweise ziemlich anspruchsvoll, wobei ich eigentlich immer versuche, einfache Songs zu schreiben. Auch wenn es sich komisch anhört, die einfachen, eingängigen Songs sind schwerer zu schreiben als die anspruchsvollen“, so Peter. Eingängig bedeutet aber nicht gleich oberflächlich, bearbeiten Alpha Tiger doch lyrisch Themen wie die Weltwirtschaft und Verschwörungstheorien.

Das beste Material bringt allerdings wenig, wenn man es nicht an den Mann bringt. „Man muss seinen Arsch hoch kriegen und am Ball bleiben. Viele Bands sind die Lokalmatadore ihrer Stadt und spielen dort immer vor vielen Leuten. Das bringt einen aber nur bis zu einem bestimmten Punkt, man muss über die Stadtgrenzen hinaus bekannt werden“, erklärt Peter. Hier kommt dann wohl das Quäntchen Glück hinzu: Karl-Ulrich Walterbach, ehemaliger Manager von Helloween, einer der erfolgreichsten deutschen Metalbands, wird auf Alpha Tiger aufmerksam und nimmt mit ihnen das erste Album „Man or Machine“ auf, welches den Durchbruch beschert. Sofern man im Heavy Metal von Durchbruch sprechen kann: „Es wäre natürlich schön, wenn wir nur für die Band leben könnten. Aber das ist absolut nicht möglich. Alles was die Band abwirft, wird auch sofort wieder in die Band investiert. Zwei von uns haben einen ganz normalen Job, der Rest studiert“, erklärt Peter.

Die Liebe zur Musik steht also im Vordergrund und eine andere Herangehensweise wäre auch kaum von Erfolg gekrönt. Denn der gemeine Metaller reagiert ziemlich allergisch, wenn nur der Verdacht besteht, dass monetäre Interessen im Vordergrund stehen könnten. Die oft schon belächelte „Trueness“ im Metal ist schließlich nicht nur ein Abgrenzungsinstrument innerhalb der Szene, sondern auch ein Schutzmechanismus vor zu viel strategischer Einflussnahme. Versuche mit gecasteten Bands und das Aufspringen auf irgendwelche Trends waren bisher nie von dauerhaftem Erfolg gekrönt. Für den wahren Metalhead ist die Szene eine große Familie, ein Rückzugsort, der  ehrliche, handgemachte Musik bietet.

Hier teilt sich Heavy Metal Eigenschaften mit der klassischen Musik oder dem Jazz: Die Performanz steht im Mittelpunkt, Playback ist ein absolutes No-Go. Und dennoch (oder gerade deshalb) geht ohne Image und Show in vielen Spielarten des Heavy Metal wenig. Reicht es im Death Metal vielleicht noch, in Alltagsklamotten und Kurzhaarfrisur böse dreinzublicken, müssen es im traditionellen Metal-Bereich schon Spandex, Jeansweste und die großen Gesten sein. Nicht nur der Ausdruck von Gruppenzugehörigkeit spielt dabei eine Rolle, es geht auch schlicht ums Auffallen, wie Peter unumwunden zugibt: „Es reicht nicht, einfach nur gute Musik zu machen. Man muss auch einen optischen Anreiz bringen. Selbst wenn das erst mal wie eine Provokation aussieht und gewöhnungsbedürftig ist, bleibt man den Leuten doch so stärker im Gedächtnis hängen.“ Und so lange sie noch in die engste Hose passen, stehen Alpha Tiger auch dazu.

Natürlich fühlt man sich bei der Musik der jungen Freiberger an die goldenen 80er erinnert, als Judas Priest, Iron Maiden und Queensrÿche ihre größten Hits schrieben. Der Kreis scheint sich im Heavy Metal gerade zu schließen, alle Extreme sind ausgelotet und nur noch selten entsteht etwas ganz neues. Tausende Spielarten des Heavy Metal warten darauf, von einer neuen Generation an Metalheads entdeckt und neu interpretiert zu werden. Während die alte Garde zwar immer noch und häufig auch zu Recht die großen Stadien der Welt füllt, folgen ihnen junge hungrige Musiker nach, die diese Musik mit der Muttermilch aufgesaugt haben und den Soundtrack ihrer eigenen Generation liefern wollen.

Wer wissen will, wie dieser Soundtrack klingt, kann Alpha Tiger am 6.4. im Chemnitzer Südbahnhof als Special Guest der Bellbreaker Anniversary Tour erleben.

Das komplette Interview mit Alpha Tiger ist hier nachzulesen.

Erschienen im 371 Stadtmagazin Heft 04/2013
Text: Steffen Nowak Foto: Maik Auerbach


 

Erschienen im 371 Stadtmagazin 04/13


Zurück