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Monika geht ins Theater

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Am alten Schauspielhaus nagt der Zahn der Zeit. Braucht Chemnitz ein neues Theater?

Das Chemnitzer Schauspielhaus ist in die Jahre gekommen, an allen Ecken und Enden nagt der Zahn der Zeit. Eine umfassende Sanierung würde schätzungsweise im mittleren einstelligen Millionenbereich liegen. Gedanken an einen Neubau rücken daher in den Vordergrund.

Wenn Intendant Dr. Christoph Dittrich von seinem Schauspielhaus spricht, hat er gemischte Gefühle. Das Haus am Park der Opfer des Faschismus habe für ihn einen hohen Identifikations- und Traditionsgehalt. Besonders zu DDR-Zeiten hätte sich das Schauspielhaus als ein Ort, wo Gedanken frei ausgelebt werden konnten, einen Namen gemacht. Doch aus dem fortschrittlichen Vorzeigetheater ist mittlerweile ein bautechnisches Sorgenkind geworden: „Letztes Jahr mussten wir in einer Nacht und Nebelaktion Betonteile, die den Bühnenturm verkleiden, abnehmen, da diese nicht mehr stabil waren“, so Dr. Dittrich. Wäre das nicht passiert, hätten die herabfallenden Betonteile unter anderem das Publikum gefährden können. Doch das ist noch längst nicht alles. Von seinem Personal bekommt er die Rückmeldung, dass es Probleme mit der Heizung gibt, es merkwürdig riecht, die Technik stark veraltet ist. Auch der Brandschutz ist ein großes Problem: „Die Auflagen werden da ja immer strenger. Noch können wir alles irgendwie erhalten und reparieren, doch langfristig gesehen müsste in den Baukörper direkt eingegriffen werden und da ist es sinnvoll abzuwägen, ob ein Neubau nicht vernünftiger wäre.“
Ein neues Schauspielhaus könne sich der Intendant gut auf dem freien Gelände hinter dem Chemnitzer Opernhaus vorstellen. Neu seien die Überlegungen dazu nicht, so Dittrich, schließlich seien die Flächen hinter der Oper ursprünglich auch als Magazin- oder Proberäume gedacht gewesen. Dennoch, ein richtiges Konzept gibt es bislang nicht dazu. Dabei hat der Intendant schon konkrete Vorstellungen: „Eine Studiobühne mit Platz für bis zu 200 Besucher, wo auch vermehrt moderne Inszenierungen wie Musicals stattfinden können, wäre toll. Auch größere, theaternahe Probenräume würden den Arbeitsalltag für die Schauspieler erleichtern.“
Dabei sei ein Schauspielhaus im Zentrum, direkt neben dem Opernhaus, nicht nur für das Chemnitzer Theater und deren Logistik ein Zugewinn. Auch städtebaulich sieht Dittrich Vorteile. So würde sich durch die Nähe zum Brühl und den Kunstsammlungen ein zentrales Kulturquartier ergeben, welches sich auch auf das Image der Stadt positiv auswirken könnte. Wie viel ein Neubau kosten würde, ist unklar. Auch ob die Stadt in ihrem Haushalt dafür Gelder bereitstellen kann, ist offen. Doch eventuell gibt es auch andere Finanzierungsmöglichkeiten. Bereits in der Vergangenheit ist mit dem Tietz ein Kulturhaus im Zentrum entstanden, ohne den städtischen Investhaushalt zu belasten, da es von der Stadt lediglich angemietet wird. Ein Modell, welches vielleicht auch dem Schauspielhaus die Türen ins Zentrum öffnen könnte.

Text: Monika Karl


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