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Mode für die Ewigkeit

Lilian Vintage

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Chemnitzer Second Hand Laden Lilian Vintage setzt auf kleine Juwelen mit Geschichte

Mit Bomberjacken im Nineties-Style, Bohofashion mit Hippie-Anschein oder Taschen im Used-Look hält sich Katalin Weser nicht auf. Ihre Jacken stammen aus den 90ern, manche Kleider könnten von tatsächlichen Hippies getragen worden sein und die Taschen sind eben gebraucht. Basta. Katalin Weser schenkt nämlich seit Kurzem Klamotten ein zweites Leben – mit einem eigenen Second Hand Laden namens „Lilian Vintage“.

Kennt man schon, gibt es in Chemnitz zuhauf? Nein, sagt Katalin Weser, gibt es nicht wirklich, sie selbst habe einen solchen Laden in der Stadt vermisst. Ihr geht es nämlich nicht darum, viel Kleidung billig unter die Leute oder Restposten über die Theke zu hiefen. Sie will auf kleine Juwelen mit Geschichte, mit dem gewissen Etwas setzen. Auf Nachhaltigkeit.

„Früher hat man ein Kleid nicht nur fünf Jahre angehabt, bis die Waschmaschine es dann gefressen hat. Kleider wurden vererbt“, so Weser. Das habe auch an der Verarbeitung des Materials gelegen, dass eher auf Dauerhaftigkeit angelegt war. Und ebendiese Mode möchte sie in ihrem Laden anbieten. Da es sich um Einzelstücke handelt und diese sich oft nicht im Spektrum von Small bis Large bewegen, können die Stücke vor Ort an den Körper und die Bedürfnisse der Kundinnen angepasst werden. Dafür arbeitet Katalin Weser mit einer Änderungsschneiderin zusammen, die für einen Aufpreis Nähte auslässt, Säume kürzt und was es sonst alles zu tun gibt. „Das ursprüngliche Kleidungsstück sollte aber erkennbar bleiben“, sagt die Ladeninhaberin, die Vintage-Mode über alles liebt. Als sie die Chance bekam, gleich gegenüber des Lokomov ein altes Friseurgeschäft zu übernehmen, fackelte sie nicht lange und griff zu. Der Deal: ein halbes mietfreies Jahr, dafür muss sie die heruntergewirtschafteten Räume selbst wieder auf Vordermann bringen. Die Wände wurden im modischen Petrol gestrichen, Vintage-Deko installiert, eine extragroße Umkleidekabine mit warmem Licht eingerichtet und mehrere Regale und Kleiderstangen bestückt.

Und wie findet sie ihre Schätze? Wie Weser erzählt, hat sie den Grundstock ihres heutigen Ladeninhalts von einer Geschäftsaufgabe in Norddeutschland erhalten. Daher sind auch noch nicht sämtliche Kleidungsstücke im Geschäft älter als 20 Jahre. Stückweise soll sich das aber ändern. Denn Katalin Weser durchstöbert Flohmärkte und plant gerade auch eine Reise nach London, um sich dort mit neuer alter Ware einzudecken. Auch kauft sie noch ausgesuchte Kleidung an. „Ich bin total dankbar über jede Omi, die mir ihre Kleidchen vorbeibringt“, sagt sie. Denn früher sei es üblich gewesen, Kleidung an die nächste Generation weiterzugeben und Lilian Vintage will dies in Geschäftsform tun.
lilianvintage.de/

Text: Sarah Hofmann Foto: Michael Chlebusch

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