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Dafür-Sein als Aktion

Die Buntmacher*innen

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Die Buntmacherinnen, Ihre Devise: Netzwerken, Diversität schaffen, Leute ins Gespräch bringen – und das ganz ohne Anti-Haltung.

Die Buntmacher*innen wollen die Stadt wieder positiv besetzen und holen mit ihren Aktionen für Toleranz und Demokratie hunderte Menschen auf die Straße – ihre Devise: Netzwerken, Diversität schaffen, Leute ins Gespräch bringen – und das ganz ohne Anti-Haltung.

Auch ohne Transparente lässt sich demonstrieren. Das zeigten die Buntmacher*innen am 9. November am lebenden Beispiel. Sie luden zu einem Lichterweg ein, Hunderte folgten dem Ruf und spazierten mit Kerzenbechern in den Händen geschichtsträchtige Orte ab. „Wir haben Transparente untersagt, ebenso das Rufen von Parolen. Wir wollten eine empathische Auseinandersetzung mit diesem Tag“, erklärt Anett Linke, eine der Organisatorinnen. Und damit bringt sie einen Teil des Programms ihrer Gruppe auf den Punkt. „Wir wollen zeigen, was Chemnitz an Unterschiedlichem und Diversität zu bieten hat. Viele Menschen hier haben kein größeres Ziel vor Augen, als ihr eigenes kleines Projekt“, ergänzt Emily König. Ihre Gruppe wolle Verbindungen schaffen, die einzelnen Initiativen vernetzen, aber auch Menschen aktivieren.

So stellten die Buntmacher*innen schon kurz nach ihrer Gründung, die als Antwort auf die rechtsextremen Ausschreitungen forciert wurde, im Herbst 2018 im Stadthallenpark einen Dialogbasar auf die Beine, wo jeder bei Kaffee und Kuchen seinen Nebenmenschen kennenlernen und sich mit ihm Austauschen konnte, egal wo er herkommt. Denn miteinander Reden, dass ist den Buntmacher*innen wichtig. Sie besteht aus einem Dutzend Studierenden und Berufstätigen, das nach den „Chemnitzer Ereignissen“ aktiv werden wollte. „Wir sind eine Gruppe von Menschen, die sich sonst nie begegnet wäre“, so Emily König. Und fanden die Buntmacher*innen schnell eine gemeinsame Sprache. „Wir sind nicht dagegen, sondern dafür. Für Toleranz, für Demokratie. Denn gerade die Negation hat die Fronten doch erst verhärtet“, sagt Anett Linke. Auch mit ihrem gegenderten Namen wollen sie dies ausdrücken, niemand soll ausgegrenzt werden.

Jedes Gruppenmitlied brachte sein Netzwerk und eigene Stärken ein und in diesem Jahr stellten sie einiges auf die Beine. Das „Beverly Bernsdorf“ beispielsweise gleich zweimal, ein Minifestival im titelgebenden Stadtteil, bei dem sich mehrere Künstler und Initiativen der Stadt einbrachten. Außerdem beteiligten sie sich am „Kosmos Chemnitz“, am Initiativenbasar der Kritischen Einführungstage (KRETA) der TU Chemnitz (haben wir im letzten 371 vorgestellt), veranstalteten Filmabende und vieles mehr. „Wir treffen uns nach Bedarf, schreiben aber fast täglich über Messenger“, erklärt Anett Linke. Überhaupt ist das Team in den sozialen Medien gut aufgestellt. Die Buntmacher*innen präsentieren nicht nur ihre Projekte bei Facebook, Instagram und Co., sondern wollen darüber auch ansprechbar sein und hoffen dabei auf zusätzliche Mitglieder. Denn für die kleine Gruppe, die sich als reiner Zusammenschluss von Menschen gebildet hat und daher auch auf Rechtsformen wie die Gründung eines Vereins vorerst verzichtet, war das Jahr 2019 ein regelrechter Marathon. Die Fülle der Veranstaltungen brachte die Ehrenamtler an ihre Grenzen, schließlich mussten sie ja auch noch ihre Vollzeitjobs und Studiengänge bewältigen.

Erschwerend kommt hinzu, dass sich die meisten Mitglieder auch in anderen Vereinen und Initiativen einbringen. Doch gemeckert wird, nicht, schließlich sei man ja stolz auf das Geleistete. Was übrigens auch von anderen bemerkt wurde. Vor wenigen Wochen wurde den Buntmacher*innen der Sächsische Förderpreis für Demokratie überreicht. Mit dem Preisgeld von 1000 Euro will sich die Gruppe ein kleines Polster für ihre Aktionen im kommenden Jahr schaffen. „Was definitiv stattfinden wird, sind die Lichterwege im Herbst und im März werden wir am Friedenstag einen Lichterweg gestalten“, erklärt Anett Linke. Alle weiteren Ideen seien noch nicht in Sack und Tüten – und an Möglichkeiten mangelt es den Buntmacher*innen nicht. Wie sie erklären, bekämen sie mittlerweile auch Anfragen aus der Region, ob sie sich nicht an Aktionen beteiligen oder Workshops geben wollen.Abgeneigt sind sie nicht. „Es kommt darauf an, wie viele Leute wir sind. Wir können uns nur das vornehmen, was wir auch schaffen können“, erklärt Emily König. Daher freue sich die Gruppe über jedes neue Mitglied, jede helfende Hand.

Text: Sarah Hofmann Foto: Privat

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