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Aus Film wird Festival

Die Filmnächte auf dem Theaterplatz starten

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Die Filmnächte auf dem Theaterplatz starten

Mit den Filmnächten auf dem Theaterplatz kehrt vom 29. Juni bis 2. September das Open-Air-Gefühl in die Innenstadt zurück. Dabei ruht man sich nicht auf dem inzwischen stadtweit bekannten Format aus warmer Sommernacht, Leinwand und Bühne aus, sondern geht mit hochgekrempelten Ärmeln in die neue Saison. Nachdem das Freiluftkino zwischen Kunstsammlungen, Oper und Petrikirche im vergangenen Jahr einen Besucherrekord verzeichnen konnte, startet das Filmnächteteam in diesem Jahr angespornt vom Zuspruch der Chemnitzer mit neuen Ideen ins Programm. In diesem Jahr werden die Filmnächte interaktiver, eventfreudiger, noch aktueller - irgendwie festivaliger.

Eine aufstrebende Neuerung kommt etwa mit KARL in die Loge der Filmnächte. KARL ist der ins Leben gerufene Anfang einer Idee, die die Filmnächtemacher schon seit längerem auf dem Schirm haben. Es beginnt mit einem Publikumspreis für Neues deutsches Kino, der in Chemnitz in diesem Jahr verliehen wird. So finden sich auf dem Programmplan der Filmnächte sieben Filme, die für den KARL nominiert sind, über dessen Gewinner letztlich die Zuschauer per Karte oder Onlinevoting entscheiden. Drei davon laufen auf ihrer Premierentour in Chemnitz ein und bringen mitunter Regisseure oder Darsteller mit, nämlich der Eröffnungsfilm „303“ sowie „Gundermann“ und „Safari“.

Bereits vor zwei Jahren entstand der Wunsch, aus dem KARL hervorging. Zum einen kannten die Filmnächtler als Dresdner das dortige Filmfest (welches Geschäftsführer Jörg Polenz mitbegründete) und wussten, welches Flair ein solches Festival in eine Stadt bringt. Zum anderen hat das natürlich auch Vorteile beim Einladen von Filmemachern, die ein Zweitverwertungskino üblicherweise nicht erreicht. Damit ist KARL aber erst am Anfang. Am Ende der Entwicklung, die gerade mit der Bewerbung zur Kulturhauptstadt wieder in Fahrt kommt, soll ein genreübergreifendes Festival stehen, das über Wochen oder Monate hinweg die Stadt an verschiedenen Orten etwa mit Film, Theater oder Konzerten belebt. Der Preis ums Neue deutsche Kino ist demnach die Testphase, aus der etwas Großes wachsen kann.

Mitgestalten dürfen die Chemnitzer aber nicht nur durch ihr Voting beim KARL. So gibt es wieder den Programmbeirat, der sich aus Chemnitzern zusammensetzt und der sich unter anderem erstmals zwei Dokus in den Plan wünschte. Außerdem werden an verschiedenen Abenden Voting-Filme aus den Abstimmungsergebnissen der Zuschauer gezeigt. Etwa am 24. Juli, wenn es heißt: Kultfilm oder Blockbuster?

Eine weitere Neuerung ist die Serienfilmnacht, mit der auch überregional Fans nach Chemnitz gelockt werden sollen: Am 7. August zeigt die Große Tatortreiniger-Nacht die komplette 5. Staffel des Grimme-Preisträgers. Und auch erstmals im Filmnächteprogramm: der 1. Filmtag für Familien und Frühaufsteher, der am 19. August, an einem Sonntag (mit erhofft wenig Verkehrsaufkommen) startet. Der Filmtag wird mit 5 beziehungsweise 4 Euro Eintritt familienfreundlich günstiger und zeigt drei Filme auf einer LED-Wand bereits ab 10.30 Uhr, bevor am Abend mit der Rocky Horror Picture Show ein Klassiker mit abgedrehter Live-Performance-Begleitung den Theaterplatz übernimmt.
Apropos Live, natürlich kommt auch das beliebte Taschenlampenkonzert zurück, sowie eine weitere Auflage der Classics unter Sternen mit großer orchestraler Filmmusik und mit einem Konzert ist Michael Patric Kelly zu erleben.

Eine Premiere der etwas anderen Art gibt es mit der Verlosung des ersten Chemnitzer Grundeinkommens. Da die Filmnächte sich als Unternehmen am Modell der Gemeinwohlökonomie orientieren, wird in Diskussionsrunden nicht nur über "Demokratie oder Finanzdiktatur" sowie das Grundeinkommen gesprochen, sondern mit Free Lunch Society erstmals auch ein Gratisfilm gezeigt. Zudem wird an diesem letzten Filmnächteabend unter allen Besuchern der Saison ein Grundeinkommen verlost.

Unter dem diesjährigen Motto „Mond an. Film ab.“ versammelt sich so in den kommenden Wochen das wohl abwechslungsreichste Programm, mit dem die Filmnächte je den Theaterplatz bespielten. Mit ihm streckt das jetzt schon Festival seine Fühler nicht nur in neue Tageszeiten aus, sondern macht mit seinen Ideen und Konzepten auch gespannt auf seine künftige Entwicklung. Ein Angebot, das nicht nur Filmfans und Sommernachtschwärmer gut finden dürften.

Das komplette Programm sowie alle Votings unter: filmnaechte-chemnitz.de

Text & Foto: Michael Chlebusch

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