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Echte Knaller

Krach-Preisträger 2019

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Es kann nicht immer alles gleich klappen. Das mussten auch die Macher der KRACH-Preisverleihung feststellen, als Ende August die Knallbonbons, in denen die Namen der Gewinnerinnen und Gewinner steckten, einfach nicht knallen wollten. Aber es zählt ja, was am Ende raus kommt. Denn auch, wenn Moderator Pascal Anselmi, der im Vorjahr mit seinem Zentrum für Darstellende Künste einen Raum und das Startgeld gewann, erzählt, dass es mit der Sanierung und dem Brandschutz alles etwas länger gedauert hat, gibt er den Nominierten 2019 mit auf den Weg: „Manches geht ganz schnell“, und berichtet von Kontakten und Szenevertreter*innen, die nach KRACH plötzlich auf das ZfDK zukamen.

Darauf können vielleicht auch die Preisträgerinnen und Preisträger dieses Jahrgangs hoffen. Sechs Räume, kaltmietfrei für drei Jahre und ein Startgeld von je 5000 Euro waren an Kreativstartups zu vergeben. Zwei im Wirkbau, drei in der Schönherrfabrik und einen im Kreativhof Stadtwirtschaft, in dem auch die Verleihung ihre passende Bühne fand. Schon die Liste der Nominierten war ja eigentlich ein Wunschzettel für jede lebendige Kreativszene, bei dem man sagt: och, warum nicht alle. Der Podcast Störenfriede war unter anderem dabei, eine Filzerin, eine Weberin, App-Programmierung, Technik für Vinylpressungen. Aber wie das mit Wunschzetteln leider auch im Erwachsenenalter so ist, muss man sich doch irgendwann entscheiden. Die internationale KRACH-Jury tat das für diese sechs Projekte:

Die mobile Schreib-, Druck- und Buchkunstwerkstatt von Jule Winkler und Nora Friedrich findet bald in der Stadtwirtschaft eine feste Bleibe. Der KRACH-Raum wird Hauptquartier und Ort, an dem alle Altersgruppen, vor allem aber Kinder und Jugendliche, Druck- und Buchkunst lernen können.

Im Wirkbau finden Andreas Glauch und Marcel Baer ihr Atelier. Das Künstlerduo mit dem Namen Doppeldenk betreibt seit 2007 mit Malerei, Grafik, Skulpturen oder Fassadengestaltung ein Studio in Leipzig. Jetzt soll der KRACH-Raum ihr zweiter Standort werden. Mit Chemnitz verbindet sie bereits die Zusammenarbeit mit der Galerie Borssenanger.

Als Nachbarn ziehen Felix Prehl und André Rückert ein, die das mit der regionalen Kunst ganz groß machen wollen. Bei Handwerksbetrieben im Erzgebirge haben die beiden XXL-Weihnachtsfiguren fertigen lassen, die künftig vom KRACH-Raum aus zur Vermietung und zum Verkauf – etwa für Weihnachtsmärkte, Geschäfte oder Unternehmensräume – angeboten werden sollen. Darüber hinaus dient der Raum als Werkstatt für kleinere Reparaturen.
Das Haus K40 in der Schönherrfabrik wird für Susan Strebe mit ihrem Projekt „Offene Blende“ ausreichend Raum bieten. Sie plant dort ein Fotostudio, das Hobbyfotografen stundenweise anmieten können. Neben technischer Grundausstattung sind auch unterschiedliche Themenräume für Fotoinszenierungen angedacht. Ergänzt wird das Ganze durch Kurse etwa zur Bildbearbeitung.

Ebenfalls im K40 wird „Alles Gold, was glänzt“ von Laura Dähn einziehen. Seit Ende letzten Jahres hat sie sich nebenberuflich der Innenausstattung gewidmet und will das Projekt mit dem nun geplanten Studio auf den nächsten Level bringen. Wer die Einrichtung von Privat- und Ferienhäusern, Ladengeschäften oder Unternehmensräumen plant, ist in diesem Showroom mit Verkaufsfläche für kuratierte Kunst und Design richtig.
Wenn's nicht für echte neue Möbel reicht, kann vielleicht VRENDEX nebenan helfen. Unter Leitung von Manuel Dudczig entwickelt das dreiköpfige Team Anwendungen in den Bereichen Virtual- und Augmented Reality, die zur schnellen und mobilen Produktentwicklung und -präsentation eingesetzt werden sollen. Das Unternehmen kann jetzt schon auf einen breiten Kundenstamm aus dem Maschinen- und Anlagenbau, aus der IT- und aus der Eventbranche zugreifen.

Dass auch für alle Projekte, die keinen Raum gewonnen haben, noch nicht Schluss sein muss, betonen die KRACH-Macher genauso wie die Nominierten. Zum Beispiel für Weberin Anna Maria Martini. Für sie geht  es weiter, sagt sie. Ihre Textilwerkstatt will sie jetzt erstmal in Privaträumen starten. Es wird vielleicht etwas kleiner und etwas langsamer wachsen, aber sie ist optimistisch, denn Platz gebe es in Chemnitz ja noch genug und das KRACH-Netzwerk steht ihr für Rat und Kontakte offen. Es kann nicht immer alles gleich klappen, aber auch ohne Knall kann in der Kreativszene viel krachen.

Text: Michael Chlebusch Foto: Fabian Thüroff

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