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Rückkehr der Schokobecher

Eierlikörz Manufaktur am Brühl

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Eierlikör gilt nicht gerade als hippes Szenegetränk. Doch die Überraschung kommt, wenn Felix Adler die Waffelbecher rausholt und zur Verkostung in seiner Eierlikör-Manufaktur bittet.

Familiengeburtstag in der DDR. Irgendwann kam der Moment, in dem jemand die Schokobecher auf den Tisch stellt und Eierlikör ausschenkt. Ein Highlight, an das sich heute viele mit Nostalgie aber auch einem echt beißenden Gefühl im Hals erinnern. Und jetzt kommt da einer und will uns Eierlikör als Nobelspirituose verkaufen? Hört sich erstmal nach einer komischen Idee an. Doch die Überraschung kommt, wenn Felix Adler die Waffelbecher rausholt und zur Verkostung bittet.

Felix Adler, das ist der Erfinder und Betreiber von Eierlikörz, einer kleinen Manufaktur auf der Elisenstraße am Brühl. Es war an Silvester 2012, als der Gründer einmal nicht wusste, was er mit zur Party nehmen soll und kurzerhand aus Schnapsresten nach Omas Rezept Eierlikör kochte. Seltsame Sachen waren da dabei, auch einer mit Absinth als Grundlage. Aber als der teure französische Traubenwodka dran war, kam da plötzlich ein richtig gutes Produkt bei raus. Dieser Eierlikör kam so gut bei den Gästen an, dass Felix öfter nach Nachschub oder Geschenkflaschen gefragt wurde. In 2014 gewann er mit seiner Rezeptur sogar eine Eierlikörmeisterschaft in Oberwiesenthal. Das war die Initialzündung für die Marke Eierlikörz.

Seit dem letzten Sommer gibt es Eierlikörz nun als Geschäft. Und wenn Kunden den Laden betreten, dann heißt es oft, erstmal probieren, denn die Vorbehalte aus früheren Eierlikörerlebnissen kann Felix Adler nachvollziehen. Doch sein Likör hat wenig mit der dickflüssigen, leicht giftig schmeckenden historischen Vorlage gemein. Blue Steel, die Basissorte, wird nachwievor mit französischem Ciroc gekocht und gleitet mild und vollmundig über die Zunge. Coco Love kommt mit einem dezenten Kokosaroma und Häzel Hoff nimmt sich einen angereicherten Haselnusslikör zur Grundlage. Dazu kommen Bio-Eier (mit einer veganen Variante wird noch experimentiert) und Handarbeit vom Kochen, übers Abfüllen bis zum Etikettieren der Flaschen.

Die Zielgruppe für das Ergebnis erwies sich als erstaunlich breit gefächert. Von 18 bis über 80 seien die Kunden bei Eierlikörz alt. Und auch in Chemnitzer Bars ist Eierlikörz angekommen, etwa im Mama Joe’s oder in den Feinschmecker-Lokalen Max Louis und Villa Esche. Auch das Atomino verkauft seit neustem eine Hausmarke  aus Adlers Eier-Destille. Noch betreibt Felix Adler die Manufaktur nebenberuflich und öffnet seinen Laden nur an drei Tagen in der Woche. Aber vielleicht steht dem Eierlikör ja bald eine noble Wiedergeburt bevor, wie sie der genauso einfach herstellbare Gin bereits erlebte – Schokobechersommelier inklusive.

www.eierlikoerz.de

Text & Foto: Michael Chlebusch

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