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Fridays for Future in Chemnitz

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Fridays for Future in Chemnitz

Eines Freitags fragt unsere 371-Praktikantin Tabea Hallmann freundlich, ob sie denn heute mal etwas eher losmachen dürfe. Klar, kein Problem. Und dann verrät sie den Grund: Heute sei wieder Fridays for Future-Demo. Das wollten wir nun genauer wissen. Hier erklärt Tabea, warum sie zu Fridays For Future geht.

Endlich gilt es nicht mehr als Ausrede, in Chemnitz zu wohnen, wo nichts los ist, wenn man bei politischen Aktionen nicht mit macht, weil zum Glück auch hier genug Schüler und Studenten mit Verstand ihre Hirne und Beine in die Hand nehmen und Fridays For Future Streiks organisieren. Ich musste mich nicht dazu überwinden, nach Dresden oder Leipzig zu gondeln, sondern fiel aus der Haustür, rein in eine Masse von jungen Menschen, die wissen, dass keine Zeit bleibt, bis wir dann „die Ingenieure und Wissenschaftler von morgen” sind, wie es nicht zu wenige Mittfünfziger gerne betonen. Es gibt doch jetzt schon unzählige davon, sind die etwa zu inkompetent? Ich glaube nicht.

Es ist doch gleichermaßen skurril wie bestürzend, dass bewiesenermaßen von uns verursachte Klimaveränderungen und daraus resultierende Bedrohungen von ganzen Parteien als „Klimahysterie” abgetan und einfach verschoben werden. Man dürfe den Menschen ja nicht zu viel Veränderung auf einmal zumuten, sonst werden sie ningelig, sagen andere. Die Bevölkerung muss ja mitziehen. Dass tausende von Kindern dazu auch zählen, müssen wir bestimmten Leuten wohl nocheinmal erklären. Außerdem klopft bei mir der leise Verdacht an, es wird viel mehr geningelt, wenn in Zukunft immer mehr Klimaflüchtlinge kommen, wenn irgendwann das Fleisch einfach mal aufgegessen ist und wenn die wunderbare Insel mit diesen Schaukeln und weißem Sand, auf die man schon immer mal in den Urlaub fliegen wollte, dann im glasklaren, türkisen Wasser versunken ist. Problematisch, denn zu dem Zeitpunkt, an dem auch wir, die glücklicherweise in Europa geboren sind, den Klimawandel vor der Haustür bemerken, wird es zu spät sein.

Es ist eine Willenssache. Und die Energie, die Politik und Diplomatie nicht bereit sind, in diese Sache hineinzuinvestieren (hahaha), haben wir, und zwar doppelt. Es ist ein bestärkendes Gefühl, umgeben von Menschen zu sein, die bereit sind, für ihre Zukunft zu kämpfen. Schade zwar, dass eine der wenigen Hoffnungen zu sein scheint, dass alles besser wird, wenn in ein paar Jahren alle, die zu den Demos gehen, auch wählen dürfen, aber es ist wenigstens eine halbwegs sonnige Aussicht. Bis dahin müssen wir im Gespräch bleiben, und uns nicht auf Talkshowsesseln und Gretas Goldener Kamera (was das bewirken sollte, weiß auch keiner so richtig), ausruhen. Die bringt aussterbenden Tierarten nämlich herzlich wenig. Sprechgesänge und Wortbeiträge zugegebenermaßen auch nicht, aber ein Kohleausstiegskompromiss vielleicht. Ich habe keine Lust, mich, wie viele Erwachsene, hinzusetzen und zu warten, bis wir als „innovative Generation” die ultimativ bequeme Lösung für alle finden. Es wird nicht gemütlich. Es ist auch nicht bequem, bei Regen und Wind zwei Stunden lang ein nasses Pappplakat nach oben zu halten, dessen Schriftzug letztendlich eh keiner lesen kann. Vielleicht aber hilft unseren Eltern und Stadträten das Beispiel der eigenen Kinder, die jetzt im Unverpackt-Laden shoppen, die Transparente bemalen, wie damals 1989, die ihnen vorhalten, wie egal ihnen die Zukunft ihrer Sprösslinge nicht immer offensichtlich, aber unterschwellig, ist. All das kann etwas bewirken. Kinder ziehen immer. Wir werden nicht von Russland instrumentalisiert, sondern von uns selbst. Weil wir wissen, wir können etwas bewegen.

Text: Tabea Hallmann Foto: facebook.com/FFFChemnitz

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