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Startschuss in Slow Motion

Kneipenmeile startet

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Der Geist hipper Szeneviertel soll in Chemnitz an der Inneren Klosterstraße aus der Lampe gerubbelt werden. Eine Kneipenmeile wünschen sich Stadt und GGG dort und gaben zum Hutfestival Ende Mai schonmal den Startschuss für vier neue gastronomischen Einrichtungen.

Zu den acht vorhandenen Gastronomien kommen hinterm Henrics das griechische "Bistro bei Spiros", gegenüber das "Café Labyrinth" und ein paar Meter weiter die beiden Franchisefilialen "Dean and David" für Sandwiches, Salate, Suppen und der Burgerladen "Hans im Glück".

Zunächst muss das Konzept der Meile allerdings mit selbstgesteckten Zielen kämpfen. Das geht schon beim Arbeitstitel los. Statt auf 1,6 Kilometer kommt das innerstädtische Areal vom Brasil bis zur Absintheria auf gerade mal 240 Meter, oder, um aufs illustre angloamerikanischen Maß zurückzukommen eine Furchenlänge und zwei Ketten. Das mit dem Startschuss ist bei der Chemnitzer Kneipenfurche auch ein bisschen übertrieben. Während sich zum Hutfestival beim griechischen Bistro der Straßenverkauf schon großer Beliebtheit erfreute, blickte man bei den drei anderen Neueröffnungen noch durch eine Luftballongirlande in leere Rohbauräume. Die Betreiber des Café Labyrinth gaben auf Anfrage deshalb auch an, voraussichtlich erst im dritten Quartal mit ihrer Eröffnung dabei zu sein. Dann sollen dort neben Kaffee und kleineren, mediterran inspirierten Speisen auch Veranstaltungen einziehen: Geplant sind etwa Künstlergespräche und  Jazzkonzerte. Auch Ruhigeres, wie Yoga, soll in einem abtrennbaren Raum stattfinden. Dieser gibt dem Café im Übrigen auch seinen Namen – hier wird ein Labyrinth auf dem Boden zum Begehen einladen.

Das Ziel bis zum Jahresende alle verbliebenen Flächen vergeben und eröffnet zu haben, darf angezweifelt werden. Es wird also noch ein bisschen dauern, bis klar wird, ob das Experiment einer stadtgeplanten Kneipenmeile aufgeht. Ob Zahl und Vielfalt eine kritische Masse zum Einfachmalindiestadtwasessengehen animieren. Und ob das dann auch außerhalb der Mittagszeit klappt und sowas wie ein Nachtleben dort entsteht. Dass auch kleine Straßen groß raus kommen können, ist erwiesen. Vielleicht wird die Chemnitzer Klosterstraße ja eines Tages in einem Atemzug mit der Londoner Carnaby Street (260 Meter) oder der Hamburger Herbertstraße (100 Meter) genannt.
Text & Foto: Michael Chlebusch

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