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Kokoro auf dem Kassettenlabel in:ex

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Kokoro auf dem Kassettenlabel inex aus Chemnitz

Der Klang- und Bildkünstler Kokoro ist der erste Release des Kassettenlabels in:ex, das auf gute alte Magnetbandmedien setzt.

Synästhesie nennt man das, wenn sich Sinneseindrücke überschneiden. Da kann jemand, der eine Stimme hört, plötzlich den Geschmack von Brötchen im Mund haben oder Gerüche mit dem Sehen von Farben einhergehen. Diese Fähigkeit haben nur wenige Menschen. Bei einem Auftritt des Chemnitzer Künstlers Kokoro können sich Normalbesinnte dem Erlebnis Synästhesie aber nähern. Denn Kokoro ist mehr als nur elektronischer Klangkünstler, er verbindet seine Musik mit einem beeindruckenden Bilderlebnis zu einem größeren Ganzen. In den Klangraum zwischen dichten Ambientsounds und Minimalelektro projiziert er Bilder, die sich gegenständlich und abstrakt mit dem Sound auseinandersetzen oder ihn bedingen. Am Anfang jedes Tracks, erklärt Kokoro, steht eine Idee, ein Konzept oder Ausdruck, den er vermitteln will. Dann kommt meist die Musik, manchmal aber auch das Bild, auf dem sich der Rest aufbaut. Immer aber ist es am Ende das Zusammenspiel, das wichtig ist. So wichtig, dass seinem neuen, ersten Album "TITEL" eine Speicherkarte beiliegt, auf der sich auch die Bilder zum Ton transportieren lassen.
Diese Karte passt gut in die Verpackung. Denn das erste Album kam nicht etwa auf CD oder Vinyl auf den Markt, sondern auf dem genauso frischen Chemnitz Kassettenlabel in:ex, das aus dem personellen Umfeld der Veranstaltungsreihe ex:in hervorging. In seiner 50er Auflage ist auch das Tape ein kleines Kunstwerk, das ganz im Stile (und auf Wunsch) Kokoros in schwarz/weiß daherkommt. Jede der bitumenartigen Hüllen ist ein Unikat. So wolle man das auch bei künftigen Künstlern halten, erklärt Labelmitbegründer Chris Münster, dass jedes Album einen eigenen Look, eine andere Machart bekommt. Für dieses Jahr stehen schon vier bis fünf Releases an. Die Kassette ist wieder im kommen. Neben der Erinnerungen weckenden Retrohaptik und dem einzigartigen sich mit der Zahl der Abspielungen verändernden Sound, bietet sie gerade für Indiekünstler einen kostengünstigen Weg, ein Medium neben dem Digitalrelease anzubieten. Anfassen, sehen, hören. Alles drin.

Erwerben kann man das Kassettenalbum im Odradeck, via einer kurzen Facebooknachricht, perspektivisch auch über Bandcamp oder am besten bei den Konzerten Kokoros. Das nächste Mal tritt er in Chemnitz im Nikola Tesla auf - als Support der Goldenen Zitronen. Mit einer Tour will er in diesem Jahr den Zyklus TITEL abschließen. Seine Musik, entsteht, wie er sagt, aus Phasen seines Lebens, den Eindrücken und Erlebnissen. Von denen müsse er nun neue sammeln, um die nächste Phase seines Schaffens zu beginnen.

Kokoro: www.facebook.com/xnotox/

Text & Foto: Michael Chlebusch

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