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Die Krachmacher

Förderprogramm für die Kultur- und Kreativwirtschaft

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Hammeridee der CWE: Alle Auserwählten haben einen Hammer bekommen.

Es war ein Experiment und man kann sagen, dass da in der Petrischale gut was wächst. Mit KRACH (Kreativraum Chemnitz) luden Stadt, CWE und Immobilienbesitzer aus Chemnitz Kreative ein, sich hier mit ihren Ideen niederzulassen und stellten dafür kostenfrei einen Arbeitsraum und eine finanzielle Starthilfe in Aussicht. Nun stehen die Auserwählten fest.

Aus über 50 vorwiegend regionalen Bewerbern musste die internationale Jury wählen, lud gut die Hälfte zum Kennenlernen auf ein KRACH-Wochenende ein. Mitte April wurden nun die elf Preisträgerinnen und Preisträger bei der Maker Faire bekanntgegeben. Die kommen aus tatsächlich sehr unterschiedlichen Kreativbereichen von Design über Theater bis zur IT und sollen wie buntes Konfetti über die Stadt verteilt werden, damit die alte Tante Chemnitz ein bisschen gute Laune bekommt. Also Jutebeutel festgezurrt, hier kommen eure neuen Lieblings-Start-Ups:

Im Laden Theaterstraße 17 gegenüber vom Zammwerk darf die Chemnitzer Studentin Franziska Dörner mit ihren CoBoLights das Licht anknipsen. Die baut sie ganz Unikat aus spannenden Materialien wie gegossenem Beton, Kupferrohren oder auch mal einem Ölkanister. Seit drei Jahren gibt’s CoBoLights schon im Internet und bald darf nun auch Laufkundschaft mit schlechtem WLAN zugreifen.

Das Zentrum für Darstellende Kunst (ZfDK) bekommt auf der Jakobstraße 46 am südlichen Sonnenberg viel Platz für seine Pläne. In der ehemaligen Stadtwirtschaft wollen Student und Radio-Macher Pascal Anselmi und Theater- und Kulturwissenschaftlerin Hannah Saar Projekt-, Probe- und Aufführungsorte für lokale und internationale Theaterprojekte aus der freien Szene bereitstellen.

Ins Spinnwerk an der Altchemnitzer Straße zieht das Büro von Ulrike Sorge. Die macht auch Theater. Zur Zeit als Mitarbeiterin am Schauspielhaus, hat sie mehrere Theaterprojekte wie Regiearbeiten und die Gründung einer Theater-AG an einer Chemnitzer Schule in Vorbereitung und suchte bei KRACH ein Orgazentrum für ihre Arbeit.

Die Möbel fürs Büro gibt es praktischerweise bald nebenan: Ebenfalls im Spinnwerk will sich Rayk Pehlgrimm mit seiner Werkstatt prekär 017 ansiedeln. Dort sollen Wohn- und Arbeitsmöbel entstehen, die zum einen besonders kostengünstig, zum anderen aber auch flexibel bis mobil sein sollen. Erste Küchen-, Büromöbel- und Regalsysteme gibt es schon als Prototypen.

Geholzarbeitet wird natürlich auch im Holzkombinat. Das hat seine offene Werkstatt mit Säge, Rat und Tat vor nun schon drei Jahren auf der Zöllnerstraße gegründet und möchte wachsen. Auf dem Brühl 46 soll der „Natürlichkreativ-Projektladen“ entstehen und Platz für Workshops, Kreativangebote und eine Ladenfläche bieten.

Zwei Türen weiter finden gleich zwei KRACH-Bewerber Platz. Im Brühl 42 wird Gründer Andre Zimpel mit Unknown Basics einziehen. Das schon über Chemnitz hinaus bekannte Modelabel hat sich auf basketball-affine Streetwear spezialisiert und arbeitet mit nationalen und internationalen Künstlern zusammen.

Im zweiten Ladengeschäft unter Brühl Nummer 42  hat sich das Kombinat Lump der Förderung junger Kunst verschrieben. Die Dresdenerin Anja Jurleit und der Chemnitzer Marco Henkel wollen deutschen und internationalen Künstlerinnen und Künstlern zu Reichweite verhelfen und ihnen den Eintritt in den Kunstmarkt erleichtern. Dazu soll es einen Abo-Service für hochwertige Kunstdrucke geben.

371-Leser (und auch die der FAZ) kennen sie schon: Ulrich Halfter und Lukas Heinig mit ihrem Start-Up scorefab. Während sie derzeit noch in der TU Chemnitz wohnen, dürfen die Gründer bald auf die Sebastian-Bach-Straße 16 am Sonnenberg ziehen. Ziel von scorefab bleibt die Entwicklung einer responsiven Notenbibliothek für Musiker, die die dann mit einem Fußpedal bequem über ihre Mobilen Bildschirme blättern.

Modedesignerin Babette Sperling, zuletzt als Chefdesignerin des Chemnitzer Labels Mutare im 371 vertreten, will im Tietz mit Stroh zu Gold künftig eigene Wege gehen. Dabei erkundet sie auch die Möglichkeiten von Recycling und Upcycling und kombiniert Mitmach-Werkstatt, offene Designmanufaktur und Atelier.

Der RWL Creative Coffee Hub findet sein Dach in der ehemaligen Glocke an der Karl-Liebknecht-Straße 21. Im Kern steht bei Perez und Carolin Weigel, David und Janine Rozali sowie Tristan Lodge eine Kaffeerösterei, deren Produktion in einem Café getrunken und in einem Laden gekauft werden kann. Gleichzeitig sollen weitere Kreative unter dem selben Dach für kulturellen Output sorgen.

Auf der Leipziger Straße 51 finden Samuel Reinig und Jonas Thielemann mit Holy Heart Design künftig Büro-, Produktions- und Verkaufsraum. Das 2015 gegründete Unternehmen designt Turnbeutel, Holzbilder, Poster und Klamotten mit Botschaft und verkauft diese bereits deutschlandweit und ins Ausland über seinen Onlineshop.

Während sich die genannten Räume und Gewinner in den nächsten Wochen zu einem tollen Kreativschub zusammenfinden, soll KRACH keine Einzelaktion bleiben. Dazu loten die KRACH-Macher bereits die Möglichkeiten für die nächste Runde aus, denn das Programm kam nicht nur bei den Bewerbern gut an, sondern hat auch, wie man hört, das ein oder andere anerkennende Raunen in anderen Städten eingefahren. Lasst KRACHen!

Text: Michael Chlebusch Foto: Mark Frost

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