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Manga-Mania Ausstellung auf der Augustusburg

Manga-Mania Ausstellung auf der Augustusburg

Auf der Augustusburg polieren poppige Sonderausstellungen das staubige Image auf.

Eine Mania ist eine stets ausverkaufte Veranstaltung im Atomino, die genau einmal im Jahr stattfindet, und zwar Weihnachten. Mania herrscht gerade aber auch ein paar Kilometer weiter außerhalb, in der lieblichen Umgebung der Stadt, dem Chemnitzer Ausflügler-Paradies. Das Ganze nennt sich Manga-Mania, findet seit Mitte April in der Augustusburg statt, trägt den Untertitel „Große Augen garantiert“ und klingt zunächst nach Cosplay-Convention. Doch die Manga-Mania ist eine Ausstellung, die den Event-Stempel trägt, interaktiv, familienfreundlich, zum Staunen, zum große Augen machen eben.

Alte Motorräder, ausgestopfte Kadaver
Schloss Augustusburg bezeichnet sich selbst als „Biker-Schloss“, was irgendwie nach einer geheimen Hell’s Angels-Hochburg klingt, Sachsenringfans und Sonntagsausflüglern aber gut gefallen dürfte. Auf dem über der Zschopau thronenden Schloss Augustusburg gibt es eine historische Motorraddauerausstellung, eine Jagtiersammlung und eine für Vogelkunde, einen Schlosskeller und einen Cranach-Altar. Augustusburg, die Krone des Erzgebirges. Trotzdem weilt es eher am Rande der protzigen sächsischen Schlösserlandschaft, überschattet von Touristenmagneten wie der Moritzburg, der Festung Königstein und natürlich der Burg Rabenstein. Patricia Meyn, regierende Schlossherrin und Vorsitzende des Schlösserverbands „Die Sehenswerten Drei“ (Augustusburg, Lichtenstein, Scharfenstein) würde das gern ändern — mit Ausstellungen, die eher poppig als kurfürstlich sind, mehr Event als staubige Historie. In den letzten Jahren gab es hier Udo Lindenbergs Likörmalerei sowie begehbaren 3D-Bilder-Kitsch („Du bist die Kunst“) zu sehen. Nun also Manga, die ewig exotische Comic-Kunst aus Japan. Wie passt das ins konservative, sächsische Schlossgewölbe?

„Manga ist vielfältig, subversiv und fremd. Die Ursprünge des Mangas sind in der Edo-Zeit zu finden. In unserer schlosseigenen Sammlung gibt es japanische Holzschnitte aus dieser Zeit, die die spätere Entwicklung des späteren Mangas beinflussen. Aus diesem Schatz heraus wollte ich eine Ausstellung entwickelt haben, die ein sehr breites Feld des Mangas abbildet“, erklärt Patrizia Meyn, die immer auf der Suche nach neuen interaktiven Famillienausstellungen ist, „dazu gehören der Mangaboom in den 50er Jahren in Japan, Anime Computerspiele, die Entwicklung des Manga in Deutschland und die Fankultur.“

Bunte Unterhaltungsbildung
200 Exemplare zeigt die in Zusammenarbeit mit internationalen Museen und Leihgebern entstandene Sammlung, darunter viele japanische Originale, aber auch Anime und Computerspiele. Die Mangas werden großflächig als drei Meter hohe „Big Mangas“ ausgestellt, es gibt Geschicklichkeitsspiele und Computerspielstationen, Cosplay-Kostüme, eine Manga-Bibliothek, alles poppig bunt ausgeleuchtet. „Manga-Mania“ setzt auf Familienfreundlichkeit und Interaktion: Man kann Computer spielen, eigene Mangas zeichnen, Filme schauen und vor „Hatsune Miku“ — einer virtuellen Popsängerin, die als erste synthetische Popikone gilt — tanzen. „Edutainment“ nennt die Schlossherrin das Konzept, Wissensvermittlung trifft auf Unterhaltung: „Unsere Ausstellung verbindet die Historie mit der Gegenwart. Wir haben in der Ausstellung viele Original-Leihgaben aus Japan, die die Entwicklung des Mangas zeigen, sowie einige deutsche Mangakünstler. Da kann man sich Zeit nehmen und viel dabei lesen und anschauen. Das verbinden wir mit einem hohen Anteil an Interaktivität, wo auf einer ganz anderen Ebene Wissen vermittelt wird. Somit ist die Ausstellung für die ganzen Familie ein Erlebnis, weil jede Altersgruppe je nach ihren Bedürfnissen und Ansprüchen etwas in der Ausstellung findet.“

Wie sich das auf die allgemeinen Besucherzahlen von Augustusburg auswirkt, bleibt abzuwarten — bei einer positiven Bilanz will Patrizia Meyn weiter verstärkt auf das Konzept der Eventausstellungen setzen. Bisher sei die Resonanz positiv: „Letztes Wochenende musste ich etwas schmunzeln, denn ich habe eine Familie vor einem Big Manga gesehen, die mit dem Bild agierten, sich hineinstellten und es natürlich fotografierten. Da wusste ich: Ja, die waren schon bei "Du bist die Kunst" und sind wiedergekommen. In solchen Momenten merke ich, dass mein Konzept der kulturellen Bildung auf Resonanz stößt.“

Text: Johanna Eisner Foto: Lutz Zimmermann

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