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Kunst im Jetzt

Mario Pfeifers Werk Again

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Mario Pfeifers Werk Again ab Oktober 2018 in den Kunstsammlungen Chemnitz

Kunst ist politisch. Und da die Zeiten, gerade auch in Chemnitz, ungemein politisch sind, starten die Kunstsammlungen mit einer aufsehenerregenden Ausstellung in den Herbst.

Mario Pfeifers Werk Again / Noch einmal mit den bekannten Schauspielern Dennenesch Zoudé und Mark Waschke wurde für die Berlin Biennale 2018 produziert und fand international Beachtung. Sogar die New York Times berichtete daüber. Die Kunstsammlungen Chemnitz sind nun das erste Museum, das diese Arbeit zeigt. Eigentlich war als Start das Frühjahr 2019 anvisiert, doch die aktuelle Ereignisse in Chemnitz, die Demonstrationen und Ausschreitungen der letzten Wochen, führten zu dem Entschluss, die Ausstellung vorzuziehen.

In dieser Arbeit greift Pfeifer einen Vorfall aus dem Jahr 2016 im sächsischen Arnsdorf auf, als ein Geflüchteter von vier deutschen Männern nach einem Streit im Supermarkt an einen Baum gefesselt wurde. Selbstjustiz? Zivilcourage? Pfeifer greift in dieser und der komplementär gezeigten Arbeit Über Angst und Bildung, Enttäuschung und Gerechtigkeit, Protest und Spaltung in Sachsen / Deutschland Themenkomplexe unter verschiedenen Blickwinkeln auf, die gerade ganz Europa beschäftigen.

Pfeifer, 1981 in Dresden geboren, rekonstruiert mithilfe von investigativen Journalisten den Vorfall und lädt zehn Bürgerinnen und Bürger mit unterschiedlichen Flucht- und Migrationserfahrungen ein, der Rekonstruktion beizuwohnen und anschließend ihre Sicht auf den Vorfall zu erläutern. Betrachterinnen und Betrachter sollen sich ihr eigenes Urteil bilden können. Dabei untersucht er ethische Normen und das Verhältnis von Bürgerinnen und Bürgern zum Rechtsstaat.

Begleitet werden die beiden Arbeiten durch Vorträge, Diskussionsrunden und sogenannte Live Speaker, die den Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern suchen werden, aber auch die Arbeiten kontextualisieren und Wissen vermitteln sollen. Dies will Kunstsammlung-Direktor Frederic Bußmann explizit als Auftakt für einen öffentlichen Diskurs durch kritische künstlerische Positionen verstanden wissen.

Der Pfeifers Arbeit zugrundeliegende Fall wurde übrigens nie vor Gericht verhandelt. Der Iraner, der nach Deutschland in Hoffnung gekommen war, dass seine Epilepsie behandelt werden könnte, erfror im Frühjahr 2017 nur wenige Kilometer von seiner Flüchtlingsunterkunft entfernt im Wald. Das Gericht sah infolge dessen kein öffentliches Interesse an einer Strafverfolgung der vier Männer.

Die Ausstellung ist ab dem 3. Oktober zu sehen. Eröffnet wird sie am 2. Oktober, um 19 Uhr mit einem Podiumsgespräch zwischen dem Künstler Mario Pfeifer und dem Journalisten und Kunsthistoriker Georg Imdahl.

Text: Lars Neuenfeld Foto: Videostill Courtesy Mario Pfeifer & KOW © 2018 VG Bild-Kunst, Bonn 

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