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Michael schlägt den Bogen

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Also wenn die Chemnitzer Museumslandschaft die Fanta Vier sind, dann ist das Schlossbergmuseum Andy Y. Während die anderen drei – Michi Smac, Thomas G. und der Kunstsamudo (okay, der war schief) – ständig im Rampenlicht stehen, sitzt das Schlossbergmuseum unauffällig im Hintergrund und haut die Baselines raus, die das Ganze zusammenhalten.

So manche Entdeckung wurde hier schon zutage gefördert. Dass eine Gruppe Mazedonier dereinst den Chemnitzer Textilstandort maßgeblich mitbegründete zum Beispiel. Im Wesentlichen liefert das SBM feine Oldschool-Exhibitions. Darunter eine ganz wunderbare Dauerausstellung mit gotischer Plastik aus Sachsen, die man nicht nur als Chemnitzer unbedingt mal gesehen haben sollte. Und dann die zahlreichen Sonderausstellungen zu Ritter, Tod und Teufel – also Geschichte und Geschichtszeugnisse, derer das Museum zahlreich in seinem Archiv beherbergt und sich gern auch andernorts zum Zeigen ausleiht.

Im Dezember zeigt es uns, womit Sachsen einmal richtig reich wurde: Porzellan und Bergbau. Bis zum 26. Februar 2017 darf man sich deshalb die weltweit wohl umfangreichste Sammlung von künstlerisch gestaltetem Porzellan aus dem 18. Jahrhundert mit dem Thema Bergbau ansehen. Rund 100 Exponate hat die „Achim und Beate Middelschulte“-Stiftung aus Bochum dafür zur Verfügung gestellt. Der Trend entstand damals im Bergbauland Sachsen mit seiner Porzellanmanufaktur Meissen.

Hier wurden Figuren aus dem bergmännischen Milieu geschaffen, dazu passende Services und Galanteriewaren (das heißt Dekokrimskrams und Modeschmuck) mit bergmännischen Motiven. Schnell adaptierten das auch andere Manufakturen, wie die in Fürstenberg im Herzogtum Braunschweig-Lüneburg oder die Habsburger mit ihrer Wiener Manufaktur. Der Bergbau, der den Rohstoff zum Porzellan lieferte, schuf sich sein Vermächtnis damit quasi selbst.
Wer übrigens schon mal oben ist auf dem Schlossberg, darf auch getrost einen Blick in die dortige Schlosskirche werfen. Unter dem filigranen Schlingrippengewölbe hat sich das Chemnitzer Bürgertum in den letzten Jahren eine neue Vleugels-Orgel bauen lassen, finanziert vor allem durch Spendengelder. Ihre Bemalung ist, naja – eher furchtbar. Aber der Klang soll Kennern zufolge durchaus überzeugen. Also wie beim Album „Vier gewinnt“, um die weit hergeholte Neunzigerjahreanalogie zu Ende zu bringen.

Fun Fact zum Schluss: Das Schloss ist eigentlich ein ehemaliges Kloster.

Text: Michael Chlebusch Foto: André Koch


Von Ecken und Enden: Am Ursprung
Eigentlich relativ unspektakulär. Hier, so am Ursprung. Hier, wo im Jahr 1136 mit der Gründung eines Benediktinerklosters gleichzeitig die Geschichte von Chemnitz beginnt.

Nina zieht um
Chemnitz hatte bis in die Neuzeit einen Türmer. Nun ist das Amt verwaist. Für Nina Anlass genug, mal über ihre Zukunft nachzudenken.

Jan und der Nasenbrunnen
Ist der blumige Brunnen auf dem Schlossberg das Ergebnis von Erich Honeckers Schnupfen? Vielleicht.

Lars hat Schmerzen
Jährlich gibt die AOK einen Gesundheitsbericht heraus. Daraus könnte man doch einen Artikel machen: Schockierend! So krank ist Chemnitz wirklich!

Szymmi geht zur Gastro um die Ecke
Das Fachwerk-Viertel am Schlossberg gilt als Chemnitzer Bermuda-Dreieck der gutbürgerliche Gastronomie. Szymmi speiste hingegen im Gastro-Eck, nur 100 Meter entfernt, und fand eine ehrliche Hausmannskost.

Johanna geht spazieren
Es gibt Orte in Chemnitz, die sind tatsächlich schön, und deshalb fast schon wieder hässlich. Der Schlossteich könnte so ein Ort sein. Oder besser: Er ist so ein Ort.

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