Magazin

Pflaumen gegen Zucchini

Direkt vom Beet

Veröffentlicht am:

Die Netzplattform „Direkt vom Beet“ bringt kleine Ernteüberschüsse an die Konsumenten. Analoge Gärtner können sich mit einer Plakette am Gartenzaun beteiligen.

Spätestens nach dem neunten Zucchinigericht kann auch der passionierteste Fan das grüne Gemüse nicht mehr sehen. Selbst wenn er es mit Liebe selbst angebaut hat. Und irgendwann lehnen auch Freunde und Bekannte dankend ab. Und dann? Diese Frage stellte sich der Chemnitzer Thomas Seidel. Um gegen Lebensmittelverschwendung anzugehen, konzipierte er die Internetplattform „Direkt vom Beet“. Dort können Gärtner ihren Ernteüberschuss anbieten und Konsumenten können diesen Kaufen, gegen einen Arbeitseinsatz eintauschen oder sich einfach beschenken lassen.

Was verlangt wird, entscheidet der Gärtner. „Bei dem was im Garten wächst, bleibt meist etwas übrig, wir verwerten das, was da ist“, so Seidel Die Nutzung der Seite ist kostenfrei, mittlerweile hat www.direktvombeet.de 1994 Nutzer. „Schwerpunktmäßig sind die meisten hier aus Chemnitz, da das Projekt ja hier gestartet ist, aber auch in aus Nordrheinwestfalen, weil es dort eine ausgeprägte Kleingartenkultur gibt“, erklärt Seidel. Auch in anderen deutschen Ballungsgebieten, besonders Berlin, würden die Anmeldezahlen wachsen. Dass er mit seiner Plattform eine eher jüngere und internetaffine Zielgruppe anspricht, während viele Kleingärten eher von älteren Menschen genutzt werden, ist Thomas Seidel bewusst.

Seine Idee: eine Plakette für analoge Nutzer. Er nahm Kontakt mit dem städtischen Kleingartenverband auf, der die Idee unterstützte. Wer möchte, kann sie sich an den Gartenzaun hängen. „Damit signalisieren sie dann: ich bin ansprechbar“, so Seidel. Bedingung sei dann aber, dass Interessierte sich selbst in Gartenanlagen begeben und sich auf die Suche nach Plaketten machen. „Wir haben in Chemnitz um die 180 Kleingartenanlagen. Wenn dort jeder Kleingärtner ein Kilo Äpfel abgibt, dann kann man sich ausrechnen, wie viel Bedarf das abdeckt, der nicht erst umweltbelastend in die Stadt transportiert werden muss“, sagt Seidel. Er hofft, dass sich mehr Chemnitzer seiner Idee anschließen, ihre Ernte teilen und miteinander ins Gespräch kommen. Gleichzeitig ist er mit Kleingartenverbänden in Dresden und Leipzig im Gespräch, um die Idee weiter zu verbreiten.

direktvombeet.de

Text: Sarah Hofmann Foto: Michael Chlebusch

Zurück