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Utopie trifft Filmfest

Die Chemnitzer Filmnächte

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Die Chemnitzer Filmnächte lassen erstmals auch am Tag eine Leinwand leuchten, holen ein Rock-Urgestein und einen Serienstar auf den Theaterplatz und lassen Raum für Ideen und Meinungsaustausch.

Die Worte „geht nicht“ gibt es bei Michael Claus nicht. Zumindest nicht, bis er es ausprobiert hat. Und meist geht es dann doch. Filmnächte in Chemnitz? Kein Ding, mittlerweile ist das Festival zwischen Juli und August nicht mehr vom Theaterplatz wegzudenken. Seit drei Jahren leitet Michael Claus das Format. Dann kam ihm im vorigen Jahr der Einfall, auch ein Angebot für Serienfans zu schaffen. Auch hier kamen Zweifel aus verschiedenen Richtungen. Michael Claus ließ sich nicht beirren und stellte eine Tatortreiniger-Nacht auf die Beine. Zu Gast: Schotty-Darsteller Bjarne Mädel und etwa tausend begeisterte Zuschauer. Am 6. August geht der Abend in die zweite Runde – mit Folgen aus der letzten Serienstaffel.

Und noch weitere, eigentlich utopische Ideen von Michael Claus kamen gut an und haben sich fest im Filmnächte-Programm etabliert, beispielsweise Dokumentationen an den Montagen. Hinzu kommen in diesem Jahr Oscar-Donnerstage und filmische Musiksamstage mit Streifen wie „Gundermann“ und „Bohemian Rhapsody“. Über die Filme entscheidet der Chef übrigens nicht alleine, ihm steht ein Programmbeirat zur Seite, der in diesem Jahr einen besonderen Stellenwert einnimmt. „Wir sind neun Filmfans aus Chemnitz. In einer Whatsapp-Gruppe diskutieren wir das ganze Jahr durch über Filme“, erklärt Jakob Nützler vom Programmbeirat. Die Filmfans beraten über die Auswahl, diskutieren, machen Vorschläge. In diesem Jahr darf auch das Publikum auf der Internetseite der Filmnächte über zwei Filmabende entscheiden und abstimmen.

Doch nicht nur Kinoabende sollen die Gäste in diesem Jahr erfreuen, auch Konzerte wird es auf dem Theaterplatz geben. Wie Michael Claus erklärt, habe man in diesem Jahr auch einige A-Prominente nach Chemnitz locken können. Darunter John Fogerty am 19. Juli. Wer? Werden sich nun vor allem jüngere Leute fragen. „John Fogerty wurde als Frontmann der Band Creedence Clearwater Revival, kurz CCR, bekannt. Er feiert in diesem Jahr sein 50. Bühnenjubiläum“, erklärt der Festivalleiter. Weitere geplante Künstler sind Amy Mcdonald, Philipp Poisel und Johannes Oerding, die alle im August auftreten.

Da sich die Filmnächte mit ihren 57 Festivaltagen nicht über den Sommer hinaus dehnen können und Michael Claus den Wunsch hat, weiter zu wachsen, werden sie in diesem Jahr erstmals in den Tag hinein erweitert. „Im Juli können viele Filme erst spät am Abend gezeigt werden, das schließt Familien mit Kindern oder auch Werktätige, die morgens zeitig raus müssen, aus“, erklärt Claus. Da die große aufblasbare Filmnächte-Leinwand nicht gegen die direkte Sonneneinstrahlung am Tage ankommt, versucht man es mit einer kleineren LED-Wand. Dort sollen in der ersten Sommerferienwoche täglich mehrere Kinder- und Jugendfilme gezeigt werden. Dafür haben sich die Filmnächte einen Partner ins Boot geholt. „Schlingel ist die Kompetenz in Sachen Kinder- und Jugendfilm in der Region“, erklärt Michael Claus. Man habe schon lange mit dem Filmfestival zusammenarbeiten wollen, nun hat es endlich geklappt. Ob das Programm am Tag auch ankommt? Michael Claus zeigt sich optimistisch und will es versuchen – wobei er hofft, das Format auch langfristig etablieren zu können.

So geht es ihm auch in einem weiteren Punkt: „Die Filmnächte bekommen eine große öffentliche Wahrnehmung und die wollen wir auch mit anderen teilen.“ Daher möchte er unter dem Motto „15 Minuten tun“ vor den Abendfilmen jeweils ein kleines Zeitfenster öffnen, in dem Menschen über ein besonderes Anliegen, über ein Thema, das ihnen wichtig ist, sprechen können. „Es sind alle, wirklich alle aufgerufen, sich zu beteiligen“, so Claus. Interessierte können eine Mail mit dem Betreff „15 Minuten“ an info@filmnächte-chemnitz schicken. Gemeinsam wolle man dann über die Ideen und ob und wie man sie auf die Bühne bringen kann, sprechen.Die Filmnächte starten am 5. Juli und dauern bis zum 30 August an. Geboten werden auch einige Premieren und die mittlerweile zur Tradition gewordene Kurzfilmnacht am 13. Juli.

Inzwischen arbeitet Michael Claus schon an den nächsten Ideen. Stichwort: Gemeinwohlökonomie. „Dabei geht es um einen Alternativvorschlag für ein ethisches Wirtschaftsmodell, um Werte, die jeder eigentlich auch im Privatleben ausleben möchte“, erklärt Claus. Er prüft jetzt, inwiefern er sein eigenes Festival daraufhin ausrichten kann, wünscht sich das Modell aber für die gesamte Stadt. Was genau er und seine Mitstreiter damit meinen, werden sie in einem der Ideenfenster vor dem Film vorstellen. Denn „geht nicht“ kann man auch bei dieser Utopie erst nach einem Versuch sagen.

www.filmnaechte-chemnitz.de

Text: Sarah Hofmann Foto: Toni Kretschmer

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