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Das Pochen der Kunst

Multimediale Biennale Pochen

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Chemnitz bekommt ein neues Kunstfestival. „Pochen“ will von nun an aller zwei Jahre multimediale Impulse ins hiesige Kulturleben bringen.

Die Pochers aus Chemnitz: Ulf Kallscheidt, Frank Schönfeld, Benjamin Gruner, Johanna Eisner, Doreen Mölders, Katja Manz und Eva Gräfer

Chemnitz bekommt ein neues Kunstfestival. „Pochen“ will von nun an aller zwei Jahre multimediale Impulse ins hiesige Kulturleben bringen. Sarah Hofmann sprach mit Frank Schönfeld vom Spinnerei e.V und Doreen Mölders, Kuratorin im SMAC, über „Pochen“.

Lieber Frank, liebe Doreen, wie kam es zur Idee?
Frank Schönfeld: Benjamin Gruner und ich vom Spinnerei e.V und ich machen schon seit langem gemeinsame Projekte und wollten nun etwas zum Thema Videokunst machen. Schnell kamen wir darauf, die Videokunst auf Kunst generell auszuweiten, am Besten in Festivalform.
Doreen Mölders: Parallel dazu habe ich daran gedacht, dass „A wie Aperitiv“ etwas auszuweiten. Etwa auf mehrere Orte, so das etwas entsteht wie die Museumsnacht oder die „Audio Invention“ in Leipzig, wo gleichzeitig mehrere Orte bespielt werden.

Für die Nicht-Kenner, was ist „A wie Aperitiv“ für eine Veranstaltung?
F: Doreen und ich machen schon seit vielen Jahren im SMAC das „A wie Aperitiv“. Das ist eine Veranstaltung in der wir versucht haben, Musik und Medien miteinander zu verbinden.
D: Im Prinzip ist das eine Clubnacht im Museum. Mit besonderen Musikacts passend zu den jeweiligen Ausstellungen.

Und wie kam die Wismut ins Spiel?
F: Den Ausschlag für das Thema Wismut gab uns die zweite Kulturhauptstadttagung in der Stadthalle. Dort ist nämlich eine Frau aufgestanden und hat gefragt: Was ist nun eigentlich mit der Wismut? Wir fanden, dass ist ein sehr interessantes Thema, um es mal von einem anderen Blickwinkel aus zu bespielen. Dann sind wir losgezogen, haben eine Projektgruppe zusammengestellt und angefangen zu arbeiten.
D: Im Laufe dieser Treffen hat sich herausgestellt, dass es zwar Kunstfestivals wie die Begehungen gibt und auch Musikfestivals wie das Wolkenkuckucksheim. Wir fragten uns aber, welche Nische noch nicht besetzt ist.

Und welche Leerstelle habt ihr für euch gefunden?
D: Das ist multimediale, hochwertige Kunst mit der wir Orte bespielen, die nicht ausschließlich in der Subkultur verortet sind, sondern auch in der Hochkultur. Wir wollen eine Schnittstelle schaffen, um dieses Event auch zu öffnen für eine breite Bevölkerungsschicht. Denn es gibt doch oft Hemmungen in die Spinnerei zu gehen, oder ins SMAC.

Warum der Name?
D: Der bot sich an wegen der Beats und er macht ein ganzes Spektrum auf an Assoziationen.
F: Pochen hat etwas mit Klopfen, mit einer Frequenz zu tun.
D: Es ist aber auch ein Statement, denn man kann auch auf etwas pochen.

Aber zurück zur Wismut: Warum geht ihr mit Kunst an das Thema heran?
D: Das Thema ist immer da, aber eher unterschwellig. Also alle wissen vom Uranbergbau und den ganzen alten Halden, aber im Prinzip ist es ein verschüttetes Wissen. Und das bringt die Frage auf: Was verbinden wir heute eigentlich noch mit der Wismut?
F: Wir wollen den Leuten nicht erklären was gewesen ist und es auch nicht bewerten. Sondern wir wollen in diesem Bereich kuratieren und Kunstwerke bieten, die damit verbunden sind und Assoziationen wecken. Außerdem geben wir Künstlern Raum geben, um sich darüber auszudrücken. Wir wollen das so breit und so weit wie möglich offen lassen und einen kreativen Zugang zum Thema finden.

Zum Beispiel?
F: Es wird Lesungen geben, mit Geschichten ganz tief aus dem Schacht. Es wird aber auch Werke geben, die sich ganz abstrakt mit der Materie aus dem Weltall beschäftigen. Es ist für jeden und für alle was dabei.
D: Geplant ist zum Beispiel eine Ausstellung im SMAC, die den gesamten November über läuft. Die Künstlergruppe ZIMUN aus der Schweiz zeigt mehrere Kartons mit einem Motor, der einen Klöppel dagegen schlagen lässt. Passend zum Thema Pochen und Bergbau.
F: Oder auch eine Performance mit Luftballons in der Hartmannfabrik, die sich auf eine ganz abstrakte Art und Weise mit dem Thema Uran befasst.

Aber mit „Rummelplatz“ von Werner Bräunig bringt ihr ja sogar den bekanntesten Wismut-Roman auf die Bühne. Wie kam es dazu?
F: Das geht aus einer Kooperation mit dem Fritz-Theater hervor, das ja früher sogar ein Wismut-Theater war.
D: Für Pochen ist kennzeichnend, das wir verschiedene Akteure aus der Stadt eingebunden haben. Es soll ja ein Projekt aus der Stadt heraus sein. Daher beteiligen sich auch verschiedene Institutionen und Kulturschaffende der Stadt daran.

Wieso braucht Chemnitz eigentlich eine Biennale? Also ein Festival, das im Zweijahresrhythmus stattfindet?
D: Berlin hat eine Biennale, Sao Paulo hat eine – warum dann nicht auch Chemnitz? Im Zusammenhang mit der Kulturhauptstadt fanden wir das als gute Idee, um Chemnitz zusätzlich zu pushen. Unsere Biennale Pochen soll immer etwas mit der Region zu tun haben.

Und wie geht es dann weiter?
F: Pochen ist der Oberbegriff, Wismut unser diesjähriges Thema. In zwei Jahren werden wir uns dann einem anderen Thema widmen. Welches, das können wir heute noch nicht sagen.

www.pochen.eu

Foto: Fabian Thüroff

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