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Musik, die leuchtet

Scorefab und die digitalen Noten

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Scorefab und die digitalen Noten

Ja, so ein Buch ist wunderschön und riecht gut und macht sich toll im Regal. Wem aber schonmal beim Lesen im Bett so ein Tausendseiter ins Gesicht gefallen ist, der weiß auch, dass so ein gutes altes Printprodukt verdammt unpraktisch sein kann. Das gilt auch für gedruckte Musiknoten. Im Profibetrieb werden sie als überformatige Wälzer bei Verlagen geliehen und an die Musiker verteilt. Arrangements und Notizen müssen von Hand vorgenommen werden und Bearbeitungen sind schwierig. Deshalb hat sich das Chemnitzer Startup Scorefab das Ziel gesetzt, Musiknotationen ins digitale Zeitalter zu befördern. Was der Kindle für die Buchwelt ist, könnte Scorefab also bald für die Musikerwelt sein.

Dahinter stehen der Chemnitzer Musiker und Informatiker Ulrich Halfter (Foto links) sowie die Leipziger Kommunikationswissenschaftlerin Josephin Hartmann. Mit Scorefab (ursprünglich mal ePartitur) wollen die SAB-Stipendiaten die Noten der Zukunft in einer App verfügbar machen, samt angeschlossenem Store. So soll der Nutzer über Filter seine Musik nach Schwierigkeitsgrad, Instrument oder auch Stimmung finden können. Einmal auf dem Handy oder Tablet, werden Bearbeitungsfunktionen wie das Transponieren oder auch die Möglichkeit, Notizen hinzuzufügen zur Verfügung stehen. Darin ist Scorefab anders als etwa als Pdf versandten Noten, die nicht responsiv auf Screens verschiedener Größe oder im Zoom angezeigt oder sogar verändert werden können.

Parallel zur Scorefab-App wird am Schreibtisch nebenan ein formschönes Holzpedal auf den Weg gebracht, dass drahtlos mit einem Fußtipp die Seiten der angezeigten Noten umblättern kann. Der EdWood getaufte Taster steht vor der Serienreife und wird aktuell vom Zschopauer Musiker und Musiklehrer Lukas Heinig (Foto rechts) ausgiebig getestet. Für den physischen Teil der Kooperation will er die Hersteller nicht nur in der Region finden, sondern das Pedal soweit möglich auch aus nachhaltigen Materialien fertigen lassen. So werden Naturkautschuk, Holz und kompostierbares Filament verwendet.

Zur Zeit befindet sich Scorefab im Gespräch mit Musikverlagen, die den Store füllen sollen, sowie Investoren, die den Start des Startups befeuern. Auch mit Musikern wird natürlich über Wünsche und Einsatzmöglichkeiten gesprochen - die Chemnitzer Philharmoniker haben schon Interesse an einem Testprojekt geäußert. Vielleicht wird der Orchestergraben im Opernhaus ja bald vom Licht der LED-Partituren erleuchtet.

Text & Foto: Michael Chlebusch

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