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Szymmi blickt aufs Jetzt mit Klaus Hirsch

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Szymmi schaut aufs Jetzt mit Klaus Hirsch

Seit wann engagiert sich das Spinnwerk auf dem ehemaligen Gelände der VEB Spinnereimaschinenbau?
In den Nuller-Jahren wurden Teile des Geländes, das „Herzstück“ des Spinnereimaschinenbaus, von unserem Voreigentümer, der Technologiepark-Süd GmbH gekauft. Dieses Unternehmen ist die Strategie gefahren, fast nichts zu investieren. Dementsprechend haben sie auch eine sehr niederschwellige Vermietung organisiert. So wurde im Prinzip fast 10 Jahre nichts in die Gebäude oder das Gelände investiert. Man hat es „auf Verschleiß“ gefahren. 2013 haben wir dann den Spinnereimaschinenbau übernommen.

Was war das Motiv und der Anspruch sich auf dieser industriellen Brachfläche einzubringen?
Wir sind ein Unternehmen und wir müssen natürlich schauen, dass wir unseren Anteilseignern auch eine gewisse Rendite erbringen. Aber wir sind von Haus aus auch sehr interessiert daran, diese alten Industrieareale wieder zum Leben zu erwecken. Es hat uns sehr gereizt eine Immobile in dieser Größe wieder anzufassen, zu revitalisieren, zu sanieren und wirtschaftlich wieder auf gesunde Beine zu stellen. Es ist für jeden auch heute noch leicht erkennbar, dass die Gebäude hier sehr herunter gewirtschaftet sind und hohe Investitionen notwendig sind, um langfristig eine Nutzung sicherzustellen.

Auf welche Art wollen Sie Vorhaben in die Tat umsetzen?
Wir wollen den Gebäudestand erhalten. Das ist die ganz klare Prämisse bei uns. Außer natürlich einzelne, kleinere, abrissreife Nebengebäude. Die bestehende Mieterstruktur bleibt erhalten. Wir werden es dennoch nicht vermeiden können, einige Mieten anzupassen.

Wir wollen Leerstand beheben und zusätzliche Gewerbeflächen für Chemnitzer Gewerbetreibende schaffen, aber auch für Kulturtreibende. Da sind wir für alles offen. Wir haben Flächen, die für jegliche Nutzung geeignet sind, von Büros über  Ateliers und Gastronomie bis zu Lagerzwecken und Flächen für Freizeitnutzung.

Wie gestaltet sich die derzeitige Auslastung. Gibt es einen höheren Prozentsatz gewerblicher oder kultureller Nutzung?
Derzeit beträgt die Auslastung ca. 40 %. Viele Flächen sind dabei multifunktional nutzbar. Aber wenn Sie es unterscheiden wollen, dann ist der Anteil kultureller Nutzung natürlich geringer als der der gewerblichen Nutzung. Aber es bilden sich ja so Charakteristika einzelner Gebäude heraus. Unser Gebäude 1 an der Straße wurde Ende der 50er, Anfang der 60er Jahre gebaut, ein 6-geschossiger Gewerberiegel, ca. 100 m lang. Dort befindet sich die Boulderlounge, das Lasergame, das Fitness Studio „Teuflisch Fit“ und unser alter Speisesaal (Bestuhlungsfläche 1000m/2), der derzeit nur provisorisch genutzt wird, für den wir aber eine langfristige Nutzung suchen. Hier könnte z.B. Kleinkunst, Theater, Gastronomie oder eine Konferenznutzung, da soll ja noch Bedarf vorhanden sein, entstehen. Dafür bräuchte man einen Betreiber.

Ist Ihr Engagement nur ein Engagement auf Zeit?
Nein, wir sind, wie gesagt, angetreten um dieses Objekt auch wirtschaftlich auf „Vordermann“ zu bringen. Das machen wir auch. Wir haben im letzten Jahr unser Gebäude 7 saniert und eine Solaranlage dort installiert, Lastenaufzüge werden komplett überarbeitet und natürlich müssen auch technische Voraussetzungen geschaffen werden, damit die Nutzung sicherer wird, wie z.B. Brandmeldeanlagen. Diesen Weg wollen wir schrittweise weitergehen. Mir ist es dabei auch wichtig, dass man den Charakter der jeweiligen Gebäude erhält. Es ist ein Abwägen zwischen Denkmalschutz und der geplanten Nutzung. Sie können aber nichts erhalten, wenn es keine Nutzung gibt. Wenn ein Gebäude leer steht, verfällt es. Die Spinnereimaschinenproduktion ist Geschichte und jetzt muss man versuchen, entsprechende andere sensible Wege der Nutzung zu finden, die langfristig wirtschaftlich tragfähig sind und dennoch den Charakter der Räumlichkeiten erhalten.

Interview: Rene Szymanski Foto: Spinnwerk


Ecken und Enden: Der schlafende Riese
In zehn (oder mehr) aufeinander folgenden Ausgaben wollen wir 100 Geschichten über Chemnitz erzählen. Dabei richten wir unseren Blick auf Mikroareale, und zwar von den Orten aus, die das 371 sowieso fokussiert: den Orten der Kultur und der Zerstreuung. Teil Fünf: Das Gelände der ehemaligen Spinnereimaschinenfabrik.

Lisa zwischen den Büchern
Der eine schätzt die Freiheiten und den Charme der Brache, der andere erinnert sich gern an schöne Zeiten der Chemnitzer Industriekultur: Timo Stocker und Rainer Schulze sind beide schon lange Zeit mit dem Spinnereimaschinenbau verbunden.

Beate und ein Wandgemälde aus ferner Zeit
Wer einen Nachmittag in der Boulderhalle auf der Altchemnitzer Straße verbringen möchte, schlendert auf dem Weg dorthin unverhofft an einem Wandbild von Will Schestak aus dem Jahr 1959 vorbei. Direkt am Treppenaufgang zum ehemaligen Speisesaal des VEB Spinnereimaschinenbaus prangt groß, in mittlerweile blassen Farben, ein Prachtstück schönster DDR-Auftragskunst.

Zwei Literaten zu Gast in Chemnitz
Für die Arbeit an einem Literaturmagazin* sind wir aus Frankfurt a.M. nach Chemnitz gekommen. Wir wollen Eindrücke sammeln von Spuren eines vergangenen Systems und dem Übergang in die alternativlose Welt des Spätkapitalismus.

Szymmi blickt zurück mit Harald Szymanski
Wie es wirklich war, damals in der Spinnereimaschinenfabrik zu arbeiten und was passierte, wenn es Ketchup im Betriebkonsum gab, hat Szymmi bei Harald Szymanski erfragt.

Michael und das Treffen der Riesen
Sollte man schlafende Riesen wecken? Unbedingt, meint zumindest ein EU-Projekt, innerhalb dessen sich auch das Gelände des Spinnereimaschinenbaus in die Phase des traumbelebten REM-Schlafs begeben soll.

Jan und die Welt der Arbeit
1839 wurde die „Sächsische Maschinenfabrik“ an der Altchemnitzer Straße gegründet. Nach erfolgreichen Jahren als Produzent von Lokomotiven, Werkzeug- und Spinnereimaschinen schlitterte das Unternehmen nach dem 1.Weltkrieg in eine peinliche Pleite. Die stolze Maschinenfabrik wurde zerschlagen.

Nina kennt keine Gnade
Die Lasertag-Halle im Spinnereimaschinenbau ist beeindruckend groß und verwinkelt. Es ist dunkel und die Wände sind mit Neonstreifen beklebt. Das Schwarzlicht erhellt alles in einem eigenartigen Licht.

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