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Vier von hier

Vier Chemnitzer Bands releasen neue Alben

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Suralin haben auch ein neues Album gemacht

Das muss ein kalter Winter gewesen sein. Anders kann man sich kaum erklären, dass mit der Maisonne plötzlich vier Chemnitzer Bands blinzelnd aus den Proberäumen treten, um ihre frisch aufgenommenen Tonträger – drei davon Debütplatten – ins Freie zu entlassen. Sie alle haben das Zeug dazu, in der lokalen Musiklandschaft rasch heimisch zu werden und sich von dort weit über die Stadtgrenzen zu verbreiten.

Orvo „EP-01“

Letzte Ausfahrt Erstveröffentlichung. So haben sich die Jungs von Orvo das gedacht, als sie noch Bears 'n Hats hießen und das vielleicht ein bisschen nach Schülerband klang. Und damit sich der alte Name nicht auf CD-Covern oder bei Youtube einbrennt, nennen sie sich jetzt kurzum Orvo und veröffentlichen am 12. Mai zum Record Release im Atomino ihre erste Platte unter dem minimalistischen Titel "EP-01". Minimalistisch kommt der Sound darauf aber gar nicht daher. Der pendelt zwischen Classic Rock, Indie und Americana. Beherrscht das Lautwerden mit Druck beim Titel „Neu Eins“ genauso gut wie das wehmütige in die Landschaft Starren im Track „Alpha“. Da scheinen hier und da ein bisschen Kaiser Chiefs oder Bloc Party durch und nie klingt das Ganze nach einer Schülerband, sondern stets nach Orvo. Kann man sich schonmal dran gewöhnen. Die CD gibt‘s beim lokalen Plattendealer oder via Bandcamp.

Kalthauser „Nebel und Rauch“

Mit nur gut einem Jahr zusammen auf der Bühne steht Kalthauser schon ziemlich sicher auf eigenen Beinen. Irgendwo zwischen Tocotronic und Tomte mit einer Scheibe Goldener Zitrone produzieren die sechs Jungs von Kalthauser mehr als Hamburger Schule mit Reverb. Die Mischung aus Synths und verwinkelten deutschen Texten wirkt, als hätte man Elektropop auf links gedreht, die Gefälligkeit rausgeschüttelt, um ein einprägsames Stück Musik daraus zu nähen. Das Debüt „Nebel und Rauch“ macht seinem Namen dabei alle Ehre. Der dichte Sound muss durchaus mehrmals durchtastet werden, um jedes Stück zu erkunden. Ab dem 12. Mai sind Album und das dann schon zweite Video digital verfügbar, auf dem Konzert am 26. Mai (mit Captain Cappa im Atomino) gibt es auch die gute alte CD zu kaufen. Eine Tour ist im Herbst geplant.

Caspian Sea Monster „Caspian Sea Monster“

Mann muss sich die Chemnitzer Musikszene wie das Universum kurz nach dem Urknall vorstellen. Da bündelt sich Materie hier und da zu einer Band und dann wirbelt ein kosmischer Wind alles durcheinander und schon gibt es wieder neue Formationen und eine davon ist dann Caspian Sea Monster. Als Nebenprojekt einiger Musiker der Bands Playfellow, Might Sink Ships und Calaveras hat die Kombo sich fünf Jahre Zeit gelassen, um ihr erstes Album ans Firmament zu pinnen. Und das hat mächtige Anziehungskraft. Mit schwerem Post-Rock und kraftvoll, klagendem Gesang spielt sich das Album eher in den Bauch als in die Füße seiner Hörer. Caspian Sea Monster bleibt dabei angenehm sperrig und versteckt in den Falten seiner Klangteppichen den ein oder anderen Bruch. Am 5. Mai in der Pre-Releaseparty im Atomino, ab 19. Mai als CD, LP und Download.

Suralin „Simple Present“ (die vier Jungs von Suralin sieht man auch auf dem Bild)

Mit der inzwischen vierten Veröffentlichung hat sich an den musikalischen Grundzutaten bei Suralin nichts geändert. Auch auf „Simple Present“ findet sich vorwärtsdrängender Indie-Post-Rock, mit einem Schuss Wave im Gesang und Punk in der Gitarre. Wenn man das gut schüttelt und sich in die Ohren kippt, ruft „Simple Present“ das angenehm stromlinienförmige Gefühl eines 80er-Jahre-Arcade-Racers hervor: immer gerade aus, kaum abbremsen in den Kurven. Besonders gut klappt das beim Song „Conspiracy“, dessen schiebende Bassspur direkt in den rechten Fuß geht. Aus dem Flow wird nur gerissen, wer eine der limitierten Vinylscheiben erworben hat und die nach drei Tracks immer wieder mal umdrehen muss. Kaufen kann man die zur Record Release Party am 24. Mai im Atomino.

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