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Vom toten Pferd

Scheitern als Chance

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Nicht immer wird aus einem Startup auch ein Unternehmen, doch auch über gescheiterte Ideen zu reden, kann durchaus spannend sein.
 
In der Oktoberausgabe 2017 stellten wir das Startup Scorefab vor. Das Team hatte sich vorgenommen, den Markt für Musiknoten zu revolutionieren: mit einem digitalen Store, einer innovativen Anzeige und Bearbeitung von Noten sowie einem kabellosen Fußpedal zum Blättern auf dem Screen. Doch Scorefab gibt’s nicht mehr. Mitgründer Ulrich Halfter spricht über die Gründe.

Seid ihr mit Scorfab angetreten, um ein Geschäft daraus zu machen?
Es war schon als Existenzgründung geplant. Das Projekt kam direkt aus der Praxis und ist aus dem Musikschulunterricht entstanden. Wir hatten 2016 ein Exist-Stipendium, davor hatten wir ein, zwei Jahre an der Ideenskizze gearbeitet. Bis Anfang 2018 hatten wir ein TGS-Stipendium der SAB. Dann war das Geld alle und das Team weg und ich hab gedacht, jetzt wird's schwierig.

Das ging ja schnell.
Das ging sehr schnell.

Wie weit wart ihr?
Das Produkt bestand aus drei Teilen. Das Pedal, die Anzeigesoftware mit Store und der Content aus den Verlagen. Das Pedal war serienreif, da ging es daran, Produzenten auszuwählen. Die Software war ein Prototyp und mit den Verlagen haben wir die ersten ernsthaften Gespräche geführt, bei denen es um Vertragsbedingungen ging.

Das Produkt war also da.
Um das Produkt wirklich rund zu machen und Inhalte bereit zu stellen hätten wir aufgrund der Größe eine weitere Finanzierung gebraucht. Vor allem auch für das Marketing, um genügend Nutzer zu erreichen, was wiederum attraktiver für die Verlage wird.

Was hat gefehlt?
Die Rückmeldung von Publikum und Verlagen - wir hatten zum Beispiel im letzten Jahr auf der Buchmesse einen Stand - waren immer positiv. An der Idee lag es nicht. Die Motivation war aber schon vor Ende der Stipendien bei manchen im Team weg. Sie hatten sich teils schon eher überlegt, zu gehen oder gesagt, wenn es läuft, bin ich dabei, was vielleicht nicht die Einstellung ist, mit der man an ein Startup rangehen kann.

Dabei war doch das Stipendium ein guter Start.
Das Stipendium hat Vor- und Nachteile. Man hat eine solide Basis, was ja gerade für Forscher ein wichtiger Anreiz ist, in die Praxis zu gehen. Aber der Nachteil ist, dass man keine kleinen Schritte macht. Während man selbstfinanziert schon zeitig verkaufen muss, verwässert das abgesicherte Entwickeln etwas den Fokus. Allein, weil man schon für den Antrag viel Innovation aufs Papier bringen muss. Das Stipendium kann auch ein Angestelltengefühl vermitteln. Man denkt, solang das Stipendium läuft, bleib ich erstmal dran, aber bei einem Startup ist eigentlich klar ja oder nein gefragt.

Was passiert mit dem bisherigen Ergebnis?
Nix. Man könnte es Open Source machen, aber das wäre mit der ganzen Aufbereitung und Dokumentation nochmal ein großer Aufwand. Man hat da sehr viel reingesteckt und irgendwann ist der Punkt erreicht, wo es zwar schade drum ist, aber auch gut, einen Schlussstrich zu ziehen.
Wir sind ja nicht dümmer geworden. Wir hatten auch viel Spaß am Projekt und haben viel gelernt, aber wenn das Pferd dann tot ist, muss man auch absteigen.

Was machst du jetzt?
Ich bin jetzt in einem anderen Chemnitzer Softwarestartup angestellt - ComCrypto. Momentan habe ich noch nicht wieder die Muße für ein eigenes Geschäft, aber ich würde es nicht ausschließen.

Interview & Foto: Michael Chlebusch


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