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Bier-Boom

Wie das Marx-Bier eine Lücke schließen konnte

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Wie das Marx-Bier eine Lücke schließen konnte

Sogar der Bier-Kutscher, einst legendäres Braustolz-Maskottchen, ist ein Marxstädter geworden.

Die Schließung der Braustolz-Brauerei war eine Rückschlag für die hiesige Bier-Kultur. Doch nun, knapp zwei Jahre später, zeigt sich, dass die vermeintliche Lücke im Kasten gut geschlossen werden konnte.
 
Das als Kulturgut verehrte deutsche Reinheitsgebot regelt, was in die Flasche kommt, damit am Ende noch "Bier" draufstehen darf: Hopfen, Malz, Hefe und Wasser. Es gibt aber noch eine fünfte Zutat, die im Abgang am Gaumen kitzelt: die Heimeligkeit. Und dass die keine unwichtige ist, hat sich nach dem Wegzug der Braustolz-Brauerei gezeigt. Schon 2013 wurde ein Teil der Herstellung in die Sternquell-Fabrik nach Plauen verlagert. Im Juli 2017 zog der Mutterkonzern Kulmbacher am Braustolz-Standort Chemnitz endgültig den Stecker. Was bis dahin noch irgendwie als lokale Marke durchging, trug nun den schalen Beigeschmack des beliebigen Konzernbiers.

Aber wie Kai aus der Kiste stand plötzlich eine neue Marke auf der Chemnitzer Bierkarte: das MARX Städter. Ein Pils, das streng genommen als Auftragsarbeit in Einsiedel gebraut aber von Chemnitz aus erdacht und vertrieben wird. Kaum ein Jahr später findet man es in zahlreichen Chemnitzer Kneipen und Geschäften. Vom Erfolg sind auch die Macher ein wenig überrascht. „Es war erstaunlich, dass auch Gastronomien, die vorher gar kein Braustolz ausgeschenkt haben, jetzt MARX Städter anbieten“, erklärt der Marx-Städter René Schwabe. Mit den ersten elf Monaten zeigt er sich sehr zufrieden. Es ging schneller als gedacht und Listungen bei Rewe, Edeka, Fristo  oder im Simmel Getränkehandel seien teils sogar auf Initiative der Marktbetreiber zustande gekommen, bei denen Kunden nach dem Bier gefragt haben.

Eigentlich sei Chemnitz und das Umland der Hauptabsatzmarkt, aber da es auch viele Anfragen aus Leipzig gab, habe man dort inzwischen auch einen Markt als Anlaufpunkt, der MARX Städter verkauft. Zudem soll es bald einen Onlinehandel geben, in dem Exilchemnitzer und Marx-Fans ihr Pils bestellen können. Auch der Bierkutscher der Braustolz-Brauerei fand bei MARX eine neue Anstellung, allerdings fährt er das Bier hier meist mit dem Lieferwagen und nur noch zu Promoveranstaltungen mit der Kutsche aus. Für das Frühjahr kündigt MARX ein neues Produkt an.

Auch etablierte Brauer konnten von der Heimatverbundenheit der Chemnitzer Biertrinker profitieren. Auf die Frage, ob sich mit dem Weggang von Braustolz etwas geändert habe, sagt Reichenbrander-Braumeister Michael Bergt: „Das merkt man, wir haben gut zu tun.“ Der Absatz bei Festen, Gastro und Endkunden sei gestiegen. Gründe dafür vermutet er aber auch in den beiden Preisträgerbieren Red Ale und Heller Bock, die 2017 bei den World Beer Awards als Germany Winner und Germany Gold ausgezeichnet wurden. Der Craft-Trend helfe da auch, weil er dem Image solcher Biere gut tut, die sich abseits des Preiskampfs der Einheitsbiere bewegen. Es sei schön, wenn man sieht, was man aus vier Rohstoffen rausholen kann, da staune Michael Bergt auch als Braumeister immer wieder.

Text: Michael Chlebusch Foto: Facebook/marx.chemnitzerbier

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