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Es braucht Symbole

Zur aktuellen Situation für Gründer und Startups in Sachsen

Zur aktuellen Situation für Gründer und Startups in Sachsen

Chemnitz wird gern eine solide Wirtschaftslage bescheinigt. Gut steht sie da, die alte Tante Industriestadt. Aber was ist mit den jungen Wilden? Den Chefs von morgen, den Technologieinnovatoren, den Zuckerbergs und Musks (das ist der Typ von Tesla)? Zur aktuellen Situation für Startups in Sachsen legte nun die Juniorprofessur Entrepreneurship in Gründung und Nachfolge der TU Chemnitz eine Studie vor.

Während Sachsen insgesamt, bundesweit im guten Mittel zu finden ist, ergibt die stadtbezogene Analyse, dass in Chemnitz durchaus noch Luft nach oben ist. Zwar zeigte sich, dass die Stadt bei der Politik und der Unterstützung angehender Gründer im sächsischen Vergleich gut abschneidet. Doch beim Blick auf die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen gebe es Verbesserungspotential. Michael Chlebusch fragte bei Junior-Professor Dr. Mario Geißler nach, was das heißt.

Herr Geißler, warum sollte man denn ein Unternehmen gründen?
Weil Gründungen gut für die wirtschaftliche Entwicklung sind, dass sie die Arbeitsplätze von morgen schaffen und auf der anderen Seite Menschen auch glücklich machen können, wenn sie sich dabei verwirklichen. Ich beschäftige mich ja forschungsseitig mit der Motivation zur Gründung. Ich will die Leute am Ende aber nicht überzeugen, sondern dass sie sich fragen: Ist das was für mich?

Wo steht denn Chemnitz in Sachen Startup?
Ich komme aus Chemnitz und da gibt es Punkte, wo ich mich frage, warum ist das so? Wenn man sich beispielsweise Crowdfundingprojekte anschaut, dann haben wir in Berlin in den letzten sechs Jahren 2300 Projekte, in Dresden immerhin 270 und in Leipzig 507. Und in Chemnitz waren es 28. Das steht in keinem Verhältnis zur Einwohnerzahl oder Altersstruktur.

Wie kann man der Szene da unter die Arme greifen?
Das herauszufinden treibt uns an. Was müssen, was können wir da verändern? Das ist Politik und Wirtschaftsförderung. Aber ich denke auch, dass man zunächst einmal in einem Netzwerk verbinden muss, was es schon gibt. Und man kann die Szene mehr ins Bewusstsein rücken. Es braucht Symbole, es braucht Beispiele. Da wo in Chemnitz Publikumsverkehr ist, passiert relativ wenig. Das TCC, das Business Village, die Kabinettstückchen sind alle außerhalb der Innenstadt. Vielleicht fehlt es daran, zu zeigen: Hier geht was.

Gibt es konkrete Ideen, wie dieses Bewusstsein geschaffen werden kann?
Kennenlernen und untereinander kennenlernen. Gutes Beispiel ist das Kreative Chemnitz, die es geschafft haben, eine Szene zu verbinden. Das kann man nur mit Kontinuität schaffen, regelmäßigen Angeboten und Veranstaltungen bei denen man sich trifft. Das ist ein Ansatz, den ich mit Freunden, Bekannten und Saxeed verfolge. Als nächstes am 8. März mit Frank Theeg, der viele Einblicke in die Startupwelt vermitteln kann. Wir wollen Mut machen und gleichzeitig zeigen, wie es geht.

Zur Maker Faire wird es im April auch wieder ein Startup-Weekend geben?
Da geht es darum, Leute die sich grundlegend dafür interessieren und Leute, die eine Idee haben zu mischen und in 50 Stunden etwas voranzubringen. Ich kenne Ingenieure, die ein perfektes Produkt entwickeln, aber das Marketing und den Kunden vergessen. Startup ist aber die Kombination daraus. Das wollen wir mitgeben. Ich muss nicht die Idee haben, aber Bock auf was neues. Dann kann man sich im Team zusammenfinden.

Dann ist bei so einem Team ja eine der drängendsten Fragen oft die nach dem Geld.
Fragt man die Gründer, wünscht sich jeder zehnte mehr Zugang zu Risikokapital. Wir haben in Sachsen teils öffentliche Risikokapitalgeber, wie den Technologiegründerfonds Sachsen, die sind sehr engagiert. Aber Herausforderungen für Chemnitz gibt es wenn es darum geht, private Personen zu finden, die mit Geld und Know How zur Verfügung stehen. Die gibt es hier, aber man weiß nicht, wo man hingehen soll, um sie kennenzulernen.

Was hat denn so ein gestandener Unternehmer für eine Motivation den Neuen zu helfen?
Zum einen ist es, was zurückzugeben. Da merke ich ganz oft, dass das die Leute motiviert, wenn ich sie beispielsweise zu Vorlesungen einlade. Andererseits eröffnet ihnen der Kontakt dann auch oft selbst neue Sichtweisen.

Wo kann ich denn einen ersten Einblick in die Chemnitzer Gründerszene bekommen?
Mit dem gerade entstehenden Portal gruendeninchemnitz.de wollen wir Veranstaltungen ankündigen, Erfolgsgeschichten zeigen und die Möglichkeit geben, dass man mal, etwa bei Praktika, in Startups reinschnuppern kann. Da hat Chemnitz auch eine Chance, weil es sehr kompakt ist.

Ein Satz für alle, die jetzt noch zögern, ihre Idee umzusetzen?
Es ist nicht schlimm zu scheitern. Je eher ich merke, dass ich eine andere Idee verfolgen sollte, desto besser. Wirtschaftsstatistiken zeigen sogar, dass es mit einem innovativen Start-up unwahrscheinlicher ist zu scheitern als mit einem etablierten Konzept an den Markt zu gehen.

Vielen Dank für das Gespräch.

Text: Michael Chlebusch
Foto: shutterstock.com / Rawpixel.com

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