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Alan macht einen SPD-Witz

Basketball und Marxismus sind zwei Dinge, die mich nicht wirklich mitreißen. Unzweifelhaft hat beides seinen Reiz und ich achte jeden Fan davon. Was ich aber verachte sind schlechte Witze.

Als ein solcher kommt mir das neue Maskottchen vom Chemnitzer Basketballverein BV99, allgemein fluffig als Niners bezeichnet, vor. Seit Anfang Dezember steht dort Karli auf dem Spielterrain, ein menschgefüllter Anheizer mit Marx-Kopf-Kopf. Da dieses Marx-Monument-Maskottchen aber eben auch Arme, Beine und Bauch hat, ist es  – na? – Karl Marx. Der Philosoph und Kapitalismuskritiker klatscht also nun für die Korbjäger ein, kuschelt mit Fans und turtelt mit den Cheerleadern.  

Die Skala der Banalitäten rund um das monströse Kerbel-Kunstwerk im Chemnitzer Stadtzentrum ist wahrlich nach unten offen. USB-Sticks, Pralinen, Rockkonzerte – für alles muss der Nischel herhalten. Aber ok, große Kunst ist es vielleicht wirklich nicht und als Wahrzeichen der Stadt hat er sich seinen Erhalt bitter erkämpft. Aber der Granit-Klumpen weist doch darüber hinaus. Das Karl-Marx-Monument ist ein Medium des kollektiven Gedächtnisses. 1971 eingeweiht war ihm seine erinnerungspolitische Wirkung schon von den Auftraggebern eingeschrieben. Die Größe und Überlegenheit des Marxismus sollte die über sieben Meter hohe Kopfplastik darstellen. Im Laufe der Jahre wandelte sich der Verweiskontext des Monuments aber durch verschiedene sozialsystemische Einflüsse.

Der Rückgriff auf die marxistische also antikapitalistische Philosophie durch das Monument zum einem, dessen Banalisierung als Stadtmarkting-Symbol zum anderen machen zweifellos einen Reiz des Monuments aus. Wahrscheinlich sollte man deshalb in unserer durchironisierten Zeit tatsächlich auf Ehrfurcht pfeifen und mit dem Marx-Monstrum machen was man will. Aber es gibt doch eine Grenze - nämlich die des schlechten Geschmacks. Für mich hat Karl Marx als Basketball-Einklatscher  das Niveau eines Pups-Witzes. Kann man machen, ist aber Scheiße.

Richtigstellung: In der ursprünglichen Version dieses Textes hieß es, Detlef Müller sei Chefboss der Niners. Das ist falsch. Der SPD-Bundestagsabgeordnete machte uns darauf aufmerksam, dass er seit Juli 2014 nicht mehr Präsident des Basketball-Vereins ist. 

Text: Alan Wish Foto: Maik Irmscher


Von Ecken und Enden: An steilen Hängen
Im Spätherbst und Winter krächzen hier tausende Saatkrähen in den Baumwipfeln. Unter deren wachsamen Augen blickten wir uns an der Kaßbergauffahrt um und fanden Geschichten vom KGB, von rätselhaften Verbrechen, hässlichen Maskottchen, einer gehemnisvollen Treppe und einiges mehr.

Nina und das Verbrechen
Zwei Männer in Handschellen werden in den Gerichtssaal geführt, während sich die Anwältin vom Staatsanwalt noch fix eine Verteilerdose für ihren Laptop geben lässt. Das hier ist ganz anders als im Fernsehen.

Michael geht Untertage
In einem Loch im Boden, da lebte ein Hobbit. Die besten Geschichten fangen ja mit Löchern im Boden an. So auch die Geschichte um den Chemnitzer Kaßberg.

Jan bleibt hart
Wer, außer Björn Höcke vielleicht, braucht denn heutzutage einen Volksfestplatz? Jan sieht auf dem einstigen Hartmann-Werksgelände schon die Autos der Zukunft produziert.

Lars outet eine Treppe
Eine Treppe im Wald. Fast provisorisch scheint sie in den Hang geschlagen. Doch sie erzählt auch eine Geschichte über die Liebe in Zeiten des Sozialismus.

Johannes tauscht
Tauschkreise sind keine neues Phänomen. In Chemnitz ist die neuzeitliche Variante seit über 20 Jahren vereinsmäßig organisiert - und doch droht sie gerade jetzt zu scheitern.

Szymmi schleicht vorbei
Seltsame Tiere, diese Krähen. Sitzen sie dann noch zu tausenden in den Bäumen an den Hängen des Kaßbergs, wird der Gang in die Stadt oder von der Stadt hinauf eine prickelnde Reise durch Mythos und Wissenschaft.

Veronica und der KGB
Dass rund um die Kaßbergauffahrt einst die Stasi residierte, ist weitgehend bekannt. Dass aber auch der KGB hier bis 1990 an den Fäden zog, gerät langsam in Vergessenheit. Veronica hat gerade deshalb nachgeforscht.

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