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Beate und das schönste Glück

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Der Falkeplatz, auch heute noch einer der verkehrsreichsten Plätze von Chemnitz, erhielt seinen Namen 1907. Geehrt wurde Carl Bruno Falke, ein Strumpf- und Handschuhfabrikant, der sein gesamtes Vermögen der Stadt vermachte, eine beträchtliche Summe.

Das Stadtarchiv bewahrt Dokumente, Zeitungen und Schriftstücke aller Art, Bild- und Tonträger auf, die für die Rekonstruktion und Bewahrung der Stadtgeschichte erforderlich sind, es ist der Ort des Gedächtnisses unserer Stadt. Mit einem der ältesten überlieferten literarischen Großtexte der Welt, dem Gilgamesch-Epos, das über Urerfahrungen der Menschheit erzählt, beschäftigte sich ab 1942/43 auch der Künstler Willi Baumeister für eine lange Zeit. Diese Urerfahrungen sind nach Baumeister noch geprägt von Unerklärlichem und Geheimnisvollem und nicht von einer Dominanz des Rationalen. Er ist mit mehreren Werken im Museum Gunzenhauser vertreten. Feuerwehr und Rettungsstelle sind auf ganz praktische Weise dem Dienst am Menschen verpflichtet, der täglichen Aufgabe, Leben zu retten. Otto Dix, dessen Konvolut im Gunzenhauser eines der weltweit größten ist, beschäftigte sich häufig mit Fragen um Leben und Tod. Das Motiv des Heiligen Christophorus griff er sinnbildlich gleich mehrfach auf. Er malte sich immer wieder Mut zu, in der Hoffnung, den Nationalsozialismus unbeschadet, das heißt, ohne sich schuldig zu machen, zu überstehen. Der Heilige Christophorus gilt nicht nur als Patron für christliches Tagwerk, als Beschützer der Reisenden und als Retter in Wassernot, in vielen Gegenden ist er auch als Nothelfer zum Schutz gegen Hagel und Feuer bekannt. Auch die kulinarischen Orte, z. B. der „Delhi Palast“ oder das Wirtshaus „Zum Faß“, finden im Museum ein bildliches Gegenüber. Für Alexej von Jawlensky, Gabriele Münter oder Paula Modersohn-Becker waren das Stillleben mit Früchten und gedeckte Tische beliebte Sujets. Mit ungemischten Farben, direkt aus dem Farbkreis, wird der Saft und die Süße von Früchten, die Schönheit von Tassen, Kannen, Tellern und Vasen aufgewogen. Ich weiß, die Kunst kann einem nicht wirklich das Leben retten oder einen satt machen, aber sie kann zu einem guten Leben beitragen, so wie die große Dichterin Sappho es ausdrückte: „Die Kunst ist der dunklen Erde schönstes Glück“.

Text: Beate Düber Foto: Maik Irmscher


Ecken und Enden: An der Steinernen
In zehn (oder mehr) aufeinander folgenden Ausgaben wollen wir 100 Geschichten über Chemnitz erzählen.

Nina und der Sog der Chemnitz
Den Sommer habe ich in meiner Heimatstadt verbracht. Wer braucht schon die Cote d´Azur, wenn er den steinernen Bach, die Chemnitz, haben kann? Ich packe also meinen Picknickkorb und lasse mich an einem lauschigen Plätzchen an der Böschung nieder.

Michael und die Folianten
Tief unter der Stadt in geheimen Katakomben muss es liegen. Denkt man ja eigentlich, wenn man sich so ein Stadtarchiv vorstellt. Stimmt aber nicht ganz.

Johannes legt Feuer
Es ist keine Neuigkeit, dass für 371-Geschichten des Öfteren der Pfad der Legalität verlassen wird, um den Unterhaltungsgrad der Artikel zu steigern.

Szymmi und der Palast auf dem Hügel
Das Hochhaus mit der Nummer 10 an der Zwickauer Straße ist bei weitem keine Schönheit. Einsam und schroff steht es gegenüber dem Museum Gunzenhauser und seinem schlichten Bauhausstil.

Jan und die Spuren der Zeit
Der Falkeplatz, zu DDR-Zeiten Fritz-Heckert-Platz, befindet sich im Herzen unserer Stadt. Hier wohnte in einem gewaltigen Plattenbau das schönste Antlitz des Sozialismus, Katarina Witt.

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