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Johanna erlebt eine Busfahrt durch Stadt und Rand

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In das Naherholungs-Mekka Rabenstein kann man mit dem Auto fahren, das ist bequem und geht schnell. Man kann zu Fuß gehen, das ist sportlich und heißt wandern. Oder man nimmt den Bus – das ist eine echte CVAG-Odyssee. Viele Wege führen nach Rabenstein, aber wir steigen natürlich an der Zenti ein.

Die Hinfahrt: Die Linie 32 verbindet die Dresdner Straße mit Rabenstein, und an der Zenti besteigt man sie dort, wo wochentäglich frisches Gemüse und die Morgenpost verkauft werden. Man umkurvt kunstvoll die Stadt: Vorbei am Rosenhof über die Innere Klosterstraße, Richtung Hartmannplatz und Schlossteichpark. Doch bald schrammt man rauere Gegenden der Stadt – genauer gesagt, die Limbacher Straße, den Fußabtreter des Kaßberges. Früher wohnte hier Beate Zschäpe, heute ist die Straße vor allem ein Prachtboulevard der Supermärkte. Die 32 holpert hier über gefährliches Pflaster, das jedoch bald ins Dörfliche verschwimmt wie ein expressionistisches Aquarell: Rottluff, der Ortsteil, der auch ein Maler ist. Aus der urbanen Vorhölle wird hier ländliche Idylle, die Limbacher Straße hat ein freundliches und ein mürrisches, gar aggressives Gesicht. Ganz ähnlich ist es übrigens auch mit den Fahrgästen, die sich stark lichten je weiter sich der Bus Rabenstein nähert.

Vorbei an Apfelbäumen, Fachwerkhäusern, verlassenen Vierseithöfen und über die Autobahn schwebt der Bus, passiert die Felsendome. Wenig später wird man vorm Rabenstein-Center von den schwer-ächzenden Türen ausgespuckt. Dort steht man dann wie Odysseus bei den Sirenen, angelockt vom schrill-singenden Versprechen des Konsums, doch das Rabenstein-Center ist kein Ort zum Verloren- sondern einer zum Weitergehen. Das muss man dann auch – und zwar zu Fuß, weil einem vom Busgekurve ganz schlecht ist. Die Chemnitzer Busfahrer sind nicht unbedingt für ihren sanftmütigen Fahrstil bekannt. Ab jetzt geht es nur noch bergauf: Immer die Oberfrohnaer Straße hoch, um den noch etwa zwei Kilometer entfernten Stausee zu erreichen. Der Weg, der das Ziel ist, führt durch eine Landschaft, die mehr Thüringer Wald als Chemnitz ist. Hat man die letzten Höhenmeter erklommen – Nordic Walking Stöcke sind nicht von Nöten –  wird man mit einem imposanten Ausblick belohnt: Wie ein schlummerndes Raubtier liegt der Moloch im Kessel, in der Ferne dampfen graue Wolken aus einem bunten Schornstein.

Text und Foto: Johanna Eisner


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