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Daniel Raved illegal

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Spätestens wenn deine Festivalbändchen mehr am Arm kratzen als der Wollpulli darüber und du die Heizung auf die 4 stellst, wünschst du dir den Sommer zurück.

Dass es jetzt schon Early-Bird-Tickets für die nächste Festivalsaison gibt und du von deinen Freunden fleißig unter Aftermovies auf Facebook verlinkt wirst, verstärkt deine Herbst-Depression noch. Wenn du die Seifenblasen in Slowmotion an glitzernden Menschen platzen siehst, ärgerst du dich, dass du die Nacht nicht mehr zum Tag machen brauchst, weil es eh schon um 6 dunkel wird. Rückblickend fällt dir außerdem auf, dass es auf dem schnuckeligen Festival, das vor einigen Jahren noch als Geheimtipp gefeiert wurde, mittlerweile auch einen Handbrotzeit-Stand gibt. Früher stand da noch das nächste große Ding auf der Bühne, mit dem du später prahlen konntest: „Hab ich damals schon gesehen, als die noch niemand kannte. Sympathischer Typ, dieser Henning“. Als Merch gab es nur fußbemalte Jutebeutel und alle durften noch direkt hinter der Hauptbühne campen. Gibt es noch Veranstaltungen, die sich wieder so exklusiv und aufregend anfühlen? Der Hype um illegale Raves ist auch in Chemnitz angekommen. Organisiert werden diese über super geheime Facebook-Gruppen, in die man nur von seinen hippen Freunden eingeladen werden kann. Der Veranstaltungstext ist kryptisch-metaphorisch, irgendwas mit Feenstaub und Magie. Der Veranstaltungsort wird erst kurz vorher in Form von Koordinaten bekannt gegeben. Zum Sonntagnachmittag treffen sich dann 500 Menschen an der Autobahnbrücke (50°49’12.5“N 12°51’21.9“E) und versprühen Berliner Flair. Mit 3 Kugeln Gin-Tonic-Eis von Marschners und Picknick-Decke. Aus den Boxen vibrieren Techno-Bässe in 120BPM und übertönen den ratternden Diesel-Generator. Genau so eine „illegale Facebook-Party“ wurde 2015 von der Chemnitzer Polizei aufgelöst. Die Stadt Chemnitz reagierte erstaunlich souverän und schuf mit dem 48-Stunden-Formular ein Verfahren, mit dem schnell und unbürokratisch sogenannte „Spontanpartys“ angemeldet werden können, allerdings nur auf vier ausgewiesenen Flächen. „Natürlich werden wir nicht alle Interessenten zufrieden stellen können, vielleicht gibt es auch die ein oder andere Beschwerde. Trotzdem haben wir uns für die Chance, für das Möglichmachen entschieden“, so Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig. Haben angemeldete Spontanpartys für die eigentlichen Möglichmacher noch den Charme eines illegalen Raves? Vielleicht zieht es sie auch etwas weiter raus, da wo sich niemand beschweren kann. Vielleicht gleich zwei Tage. Und campen darf man dort direkt hinter der Hauptbühne.


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